Jessi über ihre lange und unschöne Geburt

In diesem Geburtsbericht erzählt dir Jessi von ihrer nicht ganz so schönen Geburt. Warum eine unschöne Geburt? Ich sag nur 23 Stunden in den Wehen, Einleitung, PDA, Geburtsstillstand und Kaiserschnitt. Mehr brauche ich vermutlich nicht zu sagen. Aber genug von mir, los geht’s!

Die 6 Fragen aller Fragen:

Hattest du eine schöne Geburt?
Nein

War es deine erste Geburt?
Ja

Wie lange hat es gedauert (von erster Wehe bis zur Geburt)?
23 Stunden

Hattest du Angst vor der Geburt?
Nein

War es schlimmer als erwartet?
Ja

Hast du einen Tipp für eine Schwangere, die kurz vor der Geburt steht?
Traut euch zu fragen, wenn ihr Fragen habt oder etwas unklar ist, warum es gemacht wird. Ich war zu schüchtern, obwohl ich sonst kein schüchterner Mensch bin. Ich habe mich total alleine gefühlt, obwohl die Hebammenschülerin lange bei mir war. Leider hat sie mir nichts erklärt. Oft habe ich mich nicht ernst genommen gefühlt. Die Hebamme in der ersten Schicht hat mich ausgelacht als ich ihr gesagt hab, dass ich starke Wehen habe. Sie hat sich nur das CTG angeschaut und gesagt „das sind keine Geburtswehen! Kommen Sie in 4 Std. für die nächste Einleitungstablette.“.

Beim letzten Kontrolltermin bei meiner Frauenärztin wurde unsere kleine Maus auf 4200 g und 57 cm geschätzt. Die Ärztin sagte: „Ihre Plazenta versorgt das Baby viel zu gut, deswegen will ihr Baby nicht rauskommen.“ So ging ich am nächsten Tag zur Einleitung (eine Woche nach dem errechneten Termin) in die Uni-Klinik. Ich hatte bis jetzt nur über schnelle Geburten nach Einleitungen gehört und dachte so würde es immer gehen. Sehr naiv.

Da waren die Ärzte überzeugt, dass das Baby keine 4 kg hat. Ich durfte abends ein Zimmer auf der Privatstation beziehen, weil alle anderen Zimmer auf der Wochenbettstation belegt waren. Da es mir und dem Baby gut ging und ein paar dringende Fälle vor mir waren, wurde die Einleitung von 21 Uhr auf 1 Uhr nachts verschoben. Mein Mann ist nach Hause gefahren um sich zu erholen und ich sollte ihn anrufen, falls es los geht. Ein Familienzimmer wollten wir nicht für 180€ pro Nacht haben.

Die Einleitung

Um 1 Uhr habe ich die erste Test-Tablette Cytotec bekommen und durfte eine Stunde beim CTG liegen. Da hatte ich schon alle 10 Minuten Wehen, aber kaum spürbar. Ab der nächsten Dosis um 6 Uhr sollte ich die Tabletten alle vier Stunden bekommen. Sehr schnell nach der Einnahme der Tabletten hab ich auch die ersten starken Wehen bekommen.

Zum Frühstück um 8 Uhr hatte ich alle 5 Minuten heftige Wehen, die ich gerade so in meinem Zimmer veratmen konnte. Bei der nächsten Gabe der Tabletten um 10 Uhr konnte ich kaum mehr die Wehen veratmen. Ich hatte heftige Schmerzen, aber ich hatte auch die Hoffnung, es tut sich was und bald ist es vorbei.

Nicht jede Geburt ist schön

Nicht so schnell

Diese Hoffnung zerplatzte als die leitende Hebamme mich ausgelacht und gemeint hatte: „Das sind keine Geburtswehen! Kommen sie zur nächsten Gabe der Tabletten in 3 Stunden!“ Der Gebärmutterhals war gerade verstrichen. Na toll… Irgendwie habe ich die nächsten 3 Stunden veratmet und weiter gehofft, bald ist es vorbei. Die Tricks, die wir beim Geburtsvorbereitungskurs gelernt hatten, haben nicht geholfen – weder Entspannungsmassagen, noch Atemtechniken.

Um kurz nach 15 Uhr hat mich die Hebamme untersucht und es waren ganze 3 cm geschafft. In diesem Moment wusste ich nicht, ob ich weinen oder lachen soll. NUR 3 cm?! Oh je! Die Hebamme meinte, jetzt könnte ich ein Entspannungsbad nehmen oder eine PDA bekommen. Also klare Entscheidung: PDA.

Die PDA

Bis zu diesem Tag war ich überzeugt, die Schmerzen würden zu ertragen sein und dass ich keine Schmerzmittel haben will. So viel zu Theorie! Mein Mann wusste von meiner Einstellung und hat mich nett gefragt, ob ich mir wirklich sicher bin, dass ich die PDA will. Ich hatte das Gefühl, ich habe keine andere Wahl, weil ich mir in dem Moment keine weitere Stunde mit diesen Schmerzen vorstellen konnte.

Eine Stunde später waren wir im Kreißsaal und ich hab meine gewünschte PDA bekommen. Eigentlich hatte ich im Vorfeld mega Angst davor gehabt, aber beim Legen der PDA hab ich mir nie Sorgen gemacht und empfand es als vollkommen ok. Nach 20 bis 30 Minuten hat sie endlich angefangen zu wirken. In dem Moment hab ich gedacht, dass das die beste Entscheidung des Tages gewesen ist. So eine Erleichterung.

