7 Interessante Fakten zum Thema Unfruchtbarkeit

Egal ob ihr selbst betroffen seid oder jemand in eurem Umfeld das große Los gezogen hat unfruchtbar zu sein – hier habe ich für euch 7 interessante Fakten zum Thema unerfüllter Kinderwunsch zusammengestellt.

Hoffentlich kann ich durch diesen Beitrag das ein oder andere Vorurteil oder Missverständnis aus dem Weg räumen und dadurch Kommentare wie „ach, es hat doch schon einmal geklappt also klappt es garantiert noch einmal“ oder „einfach mal entspannen, dann klappt das schon von ganz alleine“ aus meiner Zukunft streichen. Das wäre toll.

Aber was genau ist eigentlich Unfruchtbarkeit? Generell spricht man von Unfruchtbarkeit bzw. ungewollter Kinderlosigkeit, wenn nach einem Jahr regelmäßigem und unverhütetem Geschlechtsverkehr  keine Schwangerschaft daraus hervorgeht.

Ein Jahr klingt vielleicht nach einer langen Zeit, aber eigentlich hat man in der Regel ganze 13 Zyklen pro Jahr. Wenn man dann davon ausgeht, dass sogar eine gesunde, fertile Frau auch mal einen Zyklus ohne Eisprung hat, dann sind das gar nicht mal so viele Chancen. Wenn man zudem auch noch unfruchtbar ist, beispielsweise durch das wunderherrliche PCO Syndrom so wie ich es habe, dann dezimieren sich die Versuchschancen auf all die Zyklen, in denen man Medikamente nimmt.

Hier in Kalifornien darf ich bei meinem Arzt nur sechsmal Medikamente wie Clomiphene erhalten, bevor ich als Totalschaden eingestuft werde und mir nur noch die IVF oder ICSI übrig bleibt. Ganz wunderbar. Und irgendwie wundert es mich dann auch nicht, dass ich nach 6 Monaten noch immer hier sitze (nicht schwanger versteht sich), wenn doch einige Bekannte ohne irgendwelche Fruchtbarkeitsprobleme länger als 6 Monate gebraucht haben um ihr Kind zu zeugen. Nun gut, es ist wie es ist. Aber genug von meinem Unmut. Hier sind sie, die 7 Fakten zum Thema Unfruchtbarkeit.

1. Du bist nicht allein

Die World Health Organization geht davon aus, dass über 10% der weiblichen Bevölkerung unter Infertilität leidet. Das Berlin Institut geht sogar davon aus, dass in Deutschland eine von sieben Partnerschaften nach zwei Jahren unverhütetem Geschlechtsverkehr noch immer kinderlos ist und somit eine Infertilität bzw. Sterilität vorliegt. Also: es leiden mehr Menschen an unerfülltem Kinderwunsch als man denkt. Du und ich, wir sind nicht allein.

2. Die Ursache liegt nicht immer an der Frau

Viele Menschen glauben, dass meist die Frau der Grund für den unerfüllten Kinderwunsch ist. Dies ist jedoch ein Irrglaube. Männer und Frauen sind beide für ca. 35 Prozent an der Kinderlosigkeit verantwortlich. In 20% der Fälle sind beide Partner unfruchtbar und bei den restlichen 10% (vgl. Berlin Institut) liegt die unerklärte Infertilität vor, was bedeutet, dass beide Partner gesund und fruchtbar sind, es jedoch zu keiner Schwangerschaft beziehungsweise zu keiner Lebendgeburt kommt.

3. Gesundheit kein Zeichen für Fruchtbarkeit

Schlechte Nachricht an alle gesunden Menschen: euer genereller Gesundheitszustand ist leider kein Indiz auf Fruchtbarkeit, denn der Großteil der unfruchtbaren Personen ist generell nicht weniger gesund als alle anderen Menschen, die nicht in der Unfruchtbarkeitslotterie gewonnen haben.

4. Über- und Untergewicht können Unfruchtbarkeit verursachen

Ja, wer hat nicht das ein oder andere Kilo zu viel auf den Hüften…wir alle kennen das. Nun gut, die Meisten von uns. Doch nicht jeder weiß, dass sich dies auf den Kinderwunsch auswirken kann. Der Grund: über- und untergewichtige Frauen neigen zu hormonellen Störungen, sodass es zu unregelmäßigen Zyklen ohne Eisprung kommen kann. In Kalifornien werden beispielsweise stark übergewichtige Patienten erst dann wegen ihrem Kinderwunsch behandelt, wenn sie den vorgeschriebenen BMI vorzeigen können.

5. Viele Betroffene schweigen über ihre Unfruchtbarkeit

Oft kennen wir die ein oder andere Person in unserem Freundeskreis, die mit unerfülltem Kinderwunsch kämpft. Oftmals hört man dies aber erst Jahre später, nämlich dann, wenn die Kinder etwas älter sind und man (zum Glück) nicht mehr täglich über dieses leidige Thema nachdenken muss.

