Wie ihr sicherlich mitbekommen habt, werde ich schon ganz bald für meine IVF nach Deutschland fliegen. Was für die Meisten von euch also das Inland ist, ist für mich das Ausland. Aber warum mache ich das? Wäre es nicht so viel einfacher, die In Vitro in den USA durchzuführen? Auf Fragen wie diese möchte ich euch heute eine Antwort geben und zeigen, weshalb ich mich dafür entschieden habe, für meine IVF ins „Ausland“ zu gehen.

Meine Ausgangslage: Höhen und Tiefen der amerikanischen Krankenversicherung

Wer in den USA lebt und einen unerfüllten Kinderwunsch hat, der hat es in der Regel nicht leicht. Wieso? Nicht jede Versicherung kommt für Behandlungen zum Kinderwunsch auf. In den USA ist es nämlich so, dass du (und nach Wunsch auch deine Familie) über deinen Arbeitgeber krankenversichert bist. In der Regel hat man vor Arbeitsantritt die Wahl zwischen verschiedenen Versicherungen und Tarifen. Will man weniger zahlen und ein hohes Risiko eingehen? Fragen wie diese sind bei der Entscheidung ausschlaggebend. Glaubt mir, die Wahl will gut überlegt sein, denn hat man sich einmal entschieden, so kann man erst wieder zum nächsten Jahr zu einem anderen Tarif wechseln.

Auch wenn wir durch den Arbeitgeber meines Mannes eine sehr gute Krankenversicherung haben, schließt auch diese die ein oder andere Behandlung aus. Leider zählt dazu auch die IVF. Eigentlich kann ich mich nicht beschweren, denn immerhin waren alle anderen Behandlungen, nämlich die ganzen IUIs, für mich kostenlos. Das ist leider nicht selbstverständlich und hätte mich mehrere Tausende gekostet, hätte ich alles „out-of-pocket“ zahlen müssen, wie die Amerikaner so schön sagen.

Wer also zu dieser Mehrheit gehört, deren Versicherung nicht für die IVF aufkommt, der muss alles aus eigener Tasche zahlen. Das kann teuer werden, denn die Arztkosten in den USA sind für uns Deutsche schockierend (“tremendous!”, würde Trump jetzt sagen) und nicht nachvollziehbar. Als Beispiel: für die Geburt meiner Tochter wurde meiner damaligen deutschen privaten Krankenversicherung um die $30.000 abgerechnet – für eine Geburt ohne Komplikationen und zwei Nächten Aufenthalt. Ein Schnäppchen!

Kosten für die IVF in den USA

Wer also die IVF-Behandlung in den USA aus eigener Tasche zahlen muss, der muss dafür ein Budget von ca. $15.000 einplanen. In meinem Fall hätte die Behandlung $11,300 gekostet, plus ein paar Tausend für die Medikamente (laut der IVF-Finanzdame belaufen sich die Kosten für die Medikamente auf $3000-$9000, je nach Fall). Denn auch wenn ich Medikamente wie Menopur für meine IUI zuvor fast kostenlos erhalten habe, müsste ich diese jetzt komplett selbst zahlen, da die IVF ausgeschlossen ist. Die letzte Ration für meine IUI hätte mich beispielsweise $1800 gekostet, hätte ich es selbst zahlen müssen. Stattdessen musste ich ganze $20 zuzahlen.

Mir ist bewusst, dass die Medikamente in Deutschland auch nicht günstig sind und laut Aussage meines Arztes kann sich ein Trip nach Frankreich lohnen. Doch die Preise in den USA sind noch um einiges gewaltiger – eben more tremendous. Von Bekannten habe ich erfahren, dass deren IVF letzten Endes um die $20.000 gekostet hat. Ein ganz schön hoher Betrag für etwas, dass nicht unbedingt positiv endet – im wahrsten Sinne des Wortes. 

Aus diesem Grund gibt es in den USA sogar Praxen, die verschiedene Pakete anbieten. So kann man beispielsweise einen höheren Betrag ausgeben (um die $19.000 ohne Medikamente), bekommt dann aber 90% des Betrages zurück, sollte die Schwangerschaft nach den diversen Versuchen (Kryotransfer ist beinhaltet) ausbleiben. 

Da nicht jeder das Geld für die Behandlung aufbringen kann und Amerikaner ohnehin schon sehr gerne auf Kredit leben, gibt es hier sogar IVF-Kredite. Verrückt wie ich finde. Aber mal ganz ehrlich – welche Möglichkeit hat man sonst? Na klar – ab ins Ausland!

