Einfach mal abschalten

Jetzt oder nie.

Ich sitze gerade in der Sonne und esse ein Eis. Eigentlich würde ich mein Eis gerne abends vorm Fernseher bei einer neuen Folge Grey’s Anatomy (ja, ich schaue die Serie immer noch..) essen, aber leider hat mein Kind seit Neustem beschlossen, dass Schlafen nur etwas für kleine Babys ist – und sie ist ja schließlich kein Baby mehr. Deshalb – wenn ein Eis, dann jetzt. Jetzt oder nie. Ich habe mich für jetzt entschieden und genieße es in vollen Zügen. Außerdem genieße ich die Sonne. Wann war es das letzte Mal so heiß im Februar? Egal wie, ich genieße das jetzt einfach mal. Wer weiß, wann das kleine Monster wieder aufwacht.

Ihr habt jetzt schon zwei Dinge über mich gelernt: ich LIEBE Eis und ich nenne mein Kind kleines Monster. Meine Mutter schimpft immer mit mir, dass ich sie so nenne, aber ich finde der Name passt sehr gut. Und es ist ja auch liebevoll gemeint..meistens zumindest. Ihr Mamas da draußen wisst was ich meine.

So, ich habe mir doch jetzt tatsächlich meinen Bikini angezogen. Nicht dass ich gerade eine Bikinifigur hätte, aber das ist ja auch egal. Falls der Nachbar heute über den Zaun schauen sollte, dann ist das eben seine Schuld. Ich genieße heute einfach mal das Leben und versuche abzuschalten.

Aber von was eigentlich abschalten?

In den letzten Monaten habe ich eigentlich nichts anderes gemacht als von Arzttermin zu Arzttermin zu rennen: Ultraschall, Blutabnahmen, etc. Und alles nur, um mir meinen größten Wunsch zu erfüllen: eine zweite Schwangerschaft. Mein Mamafieber wird nämlich immer größer und größer. Und obwohl ich in den letzten Monaten wirklich alles gegeben habe, sitzte ich jetzt hier und bin nicht schwanger. Wenn ich wollte, könnte ich jetzt auch einfach mal ein Gläschen Sekt trinken…

Viele von euch da draußen wissen vermutlich ganz genau wie sich das so anfühlt wenn der Kinderwunsch da ist, die Schwangerschaft aber ausbleibt. Es ist nicht schön und zehrt an den Nerven. Jede Minute, jede Sekunde am Tag verbringe ich mit dem Gedanken an meine Unfruchtbarkeit. Warum ich? Warum ist das Leben so unfair? Wird es denn jemals nochmal klappen? Was wenn nicht? Wie fühlt es sich an, wenn man so „ganz einfach“ schwanger wird? Wenn einfach die Tage ausbleiben, man testet und plötzlich aus dem Minus ein Plus wird oder die zweite Linie aus dem Nichts erscheint? (Ich war letztens übrigens schon kurz davor einen Stift zu holen und diese doofe zweite Linie auf den Test zu malen. Einfach so, weil ich verrückt bin). Warum fühle ich mich so wie ich mich fühle, schließlich habe ich doch ein Kind und sollte darüber glücklich sein?

Insbesondere die letzte Frage ist die, mit der ich mich ganz häufig auseinandersetze. Ich habe doch ein Kind, wieso bin ich dann so unglücklich? Habe ich überhaupt das Recht dazu, unglücklich zu sein?

Hätte man mir vor einem Jahr erzählt, dass IVF der einzige Weg zu einem zweiten Kind ist, dann hätte ich diese Person für verrückt erklärt. Schließlich hat es doch schon einmal geklappt!

Leider musste ich lernen, dass es etwas gibt dass sie hier in den USA als Secondary Infertility, also sekundäre Unfruchtbarkeit, bezeichnen: du hast ein Kind, aber danach mag es einfach nicht mehr klappen. Ganz große Klasse.

Nun sitze ich also hier und überlege, wie es weitergehen soll. Möchte ich überhaupt eine IVF? Wenn ja, was sind die Kosten? Hier in den USA ist das nämlich alles ein bisschen teurer. Viiiel teurer. Ungefähr dreimal so teuer, wenn’s reicht. Und die meisten Versicherungen zahlen nichts dazu. Du möchtest keine Kinder? Kein Problem, die Babypille gibts gratis. Vasektomie oder Sterilisation gefällig? Klar, dafür muss man nur ein bisschen zuzahlen. Du bist unfruchtbar und benötigst Hilfe und Unterstützung? Na hoffentlich hast du schön gespart, denn um die $15.000 kostet das auf jeden Fall.

Wie ich das finde brauche ich wohl nicht zu sagen, ihr könnt es euch vorstellen. Und genau deshalb recherchiere ich jetzt über unsere Moeglichkeiten. Wenn tatsächlich IVF, dann vielleicht sogar in Deutschland?! Wie auch immer, ich halte euch auf dem Laufenden. Und wer weiß, vielleicht klappt es noch kurz vor Behandlungsbeginn einfach so. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Aber jetzt erstmal zurücklehnen, die Pause genießen und euch einen schönen Tag wünschen! Macht’s gut ihr Lieben, bis ganz bald,

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