Frau nach Follikelpunktion am Tropf

Es ist unglaublich, wie schnell meine Erinnerungen verblassen. Vor ca. zwei Wochen hatte ich meine erste (und hoffentlich letzte) Follikelpunktion. Wer generelle Informationen über diesen Eingriff sucht, für den habe ich hier die wichtigsten Fragen beantwortet. Heute möchte ich euch einfach mal ganz genau vom Tag meiner Punktion berichten. Bitte beachtet, dass dies nur meine eigene Erfahrung ist und der Ablauf sowie Praktiken von Kinderwunschklinik zu Kinderwunschklinik unterschiedlich sind. Doch bevor ich euch von meiner Erfahrung berichte, hier noch einmal ganz kurz was direkt vor der Punktion geschah.

Zwei Tage vor der Eizellenentnahme wurde ich von meiner Klinik angerufen und darüber informiert, dass meine Eizellenentnahme für den Mittwoch geplant sei. Folgendes sei wichtig: 

  • Menogon, dass ich sonst immer Abends gespritzt hatte, sollte ich jetzt gleich nach dem Telefonat spritzen (mittags)
  • Am Abend, nämlich um 21 Uhr, soll ich mit Triptofem meinen Eisprung auslösen. Achtung: beide Spritzen der Packung verabreichen.
  • Am Tag vor der Punktion keine Medikamente mehr nehmen. Zudem darf ich ab 23 Uhr keine Nahrung mehr zu mir nehmen, sodass ich am nächsten Tag nüchtern zum OP-Termin erscheinen kann. Ein Glas Wasser darf bis zu zwei Stunden vor dem Termin getrunken werden.

Gesagt, getan. Ich löste also meinen Eisprung mit den zwei Spritzen Triptofem aus und war gespannt auf die Punktion. Nun ja, vielleicht auch ein bisschen aufgeregt. Das ist ja aber kein Wunder, da man nicht jeden Tag einen Eingriff unter Vollnarkose hat. 

Wie vereinbart erschien ich also mit meinem Mann um 7:00 Uhr am Mittwochmorgen in der Kinderwunsch-Klinik. Dort musste ich noch einmal kurz bestätigen, welche Medikamente ich wann eingenommen hatte, und wurde schließlich in den Aufwachraum gebracht. Dort warteten mein Mann und ich kurz auf die Anästhesistin, die mit uns über den mitgebrachten Fragebogen schaute und noch die ein oder andere Frage an uns hatte.

Der Tropf ist das Schlimmste

Kanüle in der Hand für den Tropf während der EizellenentnahmeMein Mann wurde dann abgeholt und in den „Männerraum” gebracht. Kaum war er zurück, ging es für mich in den OP-Raum. Noch kurz im Zwischenraum “untenrum” entkleidet und der Arzthelferin meine nicht ganz so schicke (aber bequeme) Unterhose in die Hand gedrückt, durfte ich schließlich auf dem OP-Stuhl Platz nehmen. Dort wurde mir der Blutdruck sowie mein Sauerstoffgehalt gemessen und zudem eine Kanüle für den Tropf gelegt. Um ehrlich zu sein, war dieses Legen der Kanüle das Unangenehmste an der ganzen Sache, denn es piekst ganz schön. Auch gibt es ein schöneres Gefühl als die kalte Tropfflüssigkeit, die langsam meinen Arm hochkrabbelt. Aber ich will mich nicht beschweren, da muss man durch. 

Da lag ich nun, mit einem Handtuch bedeckt und am Tropf. Leicht aufgeregt. Small-Talk mit der Anästhesistin und der Arzthelferin über mein Leben in Kalifornien. Dann wurden meine Beine festgebunden, der Arzt kam rein und man verabreichte mir das Narkosemittel. „Das Mittel wirkt schnell”, wurde mir gesagt. Und das stimmt, denn das Nächste, woran ich mich erinnern kann, war, dass ich im OP die Augen öffnete und panisch dachte (und sagen wollte): ihr habt mir zu wenig Narkosemittel gegeben! Ich bin wach! Die Panik schwand aber gleich als ich feststellte, dass alle um mich herum ruhig blieben. Und schon wurde ich zu meinem Mann geschoben, der brav im Aufwachraum auf mich wartete.

Das war sie also, meine Eizellenentnahme. Ich hatte es überstanden. Mittlerweile waren im Aufwach-/ Ruheraum noch ein paar andere Paare eingetroffen und während ich mein Wasser so vor mich hinschlürfte, wurde auch schon die nächste Leidensgenossin in den OP geschoben. Ruckizucki, denn es waren schließlich sieben OPs für diesen Tag geplant.

Die Eizellenentnahme wäre geschafft – also erstmal frühstücken

Da saß ich also, noch mit meinem Tropf und meinem Mann an meiner Seite, trank Kaffee und aß meine Brezel und das süße Teilchen, das mir mein Mann in der Zwischenzeit besorgt hatte. Rückblickend muss ich schon sagen, dass die Zeit im Aufwachraum verflogen ist. Denn schon kam die andere Frau wieder aus dem OP und die Nächste wurde mitgenommen. Und um ehrlich zu sein: die sahen nach der OP alle nicht ganz so fit aus. Lagen da, schliefen vor sich hin und hatten nach dem Aufwachen Schmerzen.

