Christine über ihre schöne Geburt trotz Einleitung

Christine von Anna’s Mum  ist gerade zum zweiten Mal Mama geworden – herzlichen Glückwunsch! Dieser Geburtsbericht ist von ihrer ersten Geburt, ihrer „großen“ Tochter Anna. Warum es oft ganz anders kommt als man denkt und wieso sie trotz Einleitung eine schöne Geburt hatte, das erzählt dir Christine in diesem Bericht. 

Die 6 Fragen aller Fragen:

Hattest du eine schöne Geburt?
Ja

War es deine erste Geburt?
Ja

Wie lange hat es gedauert (von erster Wehe bis zur Geburt)?
ca. 13 Stunden

Hattest du Angst vor der Geburt?
Respekt ja, Angst nein

War es schlimmer als erwartet?
Nein, viel viel schöner

Hast du einen Tipp für eine Schwangere, die kurz vor der Geburt steht?
Hab keine Angst vor den Schmerzen, vertrau auf dich und dein Baby, dass ihr das zusammen schafft. Mein Mantra war immer „eine Wehe dauert nur eine Minute“ und pausenloses tiefes und möglichst langes Ein- und Ausatmen hilft dir und deinem Körper die Kontrolle zu behalten und mit den Wehen zu arbeiten anstatt dagegen. Am Ende wirst du mit dem größten Schatz deines Lebens belohnt!!

Meine Erwartungen an die erste Geburt haben sich in Grenzen gehalten. Ich war auf die schlimmsten Stunden mit den größten Schmerzen meines Lebens gefasst.

Und eines stimmt, ich hatte noch nie Schmerzen, die mit Wehen vergleichbar wären. Aber wie alle sagen, wird man durch das Geburtserlebnis mit unvergleichlichen Glücksgefühlen und Stolz mehr als entlohnt. Eine Freundin von mir sagte eine Woche vor Annas Geburt zu mir: „Ich weiß, dass du Angst davor hast, vor allem wenn es auf eine Einleitung hinauslaufen sollte, aber ich sage dir, es lohnt sich zu kämpfen, weil das Gefühl, dass du dein Baby zur Welt gebracht hast, einfach gigantisch ist.“ Genau das würde ich auch jetzt jeder Freundin sagen. Die Vorstellung einer Einleitung war aufgrund von ausschließlich negativen Erfahrungen im Freundeskreis für mich der Super-GAU. Deswegen habe ich die ganze Schwangerschaft über gesagt, dass für mich eher ein Wunschkaiserschnitt als eine Einleitung infrage kommt. Auch hier wurde ich glücklicherweise eines besseren belehrt.

Wie es dann tatsächlich kam …

Wie immer natürlich anders als man denkt. Nix mit spontan im Supermarkt einsetzenden Wehen oder Blasensprung mitten in der Nacht. Bei einer Voruntersuchung in der Klinik erzählte ich der Ärztin, dass ich seit einigen Tagen vor allem abends und nachts unter starkem Juckreiz an Händen und Füßen leide, woraufhin sie eine Blutuntersuchung angeordnet hat. Abends rief die Klinik an und bestellte mich für den nächsten Tag – zufällig der errechnete Termin – dorthin, um mir ein Rezept mitzugeben, weil die Werte nicht optimal waren. Dort erfuhr ich dann, dass ich ambulant aufgenommen und die Geburt eingeleitet werden sollte.

Diagnose: Schwangerschaftscholestase. Das war ein Schock für mich und wir haben tatsächlich über die Option Wunschkaiserschnitt gesprochen. Im Nachhinein bin ich der Ärztin dankbar, dass sie mich ohne Druck und mit gutem Zureden davon überzeugt hat, es mit einer sanften Einleitung zu versuchen. Außerdem versicherte sie mir, dass wir jederzeit abbrechen und einen Kaiserschnitt machen können, wenn ich das wünsche. Also ließ ich mich darauf ein. Im Abstand von vier Stunden bekam ich die wehenauslösenden Magentabletten. Nach der ersten um 16 und der zweiten um 20 Uhr hieß es dann erstmal abwarten, spazierengehen und extra scharfe Penne all’arrabbiata (wehenfördernd!) essen. Die Stimmung war gleichzeitig nervös, gespannt und freudig – aber echt schön.

