Letzte Woche war es wieder soweit, der 4. Juli stand vor der Tür. Wie ihr sicherlich wisst, ist das der “Independence Day”, der Tag, an dem die Unabhängigkeitserklärung unterschrieben wurde. Wenn ihr den 4. Juli schon einmal in den USA erlebt haben solltet, dann wisst ihr bestimmt was das bedeutet: Feuerwerk, BBQ, Familientreffen, Paraden und so ziemlich alles ist rot-weiß-blau geschmückt. 

Meine Tochter, Little H, ist ja Amerikanerin. Schließlich kriegt hier jedes Kind, dass in den USA geboren wird, die amerikanische Staatsbürgerschaft. Ein Geschenk des Himmels oder nur unnötige Scherereien? Gute Frage, auf die ich bestimmt irgendwann mal wieder zurück kommen werde. Doch zurück zum 4th of July. Wie lief das bei uns so ab?

Vorab: leider ziemlich unspektakulär und irgendwie fühle ich mich jetzt im Nachhinein schlecht, dass ich mir für meine kleine Amerikanerin nicht mehr Mühe gegeben habe. Es ist ein absoluter Zwiespalt, denn irgendwie liebe ich das Land (abgesehen von der politischen Situation..), bin auch ein Teil davon weil ich hier lebe, und trotzdem ist da immer das Gefühl, kein vollwertiges Mitglied zu sein. 

Das fängt sicherlich mit meinem Akzent an. Dann gibt es da generell kulturelle Unterschiede zwischen Deutschen und Amerikanern. Dicht gefolgt von der Tatsache, dass wir einfach nur Gäste hier im Land sind. Noch sind wir hier mit einem Visum – sollte mein Mann seinen Job verlieren, was hier durchaus mal vorkommen kann, dann müssen wir schneller das Land verlassen als wir gucken können. Und dann gibt es da noch die tolle Sache, dass wir nicht wählen dürfen. 

Auch wenn sich das jetzt so anhört, als wäre ich unglücklich, kann ich besten Gewissens sagen, dass ich in Kalifornien sehr glücklich bin. Vermutlich würde ich mich auch noch in 10 oder 20 Jahren nicht so richtig amerikanisch fühlen. Aber wie soll man das auch, wenn man Dinge wie den 4. Juli nicht in seiner Kindheit erlebt hat? Wie soll man dann seinem Kind, das Amerikaner ist, solche Erinnerungen ermöglichen?

Alles nicht so leicht. Aber ich bin mit diesen Gedanken und Fragen nicht alleine. Letzte Woche habe ich mich mit meiner argentinischen Freundin getroffen. Bei ihr sieht es nämlich ziemlich ähnlich aus, denn auch sie hat eine kleine Amerikanerin zuhause, obwohl beide Elternteile Argentinier sind. “Wie soll ich ihr das 4th-of-July-Feeling ermöglichen, wenn ich es selbst nicht fühle?”, fragte sie mich. 

Eine sehr gute Frage, die ich mir auch schon gestellt habe. Soll ich jetzt alles faken, mich schön rot anziehen, die amerikanische Flagge im Vordergarten hissen und so tun, als wäre es der Tag aller Tage? Klar, kann ich machen, doch irgendwie fühlt sich das Ganze falsch an. Denn für mich fühlt es sich einfach nicht so besonders an, wie es sich vermutlich für viele Amerikaner anfühlt. Doch wie genau lief der Tag bei uns ab?

Bild von einem Baby am 4. JuliEin Tag wie jeder andere dieses Jahr

Wie bereits gesagt, völlig unspektakulär. Wir hatten Besuch von einem Freund, der am Abend zuvor zu einer Movie-Night gekommen war. Er ist Inder, hat also mit dem 4. Juli genauso viel am Hut wie wir. Gegen Mittag haben wir dann indisch gekocht und später sind alle bis auf ich an den Strand gegangen, da ich ja Bettruhe einhalten sollte und mich ohnehin so schwach gefühlt habe. 

Abends ging es dann los mit Feuerwerk, das bei uns in Kalifornien eigentlich größtenteils verboten ist. Wer eins sehen möchte, der muss in ausgewählte Städte fahren und sich dort schon Stunden vorher einen guten Platz sichern. Ich weiß zwar nicht, wo die Leute ihre Raketen und Böller gekauft haben, aber natürlich hat es am Abend nach Einbruch der Dunkelheit an allen Ecken und Enden geböllert.

Da kam dann ganz die Deutsche in mir durch…denn meiner Meinung nach hat es seinen guten Grund, warum das Ganze hier verboten ist. Wir befinden uns noch immer in der Dürre und im Moment ist wieder alles so trocken. Wer braucht da ein Feuerwerk, wenn das Brandrisiko so hoch ist? Außerdem tun mir die Tiere so leid. Hinter unserem Garten ist eine Pferdekoppel und ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie wild die armen Pferde bei jedem Knall geworden sind. Ganz abgesehen von meinem armen Hund, für den es nichts Schlimmeres gibt als Feuerwerk. Aber naja, für die Amis gehört es irgendwie dazu und ja, ich kann das ja auch verstehen, bin ja kein Unmensch. Hoffe nur, dass die Böllerbestände in einer Woche dann auch wirklich alle aufgebraucht sind und sich die Strände wie durch Zauberhand säubern.

Wie auch immer, wie ihr seht war es absolut unaufregend bei uns. Letztes Jahr hatten wir uns immerhin passend angezogen und am Strand ein paar Fotos von uns gemacht. Nächstes Jahr werde ich mir dann mehr Mühe geben, denn dann ist die Maus drei Jahre alt und kann sich in der Zukunft vielleicht daran erinnern. Dann werden wir definitiv zur Parade gehen oder sogar selbst mitlaufen. Aber das hat ja noch ein bisschen Zeit. Übrigens bin ich davon überzeugt, dass es  bei uns ganz anders aussehen würde, wäre ein Elternteil Amerikaner. Aber da das so nicht ist, geben wir einfach unser Bestes. Nächstes Jahr zumindest.

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