Spruch für Babyparty: Let us shower this beautiful mama with love auf einem rosa Letter Board

Neulich war ich auf der Babyparty meiner Freundin. Das war meine dritte amerikanische Babyshower, wobei eine davon meine eigene war. Ich muss schon sagen: Amerikaner legen sich da so richtig ins Zeug. Von der richtigen Dekoration über professionelle Torten bis hin zu tollen Spielchen, es ist für jeden etwas dabei. Doch die heutige Babyparty war für mich mal ganz anders, denn es war die erste Babyshower während meines unerfüllten Kinderwunsches (bei der ersten Shower hatte ich kurz zuvor herausgefunden, dass ich schwanger bin und die Zweite war dann meine eigene). Aber wie fühlt es sich an, wenn der größte Wunsch ein eigenes Baby ist und man zu einer Party geht, wo sich alles um das Thema Baby dreht? Gar nicht mal so gut, kann ich da sagen. Aber lasst mich mal von vorne beginnen.

Das Wichtigste vorweg: jeder ist anders und nur weil ich so fühle bedeutet das nicht, dass andere Kinderwunschpatientinnen genauso fühlen. Deshalb schildere ich alles aus der Ich-Perspektive. Wer selbst einen Kinderwunsch und Erfahrungen mit Babypartys hat, der ist herzlichst dazu eingeladen, über die eigene Erfahrung in den Kommentaren unter diesem Beitrag zu berichten. Meine vage Vermutung ist jedoch, dass ich mit meinen Empfindungen bezüglich Kiwu und Babyshower nicht alleine bin. Aber jetzt zur Sache: warum ist es denn so schwierig für mich?

Baby, Baby, Baby – und Baby

Wie bereits gesagt, alles – und dabei meine ich wirklich alles –, dreht sich bei diesem Event um das Thema Baby. Es ist der Tag, an dem viele Frauen zusammen kommen und mehrere Stunden ununterbrochen über Babys sprechen – mit allem was dazu gehört. Da meine Freundin ihr zweites Kind erwartet und dadurch viele Freundinnen hat, die bereits Mama sind, war das Thema Geburt natürlich der Renner. Wie lange hat es bei dir gedauert? Was? So schnell ging das bei dir? Verrückt, ich musste mich zwei Tage quälen. Neeein, du hattest auch einen Kaiserschnitt? Ja, hoffentlich läuft es nicht wieder auf einen hinaus. Und, und, und…ihr wisst vermutlich wie das abläuft.

Hier kann ich mich natürlich glücklich schätzen, denn ich bin bereits Mutter und kann bei diesen ganzen Themen mitsprechen. Doch ich habe mich dabei ertappt wie ich mich nachdenklich fragte, wie das für eine Frau ist, bei der es noch nicht geklappt hat. Vermutlich gleicht es einer Folter, denn spätestens wenn eine Mama sich darüber beschwert, wie sehr sie doch das Schwangersein hasst (obwohl sie selbst betont wie unkompliziert ihre Schwangerschaften verlaufen), ist bei der Frau mit Kinderwunsch Schluss. Ende Gelände. Bei mir, und wie gesagt ich habe das Glück Mama zu sein, kommen da ja schon solche Gedanken auf: 

Wenn sie mal wüsste welch ein Glück sie hat! Was würde ich nur dafür geben, in ihrer Situation zu sein? Wenn sie denkt schwanger sein ist anstrengend, dann sollte sie mal die ganzen Kinderwunschbehandlungen durchmachen – dann weiß sie, was anstrengend ist. Sie hat solch ein Glück und beschwert sich nur. Hoffentlich ist sie gleich ruhig, sonst verliere ich meine Nerven.

Mein nächster Gedanke? “Bine, du bist eine blöde Kuh. Sei nicht so gemein”. Und schon wären wir wieder beim Teufelskreis, denn ich fühle mich schlecht für meine Gedanken: natürlich hat die Bekannte das gute Recht, kein Fan der Schwangerschaft zu sein. Sie kennt es nicht anders und hat keinen blassen Schimmer davon, wie man sich fühlt wenn man unfruchtbar ist. Es ist nicht ihre Schuld.

Der Ablauf: Essen und Geschenke

Aber weg von meinen Gedanken und zurück zur Shower. Es war eine tolle Party: es gab lecker Essen und die Gastgeberinnen hatten sich sehr viel Mühe mit der Deko und der Programmplanung gegeben. Es gab eine Bastelecke, wo wir alle eine Holzfeder bemalen durften, die schließlich zu einem Mobilé zusammengebunden wurden. Außerdem spielten wir noch zwei Spielchen und überreichten der Mom-to-be ihre Geschenke. Vermutlich werde ich euch in einem separaten Beitrag mal ganz genau von dem Ablauf einer amerikanischen Babyshower berichten, denn da gibt es schon ein paar interessante Dinge darüber zu erzählen.

Die Geschenkübergabe ist meiner Meinung nach auch ein schwieriger Moment für eine Frau mit Kinderwunsch. Wieso? Weil man ein süßes Outfit nach dem anderen sieht, alle Frauen vor sich hin “awwwwen” und “oooohen” und man selbst nur denkt: hach, wenn ich auch endlich (wieder) solche süßen Sachen in meinem Haus hätte und mich beim Anblick dieser Dinge darüber erfreuen könnte, wie knuffig mein Kind darin aussehen wird. Stattdessen frage ich mich, ob ich denn jemals (wieder) solche kleinen Outfits benötigen werde. Wer weiß. Da ist er nämlich wieder, der Gedanke über die Ungewissheit. Ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit macht sich breit.

