Janinas Kinderwunschreise: 7 Jahre bis zum Wunder

Nach 9 Jahren Beziehung beschlossen wir ganz klassisch nach Neujahr die Pille abzusetzen und endlich Eltern zu werden. Familie, das war das, worauf wir unser Leben gebaut hatten.

Wir waren guter Dinge, malten uns unsere Zukunft mit Kindern aus, an ein „Scheitern“ dachten wir nicht wirklich. So ließen wir es auch ganz locker angehen. Ein Jahr passierte erstmal nichts was uns nicht so ungewöhnlich vorkam, da wir es auch nicht jeden Monat zu den passenden Tagen probiert hatten. Dann kam unser persönlicher Supergau.

Mein Mann erkrankte ganz plötzlich mit 31 an einer Autoimmunerkrankung. Er musste sofort mit einem Medikament beginnen, welches sich auf die Genetik auswirkt und unter dem er keine Kinder zeugen darf. Ein Arzt empfiehl uns noch Spermien einzufrieren, da das Medikament auch die Spermien dauerhaft schädigen kann. Wir waren am Boden zerstört, unser Alltag bestand nur noch aus Sorgen. Doch es ging ihm mit den Medikamenten recht schnell besser, auch wenn sich unser Leben durch diese Erkrankung geändert hat.

1,5 Jahre später erhielten wir grünes Licht vom Arzt das Medikament für eine gewisse Zeit abzusetzen, um schwanger zu werden. Die Zeit sollte mit anderen Medikamenten überbrückt werden.

All meine Hoffnung war wieder da. Wir probierten es 2 Jahre, mittlerweile gar nicht mehr entspannt, sondern unter viel Druck. Wir hatten nicht nur den Druck des Kinderwunsches sondern auch den, dass mein Mann sein Medikament wieder nehmen muss. Jeden Monat wurde ausgerechnet, getestet, nach Zeitplan geherzelt, egal ob man Lust hatte oder nicht….

Die Beziehung litt extrem und ich wurde immer depressiver und verbitterter. Ich konnte es nicht mehr ertragen, wenn Freunde und Familie von ihren Schwangerschaften erzählten. Ich konnte keine Werbung für Babyartikel mehr ertragen oder irgendwas das mit Kindern zu tun hatte. Das Gefühl ohne Kinder leben zu müssen zerriss mich. Es fühlte sich an, als wäre unser Kind schon innerlich bei mir, ich konnte diese unendliche Liebe zu ihm jeden Tag spüren, aber es durfte nicht zu uns kommen.

Nicht jeder hatte Verständnis für uns, nicht jeder konnte sich vorstellen, dass es für uns unvorstellbar ist, ohne Kinder zu leben. Ratschläge wie „entspannt euch mal“, „dann habt ihr eben keine Kinder“, „vielleicht soll es so sein“ kennt wohl jedes Kinderwunschpaar. Dann wurde meine beste Freundin schwanger, kurz in Beziehung, ich wusste nicht mal von ihrem Wunsch. Ich bin zusammengebrochen und schämte mich dafür so sehr. Wie unfassbar gemein war ich eigentlich?! Diese Freundschaft zerbrach letztendlich auch daran und ich vermisse sie bis heute…..

Wir begannen uns immer mehr mir der Thematik „Kinderwunschhilfe“ zu befassen. Ich gebe zu, es war in meiner Vorstellung der Horror. Ich las nur Schlimmes über die Behandlungen, wie belastend sie seien und das alles für eine minimale Chance. Zudem kam eine im Nachhinein absolut unnötige Scharm. Wir in eine Kinderwunschklinik?! Nein, das hatten wir nicht nötig. Es ist das Einfachste der Welt, warum können es alle, nur wir nicht…. Es zehrte sehr an meinem Ego, ich kam mir so unnütz und unbrauchbar vor. Schließlich war ich eine Frau und konnte keine Kinder bekommen. Heute weiß ich wie lächerlich das war. 1 von 7 Paaren braucht Hilfe.

Wir machten einen Termin, wurden komplett untersucht und hatten gleich mehrere Baustellen….Endometriose, schlechter AMH-Wert, etwas langsame Spermien und der Zeitdruck, damit mein Mann sein Medikament wieder nehmen kann.

Die Ärztin riet gleich zur Icsi, doch wir wollten unbedingt Inseminationen versuchen. Leider 3 mal vergebens, dafür ein paar hundert Euro und einige Nerven ärmer, dazu viel Organisation beim Arbeitgeber.

Aber wir hatten uns in die Klinik eingefunden. Ich war so glücklich, dass uns endlich geholfen wurde. Es tat so gut im Wartezimmer zu sehen, wie viele unterschiedliche Menschen Hilfe brauchen und wir wurden vom Klinikteam immer so unglaublich nett behandelt. Wir hatten wieder Hoffnung und neues Selbstbewusstsein.