Die ersten richtigen Wehen kamen dann kurz nach Mitternacht, nachdem ich meinem Mann, Michi, Happy Birthday vorgesungen und er eingeschlafen war. Die nächsten Stunden im Kreißsaal hat mich dann Folgendes getragen: Michis Rückenmassage, das warme Wasser in der Badewanne und vor allem die Vorstellung von der Wehe als Welle, vor der man nicht vor Angst erstarren sondern sein Surfbrett nehmen, ihr entgegenlaufen und sie bändigen soll. Die Wehen durch ständiges, tiefes Ein- und Ausatmen mit leicht geöffnetem Mund wegzuatmen – bei mir hat es tatsächlich funktioniert. Trotzdem forderten die ganze Aufregung und der Schlafmangel gegen 6 Uhr morgens ihren Tribut. Ich war erschöpft und da es laut Hebamme noch einige Stunden dauern würde und ich Kraft für den Endspurt brauchte, bekam ich die erlösende PDA.

Ich bewundere alle Frauen, die ihr Baby ohne PDA zur Welt bringen – aber nicht mehr als die, die eine Geburt mithilfe von PDA oder Kaiserschnitt meistern.

Persönlich bin ich nicht der Meinung, dass man unter der Geburt irgendetwas beweisen muss, und würde mich immer wieder für die schmerzärmere Variante entscheiden. Es ist einfach eine Sache von persönlichem Schmerzempfinden und Überzeugung. Im Nachhinein denke ich, dass ich ohne die PDA nicht bis zum Ende durchgehalten hätte und Anna somit nicht spontan zur Welt gekommen wäre. Aber wer weiß sowas schon. Etwa 30 Minuten nach der Spritze konnte ich mich wieder normal mit Michi unterhalten, etwas dösen, Kraft tanken und sogar frühstücken.

Der Endspurt ging dann nach einigen ruhigeren Stunden umso schneller. Nachdem Anna sich nicht richtig eingedreht und in sogenannter Sternguckerposition mit dem Gesicht nach oben lag, versuchte die Hebamme vergeblich sie zum Drehen zu bringen: ich bekam Globulis und wurde umgelagert. Als das alles nichts half und Geburtsstillstand drohte, wurde dann der Wehentropf erhöht und als die Presswehen begannen kam eine zweite Hebamme zu Hilfe. Im Nachhinein bin ich wohl sehr knapp am Kaiserschnitt vorbei geschlittert, die Zeit drängte und Anna wurde von mir und der Hebamme auf meinem Bauch zusammen zur Welt gebracht, während Michi mich zwischen den Wehen mit einer Sauerstoffmaske versorgte. Dank der Professionalität und Gelassenheit der Hebammen habe ich diese 20 Minuten aber gar nicht als stressig oder dramatisch empfunden und war eher überrascht, dass Anna dann doch so „schnell“ da war.

Ein unglaubliches Glücksgefühl!

Und, was ich ehrlicherweise sagen muss, weil es für mich total unerwartet kam: bevor diese überschäumende, einzigartige Liebe für diesen kleinen Menschen mich überkam – die ich mir ja die ganze Schwangerschaft über versucht habe vorzustellen – war da noch ein anderes, sehr sehr starkes Gefühl, nämlich Stolz. Stolz auf mich, meine Leistung, Michi, unsere Entscheidungen und einfach alles. Und genau diesen Stolz wünsche ich einfach jeder Mama, unabhängig vom Verlauf der Geburt.

Alles Gute!

Christine

Du willst mehr über Christine erfahren?

Dann schau unbedingt auf ihrem wunderschönen Blog Annas Mum und ihrem Instagram-Profil vorbei! Lass ihr doch einen Gruß da – sie freut sich ganz bestimmt!

Liebe Christine,

ich bedanke mich herzlich bei dir, dass du deinen Geburtsbericht auf meinem Blog veröffentlicht hast. Das klingt im Großen und Ganzen nach einer schönen Geburt und ich kann mich in allem nur anschließen – du hast mir sozusagen aus der Seele gesprochen: „Persönlich bin ich nicht der Meinung, dass man unter der Geburt irgendetwas beweisen muss, und würde mich immer wieder für die schmerzärmere Variante entscheiden.“ Wir alle sind unterschiedlich, wir alle haben ein unterschiedliches Schmerzempfinden. Jede Frau darf selbst entscheiden, ob sie eine PDA möchte oder nicht. Sollte sie sich dazu entscheiden, dann ist sie nicht weniger stark als andere Frauen – sie geht nur einen anderen Weg.

Egal auf welchem Weg – die Geburt ist etwas Einzigartiges. Schmerzhafter als alles Andere, aber wie du so schön sagst: man wird mit dem größten Schatz seines Lebens belohnt.

Genieße deine zwei Schätze, knuddel dein Baby was das Zeug hält (denn wir alle wissen, dass sie soo schnell groß werden) und genieße deine Zeit mit deiner Familie.

Vielen Dank nochmal,

deine Bine