Hier sitze ich nun. Es ist Abend und so langsam wird es dunkel. Ich weiß nicht so ganz genau weshalb, aber es sind die Abende die mich besonders quälen. Heute ist der fünfte Abend ohne Roxy. Mein Herz blutet, der Kloß im Hals ist mein täglicher Begleiter. Ich kann es gar nicht in Worte fassen wie schlimm das alles für mich ist.

Ja, wir wussten, dass wir uns von ihr verabschieden müssen. Kurz vor Weihnachen kam die Diagnose Milzkrebs. Drei Wochen bis drei Monate hatte man ihr gegeben. Aufgrund der vielen Metastasen, die während der OP gesehen wurden, vermutete man eher ersteres. Nach mehreren Gesprächen entschieden wir uns für eine Chemotherapie, die die Prognose auf 6 bis 9 Monate verlängerte.

“Erlöst doch euren Hund”, musste ich mir ab und zu anhören. Nicht überraschend, dass diese Worte hauptsächlich von Leuten kamen, die selbst nie einen Hund besessen hatten. Ich versuchte immer zu erklären, dass sie nicht leidet und keine Schmerzen hat. Wäre dem so gewesen, dann hätten wir sie natürlich erlöst.

Aber da stand sie vor uns, fit und quirlig wie immer. Freunde konnten nicht glauben, dass sie wirklich so schwer krank war – schließlich war sie ganz die Alte.

Doch in ihrem Körper wucherte der Krebs weiter. Am Montag gewann er den Kampf und wir haben verloren, was uns seit 8,5 Jahren so sehr ans Herz gewachsen war: unsere Roxy.

Nun sitze ich hier, weine, und versuche diesen furchtbaren Montag zu verkraften. Ich erspare euch die Details, möchte nur sagen, dass es schnell ging. Am Sonntag war sie noch fit, sprang fröhlich herum und genoss das sonnige Wetter. Montag Nachmittag haben wir ihr das letzte Mal in die Augen geschaut.

Es tut so sehr weh. Immer wieder höre ich die Worte meines Mannes: “jetzt ist sie weg.” Es war nach der dritten Spritze. Ich war nicht darauf vorbereitet, dachte, dass sie noch eine Minute atmen würde. Aber nein, das Herz hatte schon aufgehört zu schlagen.

Da lag sie nun, unser Baby. Ihr regungsloser Körper. Wir weinten, umarmten sie. Sprachen mit ihr. Es tat so weh und tut es immernoch und das wird auch noch eine ganze Weile so bleiben.

Denn mit der Zeit wird dieser Schmerz besser, das weiß ich. Doch nicht nur der Schmerz wird verblassen, sondern auch die Erinnerungen an eine Zeit mit ihr. Die Erinnerung an ihr Bellen, ihren Geruch, ihre Eigenheiten. 

Erinnerungen an 8,5 Jahre. Ich habe Angst davor. 

Es war so schwer unserer Tochter erklären zu müssen, dass sie unsere Roxy nie mehr wiedersehen wird. Ich erklärte ihr, dass sie nicht mehr krank und über den Regenbogen gegangen sei – dass es ihr dort gut geht wo sie jetzt ist. Dass wir sie nicht mehr sehen und anfassen können, sie aber für immer in unserem Herzen sein wird.

Ich hatte solche Angst vor diesem Moment. Seit Monaten hatte ich mich gefragt, wie sie es verkraften würde. Zu meiner Erleichterung hatte sie es gut aufgenommen. 

Am ersten Tag nach Roxys Abschied kam meine Kleine ganz aufgeregt zu mir gerannt, rief etwas von “Rainbow…Roxy!” und zeigte mir einen Regenbogensticker auf ihrem kleinen Fingerchen kleben. Es war so traurig. Solche Momente gibt es täglich. Es schmerzt so sehr.

Doch nicht nur wir vermissen Roxy. Es ist auch schwierig für unsere andere Hündin, Lily. Sie durfte unsere Roxy noch einmal sehen und sich von ihr verabschieden. Damit sie versteht, was da passiert ist. 

Doch irgendwie hatte es die ersten zwei Tage den Eindruck gemacht, als würde sie noch immer auf Roxy warten.

Jetzt, vier Tage ohne Roxy, macht unsere Lily einen sehr traurigen Eindruck. Sie liegt häufig nur rum und das an ganz komischen Stellen in der hintersten Ecke. Sie ist ganz anders als sonst und das macht mich ganz fertig.

Hat sie verstanden, was da passiert ist? Oder denkt sie, dass Roxy wieder zurück kommt? Ach, es ist so schwierig.

Ich weiß nicht so ganz was ich denken oder fühlen soll. Ich bin froh, dass es schnell ging und sie nicht leiden musste. Davor hatte ich große Angst. Doch wie gerne hätte ich noch ein paar Jahre mit ihr gehabt. Wäre der Abschied dann leichter gefallen? Sicherlich nicht.

Einen Hund zu verlieren ist ganz fürchterlich. Man sorgt sich um ihn, geht jeden Tag mehrmals Gassi, spielt, kuschelt und plötzlich, von heute auf morgen, ist er weg. Einfach so.

Es ist so komisch meinen Mann ohne unseren Hund an seiner Seite zu sehen. An eine Zeit vor unserer Roxy kann ich mich auch kaum noch erinnern.

Jetzt müssen wir uns also neu finden und akzeptieren, dass das Leben seinen Lauf nimmt. Das ist nicht einfach, aber es gehört dazu. Mir ist bewusst, dass dies seine Zeit braucht. Und hoffentlich verschwindet mit dieser Zeit auch diese Leere, die mich den ganzen Tag begleitet.

 

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