Podcast gefällig?

Alle Details zur Geburt meiner zweiten Tochter findet ihr in der 12. Folge des Mamafieber Podcasts.

Nun sitze ich hier und schaue meiner 14 Tage alten Tochter dabei zu, wie sie liebevoll von ihrer Wippe in den Schlaf geschaukelt wird. Das Kind ist satt, gewickelt und ich widme all meine Aufmerksamkeit diesem Geburtsbericht – ganz klassisch mit einem Pint Ben & Jerry’s an meiner Seite. Übrigens so ganz ohne mich dabei schlecht zu fühlen, schließlich stille ich ja. Haha, naja – so viele Kalorien kann man gar nicht durch’s Stillen verbrennen wie ich schon in mich hineingelöffelt habe. Aber egal, es macht mich gerade unheimlich glücklich und das ist doch die Hauptsache.

Pinterest-Grafik: Der Geburtsbericht aus den USA

Nun gut, los geht’s mit dem Geburtsbericht meiner zweiten Tochter. Wie ihr alle wisst habe ich sie in einem schönen Krankenhaus in Kalifornien zur Welt gebracht, nämlich in dem Krankenhaus, in dem schon meine Große im Jahr 2016 das Licht der Welt erblickte. Doch lasst mich mal von ganz vorne anfangen.

Die erste Wehe

In der Nacht vom 25.1., nämlich von Freitag auf Samstag, musste ich unheimlich oft auf’s Klo. Sonst hatte ich nie gezählt, wie oft ich aufstehen musste um meine sonst sehr gut trainierte Blase zu entleeren, aber irgendwie hatte ich in dieser Nacht mitgezählt. Es war noch mitten in der Nacht und ich war sage und schreibe schon das dritte Mal aufgestanden. Genervt legte ich mich wieder ins Bett, nur um kurze Zeit schon wieder wach zu werden. Doch nicht wegen meiner Blase, nein, da war dieser Schmerz. Was war das nur?

Ich musste keine fünf Minuten warten, da wusste ich was es war, was ich zuvor nur im Halbschlaf gefühlt hatte: eine Wehe. Oje, schon wieder ein Fehlalarm? Es war 3:30 Uhr. Ich stand auf, lief ins Bad, öffnete die Wehen-App und drückte brav bei Beginn und Ende der Wehe auf den Button. Es war also soweit, der Tag war gekommen. Oder?

Nach drei Wehen, die noch gut auszuhalten waren, ging ich zurück ins Schlafzimmer und versuchte meinen Mann zu wecken. Der schien aber so ganz und gar nicht beeindruckt zu sein und ignorierte mich (absichtlich?) für eine Weile, nur um dann irgendwann etwas von “Fehlalarm” vor sich hin zu brabbeln. Unnötig zu erwähnen, dass ich nicht ganz so entzückt war und mehr oder weniger nett darauf reagierte.

Noch schnell die Tasche packen

Nun gut, der Herr war dann nach ein paar “lieben” Worten meinerseits auch aufgestanden und ich packte noch zügig meine Tasche fertig. Ganz genau, denn auch dieses Mal war noch nicht alles fertig gepackt – so bin ich eben. In der nächsten Wehenpause rief ich das Krankenhaus an und teilte mit, dass meine Wehen ca. alle 5 Minuten kamen und für mindestens eine Minute anhielten und zudem immer schmerzhafter wurden.

Zunächst war die Gute ziemlich entspannt, doch als ich sagte, dass da unten schon Tag der offenen Tür sei und mir meine Frauenärztin beim letzten Termin gesagt hatte, dass ich doch bitte sofort ins Krankenhaus gehen sollte, änderte sich ihre Gelassenheit zu: “okay, dann bitte gleich auf den Weg machen!”

Nun gut, es war also soweit. Ich rief noch schnell unseren Babysitter an (der schon seit Wochen “on call” war), weckte unsere Tochter (“Baby’s coming! Time to see your babysitter!”) und versteckte mich bei jeder Wehe, damit die Maus nicht mein schmerzverzogenes Gesicht sehen musste.

Ab ins Krankenhaus

Um 5 Uhr war es dann soweit: wir saßen im Auto und fuhren Richtung Krankenhaus, das ca. eine halbe Stunde von uns entfernt ist. Bei jeder Wehe konzentrierte ich mich brav auf meine Atmung und ignorierte meinen Mann, der liebevoll fragte: “hast du überhaupt noch Wehen?” Ähm…nein, natürlich nicht – ich fahre so ganz aus Jux und Tollerei mit dir ins Krankenhaus!