Schließlich kam noch einmal die Anästhesistin vorbei und fragte nach meinem Wohlbefinden. Sie teilte mir mit, dass man bei mir schon während der OP ein wenig Schmerzmittel dazu gegeben hätte. Thank god. Denn Schmerzen hatte ich keine. Außerdem hatte ich ja auch noch einen riesigen Kühlakku auf meinem Unterleib liegen, das würde helfen.

Da ja viele OPs an diesem Tag geplant waren, sollten wir so bald wie möglich den Raum verlassen und im Wartezimmer Platz nehmen. Also ging ich nochmal kurz in den Zwischenraum (mein Mann half dabei, mir die Decke so umzuwickeln, dass mich kein Anderer in meiner Unterhose sehen musste) und schlüpfte in meine bequeme Hose. Dann gingen wir ins Wartezimmer und warteten auf das Gespräch mit unserem Arzt.

Die Rückmeldung durch den Arzt

Wenig später war es dann soweit. Der Arzt teilte uns mit, dass man mir 18 Eizellen entnommen hätte. Diese würden nun untersucht und schließlich zusammen mit dem Sperma in ein Schälchen gegeben werden. Am nächsten Tag würde man uns anrufen um uns mitzuteilen, wie viele Eizellen sich befruchtet hätten. Ich war äußerst zufrieden mit dem Ergebnis.

Der Arzt teilte mir übrigens mit, dass ich nicht davon zurückschrecken sollte, Schmerzmittel zu mir zu nehmen. Gesagt, getan. Abends tat es nämlich schon etwas weh. Ansonsten hatte ich mich am Tag der Eizellenentnahme nur von Bett zu Couch bewegt und versucht zu entspannen. Irgendwie fühlte sich mein Bauch so komisch an und überall drückte es. Sitzen war fast ein Ding der Unmöglichkeit. 

Die nächsten Tage waren ähnlich. Laufen konnte ich nur sehr langsam und irgendwie hatte ich diese Unterleibs- und Bauchschmerzen. Aber da musste ich jetzt durch. Hinzu kam natürlich noch die psychische Belastung nach den Telefonaten mit den Biologen. Am Tag nach der Punktion wurde ich nämlich darüber informiert, dass 10 der 18 Follikel nicht in Ordnung waren und deshalb aussortiert werden mussten. Auch wenn wir eine ICSI gemacht hätten, dann hätte man diese Eizellen aussortiert. Von den 8 übrig gebliebenen war ein Weiteres nicht in Ordnung, aber von den verbleibenden 7 hätten sich 6 befruchtet. Man wollte jetzt bis zum nächsten Tag abwarten um zu sehen, wie viele sich weiterentwickeln. Wenn alles gut verlaufen sollte, dann würde man bis Tag 5 mit dem Transfer warten, um eine Blastozyte einzusetzen. Vorsichtshalber wurde mir aber für den nächsten Tag ein Termin für den Transfer gemacht, sodass wir notfalls schon früher den Transfer durchführen könnten.

Und wieder geht eine Welt unter

So kam es auch. Am Tag darauf nämlich, also zwei Tage nach der Punktion, wurde ich wieder früh morgens von den Biologen angerufen und man teilte mir mit, dass sich aus den 6 befruchteten Eizellen ein wunderschöner 2-Zellen-Embryo entwickelt hätte. Ich war kurz sprachlos, in meinem Hirn dagegen ratterte es. Ein Embryo? Was war mit dem Rest? Auf meine Frage antwortete man mir, dass sich die anderen befruchteten Eizellen leider nicht weiterentwickelt hatten und eben nur der eine Embryo übrig sei. (Auch jetzt, zwei Wochen nach der Entnahme, wird mir beim Gedanke an dieses Gespräch ganz komisch im Magen – wie gerne würde ich dieses Telefonat aus meinem Leben streichen).

Nach dem Telefonat brach ich verzweifelt und erschüttert in Tränen aus. Ich war am Ende. All die Bemühungen, Schmerzen und der Aufwand für einen Versuch?! Das musste ein Alptraum sein. Doch es war kein Traum, es war die Wirklichkeit – die schmerzende Realität. Wie sollte ich so einen Transfer durchstehen? Wohin mit all den Gefühlen, der Frustration? Warum? Warum ich? Wie geht es weiter? Warum, warum, warum.

Das war sie also, meine Erfahrung von der Eizellenentnahme und den folgenden zwei Tagen bis zum Transfer. Sicherlich nicht die Erfahrung, die man einem anderen Menschen wünscht. Schmerzen, Hoffnungslosigkeit und ein Gefühlschaos – es war eine sehr anstrengende Zeit. Rückblickend kann ich aber festhalten, dass es machbar ist. Ja, es ist nicht schön, aber wenn es mich zu meinem Ziel bringt, dann war es das Voll und Ganz wert. Würde ich es nochmal machen? Definitiv. Denn ich bin eine Kämpferin und tue alles, um mir meinen Traum von einem zweiten Baby zu erfüllen. Wenn ich das kann, dann könnt ihr das auch.

Viel Erfolg euch allen und nicht aufgeben,

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