IVF im Ausland

Generell bin ich der Auffassung, dass ich lieber ein bisschen mehr zahle und mich dafür gut aufgehoben fühle, denn das ist das Allerwichtigste. Aus diesem Grund würde ich nicht für jede Behandlung ins Ausland gehen und schon gar nicht in ein Land, dessen Sprache ich nicht mächtig bin. Wobei man auch hier sagen muss, dass viele Kliniken in Polen, Tschechien, etc. deutsch- oder englischsprachige Ärzte haben, sodass eine Behandlung auch dort für Viele in Fage kommt.

Derzeit gehe ich davon aus, dass die IVF in Deutschland inklusive aller Flüge weniger als die Hälfte kostet, wie ich in den USA zahlen müsste. Doch ist es den ganzen Aufwand wert? Schließlich habe ich noch ein Kleinkind im Gepäck und mein Mann muss auch vor Ort sein.

Der Aufwand einer Behandlung im Ausland

Ehrlich gesagt ist es sehr viel Arbeit, eine Behandlung im Ausland zu planen. Ganz egal wohin ihr gehen wollt, es muss im Voraus so einiges erledigt werden. Das fängt mit der Klinik-Recherche an und geht bis zu Flug- und Hotelkosten, die in die Kalkulation miteingerechnet werden müssen. Letztendlich kann es sogar sein, dass man gar nicht so viel spart wie man das zuvor erwartet hatte.

Doch das Sparen ist natürlich nur die eine Sache. In meinem Fall kommt da nämlich noch ein ganz wichtiger Faktor hinzu, nämlich die Unterstützung durch meine Familie und Freunde. Wer in einer Kiwu-Behandlung ist, der weiß wie zeitaufwendig das Ganze ist. Es stehen sehr viele Untersuchungen an, bei denen nicht immer das Geschwisterchen mit kann (wie lucky ich bin, dass es überhaupt dieses Geschwisterchen gibt!). Deshalb freue ich mich darauf, dass ich meine Kleine einfach mal bei Oma lassen kann, während ich in aller Ruhe zum Arzt gehen kann. 

Auch darf man nicht vergessen, dass die Hormonbehandlung ganz schön anstrengend ist. Bisher konnte ich mich glücklich schätzen, denn außer Kopfschmerzen habe ich nicht viele Nebenwirkungen (launisch sind wir ja alle mal, mit oder ohne Hormone). Ich bin jedoch froh, dass ich die Stimulation in Deutschland habe, da ich mich dann einfach mal zurücklehnen kann, während andere meine Tochter beschäftigen. Glaubt mir, das werde ich ausnutzen und genießen.

Alles nicht so einfach

Natürlich kann man es nicht verallgemeinern, wo eine Behandlung am Besten durchgeführt werden soll. Mir ist bewusst, dass die Behandlung in den USA sehr viel einfacher zu planen wäre als in Deutschland: hier kenne ich die Klinik, die Ärzte und das Prozedere. Da unsere Familien jedoch in Deutschland leben und wir sie ohnehin besucht hätten, kann man das Ganze natürlich auch mit einer Behandlung verbinden. Außerdem kenn ich ja das deutsche Gesundheitssystem, sodass ich völlig beruhigt und optimistisch meine Reise antreten kann. 

Mein Tipp zu guter Letzt: eine IVF-Behandlung im Ausland ist durchaus möglich, allerdings sollte dir bewusst sein, dass es sehr viel aufwendiger ist als es “einfach” zuhause duchzuführen. Beachte bei deiner Recherche alle Kosten und Bedingungen: Medikamente, zusätzliche Untersuchungen und Tests, Anreise, Unterkunft, unterschiedliche Bestimmungen (beispielsweise die Anzahl der Embryonen), etc. Es gibt wirklich sehr viel zu beachten und das ist sehr anstrengend – nahezu ein Full-time Job.

Hätte ich nicht ohnehin meine Familie besuchen wollen und wäre ich selbst nicht Deutsche, dann wäre ich vermutlich nie auf die Idee gekommen, meinen unerfüllten Kinderwunsch in Deutschland anzugehen. Doch diesen Vorteil mache ich mir jetzt zu Nutzen und hoffe, dass meine IVF im Ausland reibungslos verläuft und wir keine bösen Überraschungen erleben müssen. Für alle, die einen unerfüllten Kinderwunsch haben: viel Glück. Gebt nicht auf, ihr werdet euer Wunder irgendwann in Händen tragen. Macht’s gut ihr Lieben,

 

 

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.