“Passt auf eure Kinder im Wasser auf!”, hatte vor Kurzem noch eine Mama auf Twitter geschrieben. Sie wusste wovon sie sprach, schließlich musste sie dabei zusehen, wie ein lebloser Kinderkörper aus dem Schwimmbad geborgen wurde. Sie wusste nicht, ob es das Kind überlebt hatte.

Ich war erschüttert und dachte so vor mich hin: zum Glück passiert das so selten. Wie hätte ich auch ahnen können, dass ich nur wenige Wochen später selbst dabei zusehen müsste, wie man verzweifelt versuchte ein Menschenleben zu retten.

 

Seid gewarnt: dieser Beitrag ist sicherlich nicht für Jedermann. Doch wie ihr vermutlich wisst, benutze ich meinen Blog immer mal wieder dazu, meinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. So auch nach diesem furchtbaren Erlebnis.

Der letzte Tag unseres Urlaubs

Eigentlich hatten wir einen schönen Kurzurlaub am Lake Tahoe verbracht: Freunde, tolles Wetter und baden – was will man mehr? Für den letzten Tag hatten mein Mann und ich uns überlegt um den See herumzufahren und an diversen Stränden zu halten. Gesagt, getan.

Es sollte der letzte Strand vor unserer Heimreise sein: Zephyr Cove. Wir hatten geparkt und liefen mit Hund und Kindern an den Strand. Schließlich wollten wir erst einmal schauen wie der Strand so aussah bevor wir mit all unserem Hab und Gut zum Strand marschieren würden.

Am Strand angekommen war klar: hier bleiben wir noch eine Weile. Der Strand war zwar nicht riesig, aber nur in 30 – 40 Metern Entfernung war eine wunderschöne kleine Insel mit schönen Felsen und einem Bäumchen. Da könnte man doch wunderbar mit unserem Paddleboard drum herum fahren, hatten wir uns gedacht.

Mein Mann lief also schnell ans Auto und brachte uns die Strandmuschel. Danach ging er noch einmal ans Auto um das Paddleboard zu holen. Kaum war er weg, da geschah es: man hörte plötzlich Rufe von einer Frau.

Immer wieder versuche ich mich heute daran zu erinnern, wie genau die nächsten Minuten abgelaufen sind, doch irgendwie ging alles so schnell. Ich blickte auf den See und sah, wie eine Frau wild zu uns Richtung Strand winkte und um Hilfe rief.

Wir alle sprangen auf, keiner saß mehr.

Es wäre jemand unter Wasser, hieß es. “Call 9-1-1!” Ein Mann war gleich am Telefon – vermutlich der Freund des Opfers. Währenddessen rief die Oma neben uns ihrer Tochter zu, sie solle nicht tauchen – aus Angst, dass ihr etwas zustoßen könne. Gleichzeitig versuchte sie aufgeregt ihrem Enkelkind zu vermitteln, dass er in seinem Stuhl sitzen bleiben solle.

Ich übernahm und erklärte ihr, dass ich mich um ihn kümmern würde. Alle Menschen am Strand waren geschockt. Unbeschreiblich irgendwie. Bei meiner Tochter brach Panik aus. Ich setzte sie also in die Strandmuschel, gab ihr ein paar Snacks und lenkte sie ab, während ich nicht mehr klar denken konnte.

Ich fühlte mich so hilflos.

Doch mit Baby, Kleinkind und Hund war da nicht viel, was ich in diesem Moment hätte tun können. Verzweifelt blickte ich immer wieder aufs Wasser. Die Stelle, an der die Person noch immer unter Wasser war, war gerade mal 20-30 Meter von uns entfernt.

Da ist es doch gar nicht tief?!, dachte ich vor mich hin. Er müsse doch eingeklemmt sein, oder warum war er noch immer unter Wasser? Mittlerweile war mein Mann mit dem Board eingetroffen. Von allen Seiten hörte man jetzt die Sirenen.

Es vergingen mehrere Minuten.

Es waren so viele Menschen im Wasser und trotzdem dauerte es eine gefühlte Ewigkeit, bis sie den Mann an die Wasseroberfläche brachten. Er wurde auf ein Paddleboard gelegt und man begann sofort mit den Wiederbelebungsmaßnahmen.

Am Strand war mittlerweile ein Officer und die Feuerwehr eingetroffen. Sie übernahmen die Wiederbelebungsversuche. Wohin sollte man schauen? Was sollte man jetzt tun? Wieder dieses Gefühl der Hilflosigkeit. Geschockt versuchte ich meine Große abzulenken und nicht zu Gaffen – das Übernahmen schon andere.

Ich war fassungslos. Wie hatte das passieren können? Nach einer Viertelstunde wurde der Mann auf einer Trage abtransportiert. Es war furchtbar.

Warum hatten wir nichts mitbekommen?

Ich redete später mit unserer Nachbarin, die ihn im Wasser entdeckt hatte. Sie hatte gesehen, wie die zwei Kumpels nach ihrem Freund gesucht hatten und hatte deshalb von ihrem Board Ausschau gehalten – und ihn schließlich im kristallklaren Wasser entdeckt. Doch wie das Ganze passiert war konnten wir uns nicht erklären.

Nur das war klar: der Mann war schätzungsweise um die 10 Minuten unter Wasser gewesen und alleine am Strand hatte man bestimmt 15 Minuten lang versucht ihn zu reanimieren. 

Zwei Tage später lasen wir also, was wir geahnt hatten: der 34-Jährige Officer, der ganz aus unserer Nähe kam, hatte es nicht überlebt. Er hinterlässt seine Frau und zwei kleine Kinder.

Auf unserer mehrstündigen Heimfahrt hatten mein Mann und ich immer wieder darüber geredet, was da vorgefallen war. Wie konnte so etwas passieren? Ich googelte vor mich hin und musste mit Erschrecken feststellen, dass genau an dieser Stelle am Lake Tahoe bereits eine Woche zuvor beinahe jemand ertrunken wäre. Allerdings konnte man diese Person wiederbeleben.

Fakt ist: Ertrinken kommt so viel häufiger vor als man denkt. Es ist ein schneller und leiser Tod. Sind es immer Nichtschwimmer, die ertrinken? Nein. Warum Menschen ertrinken und worauf man beim Schwimmen achten sollte, das werde ich in einem separaten Beitrag erklären.

Was ich aus dem Unglück gelernt habe

Ertrinken ist keine Seltenheit. Es ertrinken nicht nur Nichtschwimmer und Kinder, nein, ganz oft sind es gute Schwimmer. Es ist ein stiller und leiser Tod – das Umfeld bekommt selten etwas mit. Das liegt daran, dann der Ertrinkende i.d.R. nicht auf sich aufmerksam machen kann.

Viele von uns, ich mit eingeschlossen, tendieren dazu, die Gefahr des Wassers zu unterschätzen. Würde ich wieder ohne Schwimmweste aufs Paddleboard gehen und einen Kälteschock riskieren? Wohl kaum. Es ist wie das Fahrradfahren ohne Helm: es geht lange gut bis es nicht gut geht.

Pass auf dich und deine Familie auf!

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