Nun gut. Am Krankenhaus angekommen gingen wir mit unserer Tochter hoch zu Labor & Delivery. Unser Babysitter war noch nicht vor Ort aber das war gut so. Denn so konnte die Maus sehen, wie Mama in ihr sexy Nachthemd schlüpfte und im gemütlichen Krankenhausbett platz nahm. Dann verabschiedete ich mich von ihr und Daddy und sie gingen nach unten zur “Übergabe”.

PDA gefällig?

In dieser Zeit erledigte ich mit den Krankenschwestern noch das ein oder andere Formale, während mir schon ein Zugang für den Tropf gelegt wurde. Ob ich denn ein Epidural, eine PDA, wolle? Hm, gute Frage. Ich antwortete, dass ich abwarten würde. Fünf Minuten später hörte ich mich sagen: “Epidural, please!”

Man pumpte mir also schnell zwei Salzlösungen rein, denn das wäre vor einer PDA Pflicht. Die Krankenschwester war der Meinung, dass es bei mir eine schnelle Geburt geben, sobald die Fruchtblase platzen würde. Doch würde sie dieses Mal so ganz ohne Hilfe platzen?

Der Anästhesist kam ins Zimmer und fing auch schon an an meinem Rücken zu arbeiten. Mittlerweile waren die Wehen kaum noch auszuhalten. Ich lag bzw. saß da und fragte mich mal wieder, wie andere Frauen das so ganz ohne PDA machen. Hut ab – ich bewundere euch. Zugegeben, der Moment, als sich das Schmerzmittel im Rücken verteilte war ziemlich unangenehm und schmerzhaft. Aber trotzdem kein Vergleich zu diesem irren Wehenschmerz.

Schmerzen ade..

Ein paar Minuten später lag ich dann wieder entspannt in meinem Bett – so ganz ohne Schmerzen. Irgendwie war es diesmal anders mit der PDA, schließlich merkte ich keine Wehe mehr. Ob das so gut war? Aber egal, ich konnte nun entspannen. Irgendwann fragte ich die Krankenschwester nach dem Abstand meiner Wehen. Sie teilte mir mit, dass diese mittlerweile nur alle 10 Minuten kommen würden und dass man später eventuell mit Medikamenten nachhelfen müsse. Bitte was? 

Leicht irritiert überlegte ich mit meinem Mann wie es weitergehen solle. Wie ihr wisst hat unser Hund Krebs und wir hatten am Tag zuvor den zweiten Chemo-Zyklus gestartet. Bedeutet: wenn es Nebenwirkungen geben sollte, dann könnten diese jetzt auftreten. Da wir aber im Dunkeln das Haus verlassen hatten und es bei uns nur so vor Waschbären, Stinktieren und Kojoten wimmelt, hatte der Daddy nicht die Hundetür zum Garten reingemacht.

Da es also ganz so aussah, als würde in den nächsten Stunden nichts passieren, entschieden wir uns dazu, dass mein Mann schnell heimfahren würde um Hundetür einzusetzen und Hunde zu füttern. Die Krankenschwester war einverstanden und meinte, dass es natürlich keine Garantie dafür gäbe, dass es nicht schon vorher losgehen würde. Das Risiko war uns natürlich bewusst, aber mir war unheimlich wichtig, dass mein Mann nach der Geburt auch ganz entspannt bei uns sein konnte – ohne die ganze Zeit auf die Uhr zu schauen. 

Presswehen?

Nun gut, mein Mann sprang also zur Tür hinaus und ich wollte noch ein bisschen schlafen um Kraft zu tanken (danke PDA!). Gefühlte 15 Minuten später spürte ich etwas Komisches: den Drang zu pressen. Konnte das denn möglich sein? Ach, ich irrte mich bestimmt! Oder? Nein, da war es schon wieder! 

Ich informierte meine Nurse, die mich daraufhin sofort untersuchte. Acht Zentimeter – wenn mein Mann es nicht verpassen wolle, dann solle ich ihn jetzt unbedingt anrufen. Oh. Mein. Gott.  What. The. Heck. Wie war das möglich? Vor 20 Minuten hatten wir noch über das Auslösen gesprochen!

Ich rief also den Daddy an und teilte mit, dass es vermutlich schon ganz bald losgehen würde. Er war aber nur noch eine Minute von Zuhause weg. Wir vereinbarten, dass er schnell reinspringen und sich dann sofort wieder auf den Weg machen würde – gesagt, getan.

Wettlauf gegen die Zeit

Während er also alles gab, lag ich im Bett und versuchte dem immer stärker werdenden Drang zu pressen nicht nachzukommen. Leicht aufgeregt verfolgte ich live auf meinem Handy, wie mein Mann sich langsam aber sicher über die Hügelstrecke fortbewegte. Ob er es schaffen würde?