Natürlich ist es jedem selbst überlassen, ob und mit wem er oder sie ihre “struggles” teilen möchte. Doch häufig macht es den Eindruck, dass Infertilität auch noch in der heutigen Zeit ein Tabu-Thema ist. Schade eigentlich. Denn lass dir gesagt sein: du bist nicht weniger Frau als jede andere “gesunde” Frau da draußen. Du hattest leider Pech und zählst zu den 10%, die primäre oder sekundäre Infertilität in ihrer medizinischen Akte stehen haben. Und trotzdem darf oder sollte es dir nicht unangenehm sein. Du trägst keine Schuld daran und bist trotzdem toll. So einfach ist es.

Übrigens wissen viele Menschen nicht, dass es so etwas wie sekundäre Infertilität gibt. Doch leider gibt es weltweit viele Paare, die ihrem Kind liebend gerne ein Geschwisterchen geschenkt hätten, es aber nie geklappt hat. Deshalb sind Sprüche wie „es hat doch schon einmal geklappt“ nicht immer hilfreich. Obwohl wir ja alle wissen, dass die Person es nur gut mit uns gemeint hat.

6. IVF: nicht immer bezahlbar

Wer in Deutschland lebt kann sich glücklich schätzen, denn hier erhält man große Unterstützung bei der Familienplanung. Natürlich müssen dazu gewisse Kriterien erfüllt sein, aber das sollte im Großen und Ganzen unproblematisch sein.

Während die deutschen Krankenkassen die ersten drei IVF-Versuche zu 50% übernimmt, sieht es in den USA gleich ganz anders aus. Dort hängt alles von der jeweiligen Versicherung ab, aber i.d.R. werden In-Vitro und ICSI ausgeschlossen. Okay, also selbst zahlen. Da gibt es nur ein Problem: die ICSI, die in Deutschland um die 3000 Euro kostet, kostet beispielsweise hier in Kalifornien um die 14.000 Euro. Ein Schnäppchen.

7. Auswirkungen der Kinderlosigkeit werden häufig unterschätzt

Wer unfruchtbar ist weiß wovon ich rede. Denn wenn der Kinderwunsch besteht, eine Schwangerschaft jedoch ausbleibt, dann hat das starke Auswirkungen auf die Psyche. Insbesondere Frauen tendieren dazu, an einer Depression zu erkranken.

Wer das nicht so ganz nachvollziehen kann, dem möchte ich hier nur ganz kurz von meiner Erfahrung berichten. Generell würde ich mich selbst als ganz lebensfrohen Menschen bezeichnen. Doch seit der unerfüllte Kinderwunsch besteht, stehe ich komplett neben mir und es gibt Tage, an denen ich mir selbst um mich Sorgen mache. Alle Gedanken drehen sich nur noch um dieses leidige Thema und es fließen Tränen über Tränen.

Plötzlich werden viele Freunde und Bekannte um einen herum schwanger. Die Schwangeren beschweren sich über ihren Babybauch, während man daneben gleich wieder in Tränen ausbrechen könnte, da man sich doch nichts sehnlicher wünscht als auch einen von diesen großen Bäuchen zu haben.

Und plötzlich fühlt man sich irgendwie alleine. Die Fragen und Sprüche von Bekannten machen es natürlich auch nicht besser. Und nicht selten passiert es, dass man sich bewusst oder unbewusst von Freunden – insbesondere Schwangeren – distanziert.

Unfruchtbarkeit hat so viele Auswirkungen auf die Lebensqualität. Falls du selbst das Gefühl haben solltest, dass du neben dir stehst und mit Jemandem über deine Situation sprechen möchtest, dann verschwende keine Zeit und spreche deinen behandelnden Arzt darauf an. Ein guter Arzt sollte dich über die diversen Angebote (z.B. Selbsthilfegruppen oder eine Therapie) informieren.

Das Ganze braucht dir nicht unangenehm sein, denn du kannst nichts dazu. Es ist eine Krankheit und du hast ein Recht auf professionelle Hilfe. Alle Betroffenen wissen vermutlich, welch negative Auswirkungen der unerfüllte Kinderwunsch auf die Ehe, den Freundeskreis und das persönliche Empfinden hat. Ein einziger Trost:

you are not alone.

3 Kommentare
    • Bine
      Bine sagte:

      Vielen Dank, liebe Claudia! Es freut mich sehr, dass du dir die Zeit genommen hast, um hier vorbei zu schauen. Ich freue mich natürlich, wenn du weiterhin vorbeischaust und werde das bei dir natürlich auch tun – du bist schließlich die Expertin! Liebe Grüße!

      Antworten
  1. Jonas
    Jonas sagte:

    Vielen Dank für diesen informativen Beitrag zum Thema Unfruchtbarkeit. Es ist eine erstaunliche Menge, wieviele Familien bzw. Frauen an diesem Problem leiden. Glücklicherweise gibt es die künstliche Befruchtung, wie z.B. die IVF. Im Internet bin ich bei meiner Suche auf folgende Seite gestoßen mit weiteren Informationen: https://www.kinderwunsch.at/de/ivf

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