Vermutlich haben wir alle eine Freundin oder weitläufige Bekannte, die unter ihrem unerfüllten Kinderwunsch leidet. Ganz egal ob der Mann, die Frau oder gar beide die Ursache dafür sind oder eine unerklärte Unfruchtbarkeit vorliegt – mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit ist es eine große Belastung für deine Freundin, ihren Partner und auf deren Beziehung.

Da ich selbst aufgrund meines PCO-Syndroms unfruchtbar bin und teilweise sehr stark darunter leide, kann ich aus eigener Erfahrung den ein oder anderen Tipp geben, wie ihr dieser Freundin helfen könnt. Natürlich sind wir alle verschieden und nur weil mir etwas geholfen hat, bedeutet dies nicht, dass es auch bei einer anderen Person den gleichen Anklang findet.

Ich möchte euch „gesunden“ Frauen allerdings einen Einblick in die Gedankenwelt einer Betroffenen geben und vielleicht somit das ein oder andere Missverständnis aus dem Weg räumen. Denn nicht häufig hat die Unfruchtbarkeit auch starke Auswirkungen auf die Freundschaften der betroffenen Person. Da ich in einem gesonderten Beitrag genauer auf dieses Thema eingehen werde, hier nur in aller Kürze warum es in der Freundschaft zu Problemen kommen kann.

Kinderwunsch und Freundschaft: das kann schief laufen

  1. Einige deiner Freundinnen sind schwanger. Obwohl du dich riesig für jede Einzelne freust, tut es gleichzeitig auch wahnsinnig weh. Denn die wachsenden Bäuche halten dir bildlich vor Augen, wie groß dein Bauch jetzt wäre, hätte es bei dir auch geklappt.
  2. Deine schwangere Freundin redet nur von ihrer Schwangerschaft und den damit verbundenen Wehwechen. Es können Gedanken wie „so schlimm kann es nicht sein, schwanger werden ist viel schlimmer” oder, solltest du an sekundärer Infertilität leiden, „die Schwangerschaft ist ein Klacks im Vergleich zu dem, was ich momentan auf mich nehmen muss”. Dies kann dafür sorgen, dass man sich immer mehr von dieser Freundin distanziert. Irgendwie ist es eine Art des Selbstschutzes und ein Schutz vor dem völligen Verfall der Freundschaft. Wieso? Weil man sonst irgendwann explodiert und Dinge sagt, die man später nicht mehr zurücknehmen kann.
  3. Deine Freunde wissen von deinem Kinderwunsch, scheinen sich aber nicht dafür zu interessieren. Es wird nicht nachgefragt und auch nicht angeboten, dass du dich jederzeit bei ihnen ausheulen kannst, solltest du darüber reden wollen.
  4. Deine Freunde geben dir ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit, indem sie ohne große Umschweife sagen: es gibt doch noch die Adoption! Lieb gemeint, aber für die betroffene Person ein Stich ins Herz, sollte man noch nicht alle Hoffnung über Bord geworfen haben (und wir alle wissen, dass eine Adoption kein Zuckerschlecken ist).

Nun gut, das war ein kleiner Einblick in die Gedankenwelt einer Betroffenen. Natürlich gibt es auch Frauen mit Kiwu, die alles ein bisschen entspannter sehen, sich nicht verrückt machen und eventuell irgendwann akzeptieren, dass sie leider keine Mama sein werden. Ich bewundere all diese Frauen und wünschte mir manchmal, dass ich zu ihnen zählen würde.

Doch wie könnt ihr eurer Freundin mit unerfülltem Kinderwunsch helfen?

Hier sind sie, meine 5 Tipps:

Alles nicht ganz so einfach…

Wie ihr seht kann es häufig zu Missverständnissen kommen und obwohl du die beste Absicht hinter deinen Handlungen hattest, kommt es vielleicht bei deinem Gegenüber ganz anders rüber. Ich denke, dass eine offene Kommunikation das Allerwichtigste ist. Letztendlich sollte jedoch die betroffene Person letztendlich entscheiden, wie viele Informationen sie wann mit dir teilt. Nur weil sie heute nicht dazu bereit ist, bedeutet dies nicht, dass es in drei Wochen ganz anders aussieht. Deshalb: unterstütze sie wo du kannst, sei für sie da, signalisiere dein Interesse, nimm ein bisschen Rücksicht (und schraube deine eigenen Bedürfnisse vorübergehend ein wenig zurück falls möglich) und gib ihr ab und zu ein bisschen Hoffnung, wenn bei ihr die Hoffnungslosigkeit überhand gewinnt.

Wie das bei mir so aussieht?

Ich bin ein Glückspilz, denn in meinem Freundeskreis (und in der Familie natürlich!) habe ich einen starken Rückhalt gefunden. All meine Freundinnen sind immer für mich da. Sie bauen mich auf, wenn es wieder nicht geklappt hat. Sie fragen nach, wie es mir geht und bieten mir immer an, sie jederzeit zu kontaktieren. Auch wenn man dies häufig als selbstverständlich ansieht, ist es alles andere als das.

An dieser Stelle möchte ich mich von tiefstem Herzen bei euch allen bedanken, denn ohne euch wäre ich vermutlich schon untergegangen und in einer Depression verfallen. Ihr hebt mich auf wenn ich am Boden bin, baut mich auf und gebt mir Hoffnung. Ohne euch wäre ich verloren und ich wünsche allen Betroffenen, dass sie auch eine solche Unterstützung in ihrem Freundeskreis und ihrer Familie finden. Ich drücke euch alle,

 

 

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