Kaum wusste ich, dass ich mit dem zweiten Kind schwanger war, da war mir bewusst: meine kleine Maus wird eine große Schwester. Das war es, was ich mir so sehr gewünscht hatte. Während meiner Kinderwunschzeit war die Vorstellung, dass sie mal ohne ein Geschwisterchen aufwachsen würde, schließlich immer ein absoluter Alptraum. Mein größter Wunsch sollte also in Erfüllung gehen.

Meine Freundinnen, die bereits Zweifachmama waren, hatten mich gewarnt: ihnen wäre es ziemlich schwer gefallen, ihr Erstgeborenes jetzt als die große Schwester oder den großen Bruder anzusehen.

Pinterest: Gefühlschaos

Ich konnte mir das nicht so ganz vorstellen und dachte mir, dass es so schlimm ja nicht werden kann. Schließlich war es doch das, was ich mir von ganzem Herzen gewünscht hatte.

Doch dann kam der Tag der Geburt und der Besuch meiner großen Tochter im Krankenhaus. Die Gefühle, die ich dabei durchlebte, kann ich nur schwer in Worte fassen. Es war ganz komisch und so viel intensiver als ich mir das vorgestellt hatte.

Denn nun stand sie vor mir, meine kleine Maus, die plötzlich die Große war.

Gestern noch meine kleine Zweijährige, heute schon die große Schwester. Wow. Eine riesige Veränderung.

Als meine Maus mein Krankenhauszimmer betrat flossen auch schon die Tränen. Ich saß da, hielt unser Neugeborenes im Arm und schaute auf meine “Große”. Denn das war sie jetzt: die große Schwester von diesem Würmchen.

Es war verrückt. Sie kam zu mir, erst schüchtern, und dann voller Neugier. Sie schaute ihre Schwester an, redete vor sich hin, während ich nur versuchte die Tränen zurückzuhalten. Vergebens.

Es fühlte sich so an als wäre meine Tochter über Nacht älter geworden. Sie war ganz plötzlich nicht mehr mein Baby – abgelöst durch ihre Schwester. Doch wollte ich das? Meine Gedanken sorgten für ein regelrechtes Gefühlschaos.

Nun hatte ich zwei Kinder, war Zweifachmama. Mein “Baby” war jetzt kein Baby mehr. Zugegeben, mit zweieinhalb Jahren sind sie das ohnehin nicht mehr. Aber es hatte sich definitiv so angefühlt.

Am Tag nach der Geburt, als mein Mann und die Maus uns abholten, war es wieder genauso: Little H kam ins Zimmer gesprungen, erzählte mir wild von ihrem Tag und freute sich über ihre Schwester. Dann kam sie zu mir ins Bett und wir kuschelten. 

Sie fühlte sich so schwer an und ihre Hände waren so riesig. Wie konnte das sein? Vorgestern war sie doch noch so winzig gewesen?

Das Gefühlschaos ging weiter.

Hält man erst wieder ein kleines Baby im Arm, so wird man in die Realität zurückgeholt. Schließlich merken wir nicht, wie wir von Tag zu Tag älter und unsere Kinder immer größer werden.

Ich hatte in meiner Seifenblase gelebt und irgendwie nicht gesehen oder sehen wollen, wie groß meine “Große” mittlerweile schon war. Doch mit der Geburt ihrer Schwester wurde ich auf den Boden der Tatsachen gebracht.

Auch jetzt, ein paar Wochen später, fällt es mir unheimlich schwer, diese Gedanken und Gefühle zu beschreiben. Es war so komisch und obwohl mich meine Freundinnen gewarnt hatten, war ich auf dieses Gefühlschaos absolut nicht vorbereitet.

Vielleicht ist das bei euch ja ganz anders.

Falls es euch bei der Geburt eures zweiten (oder dritten) Kindes jedoch genauso gehen sollte, dann lasst euch gesagt sein: es wird besser. Man gewöhnt sich schnell daran, dass da wieder ein Baby im Haus ist und dass das Erstgeborene plötzlich die Aufmerksamkeit von den Eltern teilen muss.

Man gewöhnt sich daran, dass die Kleine plötzlich die Große ist. Man wusste es zwar schon vorher, doch mit der Geburt des zweiten Kindes wird es so offensichtlich. Da hilft dann auch kein Verdrängen mehr.

Falls es dir wie mir gehen sollte und du tatsächlich damit zu kämpfen haben solltet (ich saß ab und zu heulend da und konnte es nicht so ganz verarbeiten), dann lass dir gesagt sein: alles ist gut.

Eher früher als später hast du dich komplett daran gewöhnt. Auch die Hormone werden dich bald wieder klarer denken und empfinden lassen. Nur weil jetzt ein Baby dazugekommen ist, liebst du die große Schwester oder den großen Bruder kein Stückchen weniger.

Nicht nur unsere Falten werden jedes Jahr ein bisschen tiefer, nein, unsere Kinder werden auch älter. Oftmals sieht man das nicht so deutlich oder verdrängt es sogar. Ereignisse wie die Geburt eines Geschwisterchens holen uns dann wieder in die Realität zurück. 

Lass dir Zeit und mach’ dir keine Vorwürfe. Sollte es für dich schwierig sein, deine Kleine als Große zu sehen, dann sprich mit anderen darüber. Mir hat es unheimlich geholfen, meinem Mann und meinen Freundinnen von meinem Emotionen zu erzählen. 

Ganz egal ob sie es verstehen oder nicht, es hilft definitiv dabei, die Gedanken zu sortieren und das Gefühlschaos in den Griff zu kriegen. 

Liebste Grüße,

deine Bine

 

 

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