Ich durfte etwas schlafen und wenn es geht, viel laufen, damit das Baby nach unten rutscht. Die kleine Maus war am Beckeneingang und wollte nicht tiefer rutschen. Es gab deswegen kaum Druck auf dem Muttermund. So wurden langsam 4 cm um 16 Uhr, um 20 Uhr sogar 6 cm. Dann hat die Hebamme auch die Fruchtblase geplatzt. Sie meinte, das würde die Geburt voran bringen. Das Wasser war klar, was ein gutes Zeichen war, dass es unserem kleinen Mädchen gut geht.

Der Geburtsstillstand

Ab 22 Uhr war die Wirkung der PDA komplett weg und die Wehen kamen schon alle 2 Minuten. Die unerträglichen Schmerzen waren wieder da. Ich wollte eine neue Dosis Schmerzmittel haben, aber die Hebamme wollte mich erst untersuchen. Nur eine Ärztin/Arzt hätte mir die PDA nachspritzen können. Die Hebamme hat sich viel Zeit gelassen bis sie zur Untersuchung kam (es war gerade viel Betrieb in den Kreißsälen). Die Untersuchung um 23 Uhr hatte leider gezeigt, dass der MM IMMERNOCH bei 6 cm war.

Nach ein paar Minuten kamen auch zwei Ärztinnen rein und haben mich ebenfalls untersucht. Die leitende Ärztin meinte, dass sie sich wohl in der Größe des Babys getäuscht hätten und das Baby doch etwas größer sei als gedacht. Sie haben uns empfohlen abzubrechen und einen Kaiserschnitt machen zu lassen, da das Köpfchen des Babys nicht durch mein Becken passen würde. Die Ärztin hat mir erklärt, dass sich ein Geschwulst gebildet hatte. Seit mehr als 3 Stunden gab es keinen Geburtsfortschritt (also Geburtsstillstand).

Der Kaiserschnitt

Das war es mit der natürlichen Geburt. Ich war traurig und extrem enttäuscht. Ich hatte mich als Versagerin gefühlt. Ich hätte gerne noch länger abgewartet, aber wenn man sich nicht auskennt muss man den Ärzten vertrauen. Nie hatte ich so viel Angst wie kurz vor der OP.

Ich hatte mega Angst, dass etwas in den letzten Minuten schief gehen könnte. Ein Teil von mir war aber auch erleichtert, dass unsere kleine Maus bald da ist. Ich durfte die sexy Thrombosestrümpfe anziehen und schon ging es in Richtung OP. Ich habe eine höhere Dosis der PDA bekommen, damit ich nichts spüre, aber trotzdem bei Bewusstsein sein kann. Mein Mann sollte auch schöne OP-Kleidung anziehen.

Kurz vor Mitternacht war es soweit

Es wurde an meinem Bauch gezogen und geschüttelt, und plötzlich waren wir Eltern. Unsere Amelie war 4200 g schwer, 53 cm und hatte einen Kopfumfang von 36 cm. Also gar keine so kleine Maus. Ein unglaubliches Gefühl!

Wir waren beide überglücklich, dass es endlich soweit war. So lange hatten wir darauf gewartet! Mein Mann konnte sie halten. Er konnte sie auch bei der ersten Untersuchung begleiten, während ich noch auf dem OP-Tisch lag, um vernäht zu werden. Eine Stunde später waren wir wieder zurück im Kreißsaal – überglücklich, aber auch total fertig von der Anspannung.

Ein langer Tag geht zu Ende

Der Tag war anstrengend für uns alle und die 23 Stunden Geburt auch! Nach 4 Stunden Überwachung im Kreißsaal wurden wir in den frühen Stunden auf mein Zimmer verlegt. Die Geburt war überstanden und ich dachte, alle Schmerzen waren vorbei. Ich hatte aber nicht damit gerechnet, dass mich der Kaiserschnitt so unfähig macht, mich um meine Tochter zu kümmern. Ich habe mich noch mehr als Versagerin gefühlt. Dazu kamen die Schmerzen mit denen ich nicht gerechnet hatte.

Ich habe danach insgesamt 2 Jahre gebraucht, um über dieses Thema sprechen zu können ohne dabei zu weinen. Meine Hebamme hat sich mit mir den Geburtsbericht von der Klinik angeschaut und mir jeden Schritt erklärt, damit ich es richtig verstehe, warum es zu diesem zu unerwartetem Kaiserschnitt kam.

Liebe Jessi,

wo fange ich nur an?! Dein Geburtsbericht klingt so ganz und gar nicht spaßig. Ich kann es gut verstehen, warum du nach diesem Erlebnis traumatisiert warst und bewundere dich dafür, dass du dich trotz Allem für ein zweites Kind entschieden hast.

Ein Geburtsstillstand ist sicherlich etwas, vor dem sich viele Mamas fürchten. Da hast du so viele Stunden alles gegeben, gekämpft, und dann das. Auch wenn ich nie einen Kaiserschnitt hatte, kann ich mir vorstellen, dass du dich als Versagerin gefühlt hast (ich habe mich schon alleine wegen einer PDA so gefühlt).

Aber weißt du was? Das Allerletzte, was du bist, ist eine Versagerin. Du kannst so stolz auf dich sein, dass du all das durchgestanden hast!! Es ist ganz egal, wie ein Baby auf die Welt kommt – ein Kaiserschnitt ist nicht weniger „wert“ als eine natürliche Geburt.

Jessi, es tut mir leid, dass du eine unschöne Geburt hattest. Aber zum Glück weiß ich ja, dass die Geburt deines zweiten Kindes angenehmer war – aber dazu im nächsten Bericht.

Vielen, vielen Dank, dass du deine Erfahrung mit uns allen teilst. Liebste Grüße aus der Gerne,

deine Bine