Wie gesagt, meine Freundin erwartet ihr zweites Baby. Da ist es unvermeidbar, dass irgendwann darüber philosophiert wird, welcher Abstand denn der Beste zur großen Schwester oder dem kleinen Bruder sei. Mein Lieblingsthema, denn ich habe gelernt, dass man manchmal einfach gar nichts planen kann. Umso „erfreulicher“ ist es dann zu hören, dass sich Andere genauestens überlegt haben, in welchem Monat sie das Kind bekommen wollten und ihr Ziel auch erreicht haben. Das ist ein wenig deprimierend, wenn man selbst nicht mal das Jahr erreicht, in dem man das Kind gerne bekommen hätte.

Es wird langsam Zeit

Aber damit nicht genug, das Thema Geschwisterchen bringt natürlich eine Frage mit sich – nämlich die, wann es denn bei mir soweit sei. Es wäre doch an der Zeit. Da sitze ich also und würde am Liebsten losheulen. Aber nein – stattdessen setze ich mein Fake-Lächeln auf und sage so etwas wie “joa, mal schauen…”. Oh wie ich diese Frage liebe. Währenddessen spüre ich, wie zwei meiner Freundinnen, die von meiner Unfruchtbarkeit wissen, nervös wegschauen. Eine komische Situation, die vermutlich viele Frauen mit Kinderwunsch über sich ergehen lassen müssen – und das nicht nur auf Babypartys.

Wenn ich auf die Babyparty zurückschaue, dann kann ich festhalten, dass es ein schönes wenn auch etwas anstrengendes Event war. Für eine Mama mit erstem Kinderwunsch wäre es eine Qual gewesen, da bin ich mir sicher. Es ist schwer zu beschreiben, welche Emotionen einen in einer solchen Situation überfluten. Ist es Neid? Meiner Meinung nach nicht, denn für mich schwingt bei dem Wörtchen Neid etwas Negatives mit. Ich freue mich von ganzem Herzen für jede Schwangere. Ich bin nicht neidisch und gönne es jedem. Aber trotzdem ist da etwas in der Ecke meines Herzens, dass ein wenig schmerzt. Vermutlich ist dieser Schmerz das Symptom von der Ungewissheit und Hilflosigkeit, die mich seit Beginn meiner Kinderwunschzeit täglich begleiten.

Zu guter Letzt

Ich hoffe, dass hier keine Missverständnisse auftreten. Ich gehe natürlich gerne auf die Babypartys von Freunden, stecke meine eigenen Emotionen und Bedürfnisse zurück und setze mein Lächeln auf. Es ist der Tag der Mom-to-be und sie verdient ihn voll und ganz. Mein Kinderwunsch muss in diesem Moment Nebensache sein. Das ist natürlich nicht einfach, wenn man das Gefühl hat, dass das Motto des Events “das wäre dein Preis gewesen” ist. Weshalb dieses Motto? Weil ich schon vor meiner besagten Freundin das Projekt Geschwisterchen angegangen hatte und sie mir unbewusst und ungewollt mit ihrem wachsenden Bauch vor Augen führt, wie es jetzt bei mir aussehen könnte, gäbe es da nicht das doofe PCO Syndrom. Aber dafür kann sie nichts, das ist mir klar. Und trotzdem ist es schwierig für mich. Die Babyparty ist da nur die Kirsche auf dem Sahnehäubchen. 

Wenn du also selbst einen Kinderwunsch hast und auf einer Babyparty eingeladen bist, dann beachte bitte Folgendes: es ist nicht dein Tag, sondern der Tag deiner Freundin. Sie hat es verdient, bei diesem Event im Mittelpunkt zu stehen und gefeiert zu werden. An diesem Tag kann leider keiner auf dich Rücksicht nehmen, denn es dreht sich nunmal alles um das Thema Baby (und um Alles was dazu gehört: Geburt, vaginale Verletzungen nach der Entbindung, Durchfall,…you name it). Wenn das (verständlicherweise) für dich zu diesem Zeitpunkt nicht auszuhalten ist, dann überlege dir gründlich, ob deine Anwesenheit tatsächlich eine Bereicherung für deine Freundin ist. Falls dies nicht der Fall ist, dann ist es vermutlich besser, wenn du an diesem Event nicht teilnimmst. Auch wenn deine Freundin vielleicht enttäuscht ist, ist es letztendlich das Beste was du für sie (und dich) tun kannst: eine Trübsalstimmung hat nichts auf einer Babyparty zu suchen. Falls du Erfahrung mit Kinderwunsch und einer Babyparty hast, dann lass mich doch bitte wissen, wie du es empfunden hast – ich freue mich darüber! Bis bald,

 

 

 

2 Kommentare
  1. PrinzessinN
    PrinzessinN sagte:

    Ich kann dich so gut verstehen und glaube mir, du bist nicht alleine mit solchen Gedanken.
    Zum Glück gibt es hier keine Babyshowers und ich war selber noch nie auf einer. Dafür war es für mich immer schwer, die Geburtstagsfeiern der Kinder einer Freundin durchzustehen. Da sitzt du auch auf dem Stuhl und denkst, ich würde auch gerne den 1., den 2., den 3. … Geburtstag meines Kindes feiern und dieses Gefühl erleben. Habe auch schon eine Einladung abgesagt, als ich wieder Mal ein Tief hatte. Ist ja nicht böse gemeint. Aber es war mir einfach zu viel.

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    • Bine
      Bine sagte:

      Vielen Dank für deinen lieben Kommentar!! Schön zu hören, dass es einem nicht alleine so geht/ ging. Alles eben nicht so einfach und das kann auch nur verstehen, wer in einer ähnlichen Situation steckt. Finde aber gut, dass du die Einladung abgesagt hast – denn sich quälen bringt ja auch nichts. Weder dir, noch dem Geburtstagskind. Liebe Grüße!

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