Mittlerweile war meine Frauenärztin eingetroffen, die man kurz zuvor angerufen hatte. Meine Krankenschwester kennt meine Ärztin und weiß, dass sie zu der schnellen Sorte gehört. Also war ich nicht überrascht, als sich die Krankenschwester ans Ende meines Bettes setzte, die Arme ausbreitete und sagte: “You don’t touch her! If you touch her, her water will break. If her water breaks, her husband will miss it.” 

Daraufhin teilte sie meiner Ärztin mit, dass sie doch ihre Banana aus ihrer Tasche holen und essen und sich vielleicht noch einen Kaffee gönnen solle. Ich verfolgte beiläufig weiterhin den Fortschritt meines Mannes. Mittlerweile war er schon von der Autobahn abgefahren – in maximal 10 Minuten sollte er dann im Krankenhaus sein.

Ende gut, alles gut – oder?

Meine Krankenschwester war entzückt und sagte, dass er es so auf jeden Fall schaffen würde – er hätte vermutlich noch genug Zeit um seine Jacke auszuziehen. Ich muss schon sagen, dass mich diese Aussage ein bisschen beruhigte.

Keine fünf Minuten später sprang er auch schon ins Zimmer – anscheinend hing die Ortungsfunktion ein bisschen hinterher. Ihr könnt euch vermutlich vorstellen, wie happy ich darüber war. Die Nurse machte noch schnell ein Foto von uns und war begeistert, dass der Daddy die Geburt seines zweiten Kindes nicht verpassen würde.

Ende gut, alles gut!Fünf Minuten später kam dann meine Ärztin ins Zimmer und alle waren ready. Ich wurde noch einmal untersucht und hatte das Okay zu pressen, wann auch immer mir danach war. Bei der nächsten Presswehe ging es dann auch los und ca. 20 Minuten später erblickte unsere kleine Maus das Licht der Welt. Zwischenzeitlich wurde mir eine Sauerstoffmaske aufgesetzt, da bei jeder Wehe die Herztöne der Maus schlechter wurden. 

Ouchie.

Zugegeben, am Ende tat es trotz PDA höllisch weh. Vermutlich hätte ich zuvor noch zweimal auf den Plus-Button der PDA-Pumpe drücken sollen – aber im Nachhinein ist man immer schlauer und dafür habe ich die ganze Zeit das Gefühl in meinen Beinen behalten. Kurzzeitig blieb sie auch ein bisschen stecken, sodass ich laut und panisch rief: “WHAT IS HAPPENING?” 

Zugeben, eine doofe Frage. Natürlich wusste ich, was da gerade passierte – aber warum tat es so höllisch weh? Mein Mann hatte mir im Nachhinein übrigens mitgeteilt, dass ich die exakt gleiche Frage bei der Geburt unserer Großen auch gefragt hatte. Ooopsie.

Es war also geschafft: ich war unendlich gerührt, wimmerte vor Schmerz und Freude vor mich hin, während ich unser kleines schreiendes Wunder auf der Brust liegen hatte. Ich konnte es nicht glauben. Sie war hier. Ein sehr bewegender Moment, den ich sicherlich nie vergessen werde.

Wir warteten eine Weile und dann durfte mein Mann die Nabelschnur durchtrennen. So lagen wir dann für ca. eine Stunde da, skin-to-skin, und kuschelten das erste Mal zusammen. Einfach wunderschön.

Unser kleines Dickerchen

Dann war es soweit: die Maus sollte gewogen und gemessen werden. Ich musste aufgrund der PDA noch im Bett bleiben, aber konnte alles sehen. Mein Mann grinste nicht schlecht, als sie auf die Waage gelegt wurde: 3810 Gramm. Wow. Das waren fast 900 Gramm mehr als bei unserer Großen. Der Wahnsinn. Und das bei ganzen 49,5 cm. Unser kleines Dickerchen.

Unsere kleine Maus nach der GeburtIm Anschluss gab es noch Augensalbe und diverse Impfungen. Mittlerweile durfte ich auch aufstehen und verfolgte alles aus nächster Nähe. Dann wurde sie gewaschen und schließlich durfte sie auch wieder zurück in meine Arme.

Das war sie also, die Geburt meiner zweiten Tochter in den USA. Alles in allem hat es nur 5 Stunden gedauert bis sie da war. Auch die Schmerzen waren gut auszuhalten und ich bin so dankbar, dass es die PDA gibt. So war ich in der Lage, entspannt und ziemlich schmerzfrei (bis auf den Schluss) mein Kind zur Welt zu bringen. 

Obwohl eigentlich ausgemacht war, dass ich zwei Nächte im Krankenhaus verbringen sollte, durfte ich schon am nächsten Tag nach Hause. Der Maus und mir ging es prima und mal ganz im Ernst: zuhause schläft man doch am Besten. 

 

 

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