Hilfe, mein Baby hat Hüftdysplasie

Wer meinem Podcast folgt, der hat vermutlich schon mitbekommen, dass es bei meiner 9-Monate alten Tochter den Verdacht auf Hüftdysplasie gab. Der Verdacht hat sich nun leider bestätigt und wir sind schon inmitten der Behandlung.

FAQ

Was ist Hüftdysplasie?
Netdoktor beschreibt es so:

„Als Hüftdysplasie bezeichnen Mediziner eine angeborene oder erworbene Fehlbildung der Hüftgelenkpfanne. Sie tritt bei etwa zwei bis drei von 100 Neugeborenen auf, vor allem bei Mädchen. Unbehandelt kann die Hüftdysplasie zu einer dauerhaften Schädigung von Hüftkopf oder Gelenkpfanne führen. Eine spätere Gehbehinderung sowie vorzeitige Abnutzungserscheinungen sind die möglichen Folgen.“

Was ist die Ursache dafür?
Es gibt keine genauen Ursachen, lediglich Risikofaktoren. Dazu zählen unter anderem:

  • Lage des Fötus während der Schwangerschaft (Steiß- und Beckenlage erhöhen das Risiko um ein Vielfaches)
  • Hormone der Mutter (Progesteron lockert das Becken der Mutter, kann sich aber auch auf den Fötus übertragen)
  • Genetische Veranlagung
  • Wenig Platz im Mutterleib (beispielsweise bei Mehrlingsschwangerschaft)
  • Mädchen haben ein stark erhöhtes Risiko im Vergleich zu Jungs

Gibt es da nicht einen Ultraschall bei der U2 oder U3?
Doch, zumindest in Deutschland – in den USA leider nicht. Bis zu 6 Monaten wird per Ultraschall untersucht, danach werden Röntgenaufnahmen notwendig.

Wie wird die HD behandelt?
Je früher die Hüftdysplasie erkannt wird, desto besser die Chancen auf Heilung. Daher ist es sehr wichtig, dass eine HD in den ersten Lebenswochen ausgeschlossen wird. In Deutschland wird aus diesem Grund bei jedem Baby um die 6. Woche ein Ultraschall durchgeführt. In den USA wird dies nur bei „high risk“ Babys gemacht.

Wird eine HD festgestellt, dann wird in leichten Fällen breit gewickelt, während bei schlimmeren Fällen eine Spreizhose  verschrieben wird. In den USA unterscheidet man beispielsweise zwischen einem „Harness“, das bei kleinen Babys verwendet wird, und einer „hip abduction brace“, die bei älteren Babys und Kleinkindern verwendet wird.

Erzielt man mit Spreizhose und co nicht das gewünschte Ergebnis, so muss in manchen Fällen operiert werden.

Pinterest Hüftdysplasie

Die Vorsorgeuntersuchung

Ahnungslos ging ich mit meinen beiden Mädels zur 9-Monats-Vorsorgeuntersuchung der kleinen Eule. Diesmal stand außer der Grippeimpfung nichts an. Dort angekommen untersuchte der Arzt wie immer das Baby: Augen, Mund, Temperatur und so weiter. Dann war der obligatorische Hüfttest dran.

Der Arzt bog und drückte die Beine meiner Kleinen wie immer hin und her, ging dann an seinen Computer und tippte eine gefühlte Ewigkeit vor sich hin. Dann blickte er auf und sagte: „Ich hab‘ da ein Klicken gespürt. Das hat nicht unbedingt etwas zu bedeuten und ich bin mir zu 99,9% sicher, dass da nichts ist, aber wir sollten zur Sicherheit Röntgenaufnahmen machen lassen um auszuschließen, dass sie keine Hüftdysplasie hat.“

Ab zur Radiologie

Wumms. Röntgenaufnahmen? Hüftdysplasie? Schon mal gehört aber was genau ist das? Okay, was muss das muss. Etwas überrumpelt fragte ich kurz, wie das Ganze behandelt werden würde, sollte sie es haben, und dann ging es eigentlich auch schon runter zur Radiologie.

20 Minuten später saßen wir auch schon wieder im Auto und es ging nach Hause. Ich war eigentlich ziemlich entspannt, schließlich war der Arzt davon überzeugt, dass es nur ein Fehlalarm sei. Morgen früh würde er mir online die Ergebnisse zukommen lassen.

Das Ergebnis

Keine 30 Minuten später klingelte mein Telefon. Der Arzt höchstpersönlich.

Er wäre selbst sehr überrascht gewesen, aber laut des Radiologen wären beide Seiten der Hüfte auffällig eingestuft worden. Der nächste Schritt sei nun der Gang zum Spezialisten, dem KinderOrthopäden.

Ich muss zugeben, dass ich etwas überrumpelt war. In meinem Kopf war Chaos. Tausend Fragen, vor allem: braucht meine Maus eine OP? Warum hat man das Ganze erst jetzt herausgefunden und wie geht das jetzt alles weiter?

Der Arzt versuchte mir zu erklären, was genau in ihrem Fall an der Hüfte nicht stimmen würde – nicht ganz einfach in meiner Aufregung, beim Autofahren und diversen Fremdwörtern, die ich auch auf Deutsch nicht so ganz verstanden hätte – geschweige denn auf Englisch.

Zugegeben, ich war etwas geschockt. Aber immerhin sollte es sich so behandeln lassen, ohne eine Operation. Ich blieb ruhig, denn egal wie würden wir es hinbekommen.

Ab zum Spezialisten

Eine gefühlte Ewigkeit, ca. 2 Wochen später, war es dann endlich soweit: wir hatten den Termin beim Spezialisten. Dort wurden weitere Röntgenaufnahmen gemacht, da sie die Hüfte noch aus anderen Winkeln sehen wollten.

Danach dann das Ergebnis: ja, sie hat Hüftdysplasie. Allerdings nur auf der linken Seite, die rechte sei der Entwicklung entsprechend.

Daraufhin haben wir vor Ort gleich noch unsere Große untersuchen lassen, da das Risiko auf HD bei Erstgeborenen am Höchsten ist. Immerhin gab es hier Entwarnung – beide Hüftgelenke sind in Ordnung.

Zurück zur kleinen Eule. Wir hatten nun das Ergebnis und es hieß, dass sie die nächsten vier Monate eine Art Spreizhose (braces)  anziehen muss. Tag und Nacht versteht sich, zumindest bis sie Laufen lernt. Wenn das nichts hilft, dann muss meine Kleine vermutlich mit 18 Monaten operiert werden.

Abwarten und Spreizhose tragen

Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als weiterhin diese doofe Spreizhose zu tragen. Ich werde häufig gefragt, ob es für sie sehr schlimm ist. Das kann ich zum Glück verneinen. Klar, angenehm ist es nicht, aber sie hat keine Schmerzen und ist zu jung, um sich über die Spreizhose aufzuregen.

Sie robbt damit durch die Gegend und kommt hin, wo sie hinwill. Das einzig doofe ist, dass sie damit nicht richtig sitzen kann. Auch das Drehen vom Rücken auf den Bauch ist unmöglich. Aber mehr dazu in einem separaten Beitrag.

Irgendwie kriegen wir das hin und ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass wir um eine OP herum kommen. Drück uns bitte die Daumen,

deine Bine