Wir entschieden uns dann für die Icsi. Klar, es war anstrengend, aber auch längst nicht so schlimm wie gedacht. Das Spritzen ging recht einfach und ohne große Nebenwirkungen. Das Schlimmste war eigentlich das psychische Hin und Her zwischen Hoffnung und Bangen.

Wir hatten letztendlich 4 Eizellen, 2 wurden eingesetzt, 2 eingefroren. Als die 2 eingesetzt wurden war ich so glücklich, ich hatte gleich das Gefühl unser Kind bei mir zu haben. Und so war es dann auch tatsächlich ♡ und es blieb. Ich hatte im Großen und Ganzen eine wunderschöne Schwangerschaft, aus der unsere Tochter entstand. Das wunderbarste Geschenk, was es gibt. Viel schöner noch als wir es uns vorgestellt haben. Sie ist jeden einzelnen Tag des schweren Weges wert.

Insgesamt haben wir 7 Jahre auf unser Wunder gewartet. Im Nachhinein ärgern wir uns, dass wir nicht eher mutig waren und uns unserer Situation gestellt haben. Wir hätten viel Zeit sparen können.

Das ist jetzt fast 3 Jahre her. Und auch das konnte ich mir damals nicht vorstellen: auch ein 2. Kind kann man sich sehr wünschen. Natürlich weiß ich wieviel Glück wir hatten. Ein gesundes Kind nach nur einer Icsi, das Glück haben leider nicht alle Paare.

Aber trotzdem ist da das Gefühl des noch nicht Vollkommenseins und der Wunsch nach einem Geschwisterchen für unsere Tochter.

Letztes Jahr habe ich mir die 2 Eisbären einsetzen lassen. Die Chancen standen super, es hat dennoch nicht geklappt… die Enttäuschung war groß.

Ich denke demnächst starten wir eine weitere Icsi. Ich habe Angst….

Und trotzdem rate ich allen Paaren die mit sich hadern: geht den Schritt! Es kann klappen und wenn nicht, könnt ihr euch selbst gegenüber immer sagen: ich habe gekämpft und alles probiert. Das war mir sehr wichtig.

Übrigens, irgendwann fing ich an relativ offen mit unserer Geschichte umzugehen. Plötzlich „outeten“ sich sehr viele in unserem Bekanntenkreis mit ähnlicher Geschichte. Ich finde es so schade, dass es immer noch so ein Tabuthema ist. Dadurch fühlt man sich unnötig allein und minderwertig. Und genau das sind wir nicht.

In diesem Sinne alles Gute an alle Kinderwunschpaare.

Liebe Janina,

erstmal vielen, vielen Dank, dass du uns alle an eurer Kinderwunschreise teilhaben lässt. Wenn man sich das durchliest, dann weiß man gar nicht was man sagen soll. Es tut mir so leid, dass eure Eisbärchen nicht bleiben wollten – ich hatte es euch von ganzem Herzen gewünscht.

Es ist so unglaublich, was da bei euch alles zusammengekommen ist. 7 Jahre auf ein Wunder zu warten und dabei die Hoffnung nicht zu verlieren – Hut ab. Hut ab für eure Ausdauer. Hut ab für deine Offenheit.

Ich finde es toll, dass du darüber schreibst wie schwierig es für euch war, Hilfe aufzusuchen. Noch toller finde ich, dass du anderen damit zeigst, dass es ein wichtiger Schritt ist, der einem nicht peinlich oder unangenehm sein sollte. Für euch war es der Anfang eures Weges in Richtung Wunder.

Das mit dem „Outen“ kann ich nur bestätigen – je offener man mit dem Thema Kinderwunsch umgeht, desto häufiger trifft man auf Leidensgenossen. Das zeigt beiden Seiten, dass man nicht alleine ist – ich kann es nur empfehlen.

Janina, ich wünsche euch von ganzem Herzen alles Gute für die Zukunft. Auf dass euer großer Wunsch nach einem Geschwisterchen mit der bevorstehenden ICSI in Erfüllung gehen wird. Aber bei eurer Kämpfernatur bin ich mir sicher, dass 2019 wundervolle Nachrichten für euch bereit hält. Meine Daumen sind ganz fest gedrückt.

Danke für deine sehr bewegende Geschichte über eure lange Kinderwunschreise. Ich bin mir sicher, dass du anderen Paaren damit sehr viel Mut machen wirst, die Hoffnung nicht aufzugeben. Wunder gibt es immer wieder. Auch für euch. Ich drücke dich aus der Ferne,

Bine