Ihr Lieben, wenn ihr nur wüsstet…wenn ihr nur wüsstet, wie toll eure Kindergärten, KITAs und Horts in Deutschland sind. Wie wundervoll es ist, dass eurem Kind ein Platz zusteht. Wie schön es ist, dass ihr dafür kein Vermögen zahlen müsst. Kurz: ich bin neidisch. Ja, in diesem Beitrag wird gejammert, sei also gewarnt.

So. Jetzt geht’s aber los mit der Jammerei. Ich weiß, meckern auf hohem Niveau, aber es muss raus. Hier und jetzt. Warum ausgerechnet heute? Weil wir heute morgen die dritte und für mich letzte Preschool hier bei uns in unserem Örtchen in den USA angeschaut haben.

Wie ihr sicherlich raushört war ich nicht begeistert. Nein, das lag nicht unbedingt an der Preschool selbst, sondern einfach an der Tatsache, dass das hier alles so ganz anders ist als in Deutschland. Anders bedeutet ja zum Glück nicht immer schlechter. Generell würde ich mich als „ich-bin-offen-für-alles“ bezeichnen, gepaart mit der „man-kann-nich-alles-haben”-Einstellung. Trotzdem vergleiche ich insgeheim die Kindergartensituation in den USA mit der in Deutschland und bin ein wenig entsetzt.

Was ist so anders am amerikanischen Kