Wer unter einem unerfüllten Kinderwunsch leidet hat es nicht leicht. Während es viele zumindest zu Beginn für sich behalten, gibt es auch Menschen wie mich, die eher darüber reden müssen um das Ganze zu verarbeiten. Egal wozu man sich entscheidet, eines ist sicher: beide Seiten haben ihre Vor- und Nachteile.

Heute möchte ich einfach mal darauf eingehen, wie es ist, wenn man sich anderen Menschen gegenüber öffnet. Die Meisten reagieren meiner Erfahrung nach mit Mitleid und versuchen dir Hoffnung zu geben. Denn jeder hat die ein oder andere Bekannte, die damit auch Probleme hatte und es dann irgendwie geschafft hat und heute Mama ist. Aber ganz egal wie sehr sich dein Gegenüber ins Zeug legt und sich Mühe gibt, er oder sie wissen nicht so wirklich, wie es sich wirklich anfühlt, jeden Tag mit dem Kinderwunsch zu kämpfen.

Ein gut gemeinter Spruch

Ganz besonders toll wird es dann, wenn die diversen Tipps auf einen einprasseln. Mein Favorit? “Du denkst einfach viel zu stark darüber nach. Denk’ einfach mal an etwas anderes, dann klappt das schon.” Aber damit nicht genug. Manchmal kommt dann noch der Zusatz, dass es bei ihnen auch erst geklappt hatte, als sie mal nicht daran gedacht haben. Der Unterschied zu dir? Insgesamt wurde diese Freundin oder Bekannte vermutlich nach 5 Monaten schwanger, während es bei euch schon viel länger dauert und du vermutlich jeden Monat mehrmals zur Kiwu-Klinik rennst.

Also Mein Tipp an alle Außenstehenden: am Besten streicht ihr diesen Spruch aus eurem Sprachgebrauch. Mag ja sein, dass das an-etwas-anderes-denken helfen kann, aber eben nicht, wenn ein Problem vorliegt. Wie in meinem Fall. Ohne Eisprung kein Ei, ohne Ei keine Befruchtung, ohne Befruchtung kein Embryo und somit auch kein Baby. Da hilft mir dieser Tipp leider so ganz uns gar nicht. Übrigens gab es Leute, die trotz einer solchen Erklärung noch immer darauf beharrt hatten, dass ich zu “verkopft” an die Sache herangegangen bin.

Doch wie soll man nicht verkopft sein, wenn Arztbesuche, Medikamente und der Kalender deinen Kinderwunsch regieren? Wie soll man an etwas anderes denken, wenn ein Baby der größte Wunsch in deinem Leben ist und der Arzt dir genau vorschreibt, wann du aktiv werden sollst und wann nicht? Meiner Meinung nach also ein ganz schlechter Tipp und dieser zeigt, dass dein Gegenüber so ganz und gar nicht weiß, wie es sich anfühlt einen unerfüllten Kiwu zu haben.

Kennt ihr, oder?

Nun gut, noch ein weiterer Spruch, den viele von euch bestimmt kennen: “Habt ihr schon mal an Adoption gedacht? Adoptiert doch einfach!” Genau. Das ist genau das, was du hören willst. Zunächst einmal: die Adoption kommt nicht für jeden in Frage. Die Gründe dafür können sehr unterschiedlich sein: entweder man ist zu alt (vor allem für die Inlands-Adoption), hat nicht die finanziellen Ressourcen oder auch einfach nicht die Kraft für diese sehr nervenaufreibende und meist lange Zeit bis zu einer erfolgreichen Adoption. 

Ganz egal ob für einen die Adoption in Frage kommt oder nicht, die Frage, ob man adoptieren möchte, schmerzt einfach sehr. Warum? Weil es irgendwie signalisiert, dass die ganzen Kinderwunschbehandlungen aussichtslos sind. Denn als betroffene Person kann ich sagen: egal wie niederschmetternd das negative Testergebnis auch war, man steckt seine ganze Hoffnung in den nächsten Versuch. Umso deprimierender also, wenn Außenstehende dir mit einer solchen Frage die Aussichtslosigkeit vor Augen führen.

Stell dir einfach vor du stehst vor einer Scheidung und dein Gegenüber fragt dich, ob du dich schon auf einer Dating-Webseite registriert hast. Mag ja sein, dass du das irgendwann tun wirst (und vielleicht auch schon darüber nachgedacht hast), doch bis es soweit ist, muss noch einiges geklärt und vor allem gefühlstechnisch verarbeitet werden. Ähnlich ist es auch mit einer Adoption, denn auch sie ist für viele Paare ein neuer Lebensabschnitt nah einer meist jahrelangen Kinderwunschzeit.

Keine bösen Absichten

Ich könnte euch noch weitere Beispiele von Sprüchen aufzählen, die eine Frau mit Kinderwunsch nicht hören möchte. Doch ich möchte es vorerst dabei belassen und euch einfach nochmal mit auf den Weg geben, dass auch nett gemeinte Sprüche manchmal negativ rüberkommen können.

Natürlich wissen wir Kiwu-Mädels aber auch, dass es total schwer für Außenstehende ist, sich in uns hineinzuversetzen. Ein Beispiel dazu: auch wenn ich mir halbwegs vorstellen kann, dass eine Fehlgeburt eine der schrecklichsten Erfahrungen für eine Frau sein muss, weiß ich trotzdem nicht, wie es sich wirklich anfühlt. Bei Themen wie diesen ist deshalb Vorsicht geboten und ich überlege immer zweimal, was genau ich zu Betroffenen sage.

Wichtig ist: wir alle machen Fehler und wir alle sagen Dinge, die den anderen hin und wieder verletzen. Insbesondere unter Freunden sollte man ehrlich zueinander sein und sein Gegenüber darüber informieren, sollte ein Tipp oder Spruch einen selbst verletzen. Nur so gibt man seinem Gegenüber die Chance, zukünftiges Handeln zu überdenken. Denn wer will seine Freundin oder Bekannte schon verletzen? Wenn wir ehrlich sind, sind alles doch nur gut gemeinte Tipps und Ratschläge, die bei der betroffenen Person ab und zu nach hinten losgehen. Wer mehr darüber erfahren möchte, wie er seiner Freundin mit Kinderwunsch helfen kann, der findet hier den ein oder anderen Tipp.



Offenheit ist ein Schlüssel, der viele Türen öffnen kann.

Ernst Ferstl  


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