glückliche Mama mit neugeborenem Baby im Arm

Nicht mehr lange, dann wird mein kleines Monster zwei. Z-W-E-I! Die Auswirkungen der terrible twos kündigen sich schon an: Rumgeschreie, Dickköpfigkeit und alles ist no! – kein Wunder also, dass ich mein kleines, süßes Baby vermisse. Warum also nicht in Erinnerungen schwelgen und mich selbst an den Tag zurückerinnern, als meine kleine Maus geboren wurde und sie noch klein, lieb und süß war. Wen interessiert wie meine Schwangerschaft hier in den USA war, der darf sich gerne diesen Beitrag anschauen. Da die Geburt in den USA um einiges anders abläuft als in Deutschland, möchte ich euch jetzt mal genauer davon berichten.

So hat alles angefangen

An einem schönen Tag im Juni hatte ich morgens meinen wöchentlichen Frauenarzttermin. Ich war in der 39. Woche und hatte die Hoffnung, dass es endlich so weit wäre. Geirrt – nach kurzer Untersuchung sagte meine Ärztin: “see you next week, sorry!” Entzückt über diese Nachricht – ich konnte es doch nicht erwarten meine Kleine endlich im Arm zu halten – fuhr ich nach Hause. 

Das Wetter war schön, der Hund musste raus, also packte ich meine Lily ein und fuhr mit ihr zum Dog Park. Dort verbrachte ich dann anderthalb Stunden, fuhr wieder nach Hause und legte mich aufs Sofa mit einer Packung Ben & Jerry’s auf dem Bauch. Da lag ich also, an einem Tag im Juni, und löffelte mehr oder weniger fröhlich mein Eis in mich hinein. 

Plötzlich wurde mir ein bisschen komisch im Magen. Hatte ich mir einen Magen-Darm-Virus eingefangen? Na hoffentlich nicht! Irgendwie war aber alles ein bisschen komisch und ich schrieb meinem Mann, dass ich vermute, dass es bald losgehen könnte. Seine Antwort? Jaja, wieder ein falscher Alarm. Nun gut, ich lag also auf der Couch und auf einmal durchfuhr mich ein Schmerz, wie ich ihn nicht kannte.

Das musste es doch sein, oder? Dieser Gedanke wurde vom nächsten Schmerz unterbrochen und plötzlich war klar: es geht los. Panisch textete ich meinem Mann, er solle doch bitte schnell nach Hause kommen. Jetzt. Sofort. Ich glaube, dass er noch gefragt hatte ob ich mir auch ganz sicher sei. Mal ganz ehrlich: wie soll man sich da nicht sicher sein, wenn man vor Schmerzen fast nicht mehr stehen kann?

Bestens vorbereitet – typisch Bine

Panisch lief ich also hier durchs Haus und packte noch meine drei Sachen (meine Tasche war fast ready to go…nur noch schnell Kontaktlinsenmittel, Ausweis, Haarbürste, etc…) und dann versuchte ich mich daran zu erinnern, was ich denn als Nächstes tun sollte. Genau, den Abstand der Wehen messen! Erstaunlicherweise waren die Wehen aber so viel stärker als erwartet und ich war davon überzeugt, dass ich nicht in der Lage sei, auf eine Uhr zu schauen. Was tun? Klar! Schnell bei iTunes nach der geeigneten App schauen. Da saß, stand, lag ich also und suchte nach der passenden Wehen-App. Typisch Bine. Unter Druck arbeite ich immer am Besten.

Der Wehenschmerz überzeugte mich davon, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt für wählerisches Verhalten war und so gab ich mich mit der nächstbesten App zufrieden. Während ich also den Abstand der Wehen maß, erinnerte ich mich an den nächsten Schritt: meine Ärztin anrufen und fragen, was die nächsten Schritte sind.

Gesagt, getan. Die nette Frau am Telefon wollte wissen, wie weit meine Wehen auseinanderliegen. Ca. 3-4 Minuten, antwortete ich. Und wie lange dauern diese an? Fast eine Minute. Sie redete kurz mit der Ärztin und sagte: “Okay, Dr. Kim möchte, dass du dich jetzt auf den Weg ins Krankenhaus machst.” Gefolgt von einem Satz, den ich nie vergessen werde: “If your water breaks, call 9-1-1.” 

Kaum hatte ich aufgelegt überlegte ich, ob sie wirklich gesagt hatte, dass ich den Notruf anrufen solle falls meine Fruchtblase platzt. Übrigens war mir klar, dass es noch eine Weile dauern würde, bis ich mich auf den Weg ins Krankenhaus machen könnte. Mein Mann war nämlich gerade erst von der Arbeit losgefahren und die war eine halbe Stunde von uns entfernt. Große Klasse. Außerdem war es mittlerweile kurz vor 16 Uhr – Beginn der Rush-Hour. Perfect Timing kann man da nur sagen.

Wo bleibt er nur?

Also lief ich durchs Haus, hing mich bei jeder Wehe über den Sessel vor Schmerz und fragte mich, ob ich das überleben würde. Sehr aufgeregt wartete ich also auf meinen Mann. Der kam dann auch eine halbe Stunde später. Ready stieg ich ins Auto ein (er legte noch schnell ein Handtuch unter, denn der arme Sitz – was, wenn die Fruchtblase platzt?!), er lief ums Auto herum, stieg ein und fragte mich, ob ich bitte meine Türe schließen könnte. Ähm, nein. Ich konnte mich nicht bewegen vor Schmerz. Er also wieder ausgestiegen, ums Auto herumgelaufen, Tür geschlossen und ab Richtung Krankenhaus.

Wir hatten eine gute halbe Stunde Fahrt vor uns. Das Schlimmste? Der Weg zum Krankenhaus führt über einen großen Hügel mit einspuriger Fahrbahn. Hier gibt es täglich einen Stau und wenn da ein Unfall passiert, dann ist die Strecke gesperrt. Alternativen gibt es keine, denn die wären eine zusätzliche halbe Stunde Umweg. Ihr könnt euch also vorstellen, wie “entspannt” ich war.

Aber wir hatten Glück und hatten weder größere Staus, noch einen Unfall vor uns. Also kamen wir im Krankenhaus an (mein Mann wollte im Parkhaus parken aber nachdem ich eine weitere Wehe hatte, hatte ich ihm zu verstehen gegeben, dass er bitte vor dem Krankenhaus parken und den Valet-Parkservice nutzen solle. Gesagt, getan. 

Weil’s so schön ist: bitte Platz nehmen

In der Birthing Unit angekommen mussten wir erst noch im Wartezimmer Platz nehmen. Zum Glück war sonst kein anderer Mensch im Raum, denn bei jeder Wehe hing ich entweder über zwei Stühlen oder an meinem Mann (seine arme Hand!). Schön hat das bestimmt nicht ausgesehen. Schließlich durfte ich in mein Zimmer. Das war er also, der Raum, in dem meine Maus geboren werden sollte. 

Für die Meisten von euch vermutlich unvorstellbar, dass man sein Kind in einem gewöhnlichen Krankenbettzimmer zur Welt bringt. Denn ob ihr es glaubt oder nicht, die Geburt könnte sich kaum mehr von der einer deutschen unterscheiden. Hier in den USA gibt es in den regulären Krankenhäusern weder Badewannen, noch Geburtsbälle, Hängeseile oder wie all die verrückten Dinge bei euch auch immer heißen. 

Alles was es gibt ist ein Bett. Hier wird dein Kind geboren und in der Regel bleibst du nach der Geburt auch einfach in diesem Raum liegen. Immerhin ist hier jedes Zimmer ein Einzelzimmer, sodass man seine Ruhe hat. Wäre ja aber auch zu schön, wenn hinterm Vorhang noch eine andere Mutter liegen würde während man sein Kind aus sich heraus presst. 

Nun gut, zurück zu meinem Geburtsbericht. Wie ging es weiter? Nach diversen Formalien (ich habe keine Ahnung, was ich da alles unterschrieben habe – hätte man ja auch im Voraus machen können, denn in diesem Moment hat man absolut keinen Nerv dafür) wurde ich an den Tropf angeschlossen (wohl auch Standard hier) und wartete. Die Wehen wurden immer schlimmer und die Schwestern wollten wissen, ob ich ein Epidural, also eine PDA haben wolle. 

PDA? Nein, danke.

Eigentlich nicht, antwortete ich. Schließlich wollte ich es doch so ganz “natural” versuchen. Aber die Schmerzen wurden schlimmer und schlimmer. Als dann meine Frauenärztin und der Anästhesist vor mir standen und mich nach meinen Bedenken fragten, überzeugten sie mich indirekt doch schnell, dass eine PDA gar nichts Schlimmes sei. 

Die Schmerzen waren einfach nicht mehr auszuhalten (und eigentlich halte ich Schmerzen ganz gut aus). Also fingen wir mir dem PDA-Prozess an und kurze Zeit später ging es mir um Welten besser. Ich konnte wieder atmen, ohne Angst dabei zu haben, mich bei jeder Wehe übergeben zu müssen. Mein Mann saß übrigens etwas verängstigt neben mir. Er machte sich Sorgen, dass bei der PDA etwas schief gehen könnte.

Ab jetzt war das Ganze auszuhalten. Ich spürte noch jede Wehe, denn die Dosis war wohl sehr gering und ich machte keinen Gebrauch von meinem +Button, der an meinem Bett lag. Ich war einfach nur froh, diesen verrückten Schmerz nicht mehr aushalten zu müssen. So lag ich also da und wartete. Die Ärztin war mittlerweile mir ihrem Mann zum Abendessen gegangen, da sie glaubte, dass es noch einige Stunden dauern würde.

Ein Ende ist in Sicht

Doch plötzlich ging alles ganz schnell. Die Schwestern liefen etwas zügiger durch den Raum und ich konnte hören, wie sie sich über Dr. Kim austauschten. “Is she on her way? How long will it take?” Gerade rechtzeitig kam sie zurück. Es war jetzt ca. 19:40 Uhr und bei jeder Wehe fühlte es sich so an, als sollte/ wollte ich jetzt pressen. Das dürfe ich auch jetzt, wurde mir gesagt. Gesagt, getan.

Während ich also so dalag und Alles gab, gab mein Mann meiner Frauenärztin noch ein bisschen Deutschunterricht. Denn es gibt ja auch keinen besseren Moment das Zählen auf Deutsch zu lernen, als wenn die Frau gerade dabei ist, das Kind auf die Welt zu bringen. Naja, die Leute um mich herum hatten ihren Spaß. Ich nicht so ganz. Bei jeder Wehe – denn ich konnte trotz PDA noch alles sehr deutlich spüren – erinnerte ich alle daran, warum wir hier waren. “Yes, keep pushing!”, hieß es.

Plötzlich war es soweit. Nach ca. 20 Minuten Presswehen, um kurz nach 20 Uhr, hielt ich meine kleine Maus auch schon im Arm. Total gerührt und voller Glück kullerte mir eine Träne die Wange herunter. Das war sie also, meine Tochter. Unsere Tochter, auf die wir schon so lange gewartet hatten. Hübsch war sie und so viele Haare. Ach, ich hatte mich auf den ersten Blick verlilebt. 

Ganz viel Zeit zu Dritt

Da es im Nachbarzimmer wohl Komplikationen gab, waren wir drei nach kurzer Zeit für eine ganze Weile alleine. Die Kleine war noch nicht einmal gewogen und vermessen, aber das störte uns nicht. Jetzt wollten wir kuscheln, skin to skin. Sollte ich sie stillen? War sie hungrig? Wie funktioniert das eigentlich? “Versuche es doch einfach”, meinte mein Mann. Gesagt, getan. 

Diese Ruhe war einfach himmlisch. Nur wir – jetzt offiziell eine Familie – , durften die Zeit ganz ungestört miteinander genießen. Ich bin froh, dass es genau so abgelaufen ist. Nach einer Weile kam dann eine Schwester ins Zimmer und vermaß die kleine Maus. 49 cm und ein bisschen unter 3000 Gramm. Huch, da waren wir überrascht was für eine zierliche Maus wir hatten. 

Da die Kleine ein bisschen Probleme mit der Temperatur hatte, wurde sie noch kurz unter die Wärmelampe gelegt, während alle weiteren Tests mit ihr gemacht wurden. Dann durfte auch Daddy noch Skin to Skin mit ihr machen und seine Tochter knuddeln. So ein schönes Bild, meinen Mann mit seiner Tochter auf der Brust zu sehen. 

Das war sie also, die Geburt von Little H. Fünf Stunden nach der ersten Wehe war sie da. Mir wurde gesagt, dass ich bei einem zweiten Kind doch bitte um die Zeit meines Termins vor dem Krankenhaus campen sollte, damit ich es auch rechtzeitig schaffe. Mal schauen, wie das bei einer zweiten Geburt so ablaufen wird.

Übrigens verlässt man in den USA ein oder zwei Nächte nach der Geburt das Krankenhaus. Allerdings müssen vorher natürlich alle Tests durchgeführt werden und das ist nicht immer so einfach. Für den Hörtest mussten wir die Kleine beispielsweise schlafend über den Flur zum Untersuchungsraum schicken – ein Ding der Unmöglichkeit, wenn das Wägelchen an allen Ecken klappert. Aber wie auch immer, wir hatten alles gut hinter uns gebracht und durften nach zwei Nächten das Krankenhaus endlich verlassen – als Familie natürlich.

6 Kommentare
  1. Lana
    Lana sagte:

    Soo schön 😍 kann mich noch genau erinnern. Und ich kann aus Erfahrung sagen: ja, beim 2. solltest du die Tasche WIRKLICH fertig gepackt haben 😝
    Drück dich ♥️

    Antworten
    • Bine
      Bine sagte:

      Danke dir!! ♥️ Ihr Mädels müsst mir beim Zweiten dann einfach ordentlich Druck machen, sonst ist am Ende die Tasche wieder nicht gepackt =D

      Antworten
  2. Marie
    Marie sagte:

    Da habe ich deinen Beitrag doch zur richtigen Zeit entdeckt. Den unser Wurm Nummer 2 wird ebenfalls in den USA zur Welt kommen und ich bin doch etwas aufgeregt. Ich habe schon so vieles (negatives) gehört und gelesen, was so ganz anders und nicht zu meinen Vorstellungen passt und vor allem zu der Geburt unserer ersten Maus. Aber gut zu lesen, dass du die Wahl hattest bzgl. PDA ja oder nein und danach Skin to Skin time mit deiner Maus hattest. Das beruhigt mich <3

    Antworten
    • Bine
      Bine sagte:

      Liebe Marie,
      danke für deinen Kommentar. Habe keine Angst, die Geburt ist hier genauso machbar wie in Deutschland auch – wenn auch ein bisschen anders. Ja, man hat die Wahl ob PDA ja oder nein und Skin to Skin wird hier definitiv groß geschrieben. Auch toll: das Einzelzimmer und Bett für den Partner, sollte er die Nacht mit dir verbringen wollen. 🙂 Anders muss ja nicht immer schlechter bedeuten. 🙂 Wenn du Fragen hast, dass schreib mir einfach. Alles Gute für die deine Schwangerschaft! <3

      Antworten
  3. Mariem
    Mariem sagte:

    Hallo Bine,

    mein Mann und ich planen unser erstes Baby in den USA zu bekommen (Mitte Oktober) und ich habe so unglaublich viele Fragen. In welchem Bundesstaat hast Du entbunden? Da Ihr wahrscheinlich in den USA lebt, hat Deine Versicherung alle Kosten gedeckt oder musstest Du eine Zusatzversicherung abschließen? Da ich gelesen habe, dass die meisten Ärzte ausschließlich Kaiserschnitte durchführen, wie finde ich eine geeignete Frauenärztin, bei der ich meine bevorzugte normale Entbindung durchführen kann?

    Vielen lieben Dank im Voraus!

    Mariem

    Antworten
    • Bine
      Bine sagte:

      Liebe Mariem,
      erst einmal herzlichen Glückwunsch zur Schwangerschaft! Ich habe beide meiner Töchter in Kalifornien zur Welt gebracht. Die Sache mit dem Kaiserschnitt habe ich so nicht erlebt und ich bezweifle, dass das so stimmt. Denn ich kenne viele Mamas und fast alle haben ihr Kind auf normale Weise entbunden, außer es traten Komplikationen auf. Keine Ahnung wie das in anderen Staaten ist, aber ich würde mich diesbezüglich nicht verrückt machen – kann mir wie gesagt nicht vorstellen, dass dich ein Arzt dazu überreden würde.

      Darf ich fragen, wie ihr in den USA sein werdet (Job, Freizeit, etc.)? Wie seid ihr versichert? Solltet ihr nicht beruflich vor Ort sein, so wird eine normale Auslandsreiseversicherung eine Geburt vermutlich ausschließen. Da wir hier leben, haben wir eine amerikanische Krankenversicherung die bis auf einen kleinen Selbstbehalt alles zahlt.
      Eine Geburt aus eigener Tasche in den USA zu zahlen kann ich nicht empfehlen, da hier alles seehr teuer ist. Meine letzte Geburt (ohne Komplikationen, schnelle Geburt und nur eine Nacht im KH) hat ca. $24.000 gekostet. Sollten Komplikationen auftreten, so steigen die Kosten ganz schnell in die Höhe.

      Hoffe ich konnte schon ein wenig weiterhelfen,
      Liebe Grüße,
      Bine

      Antworten

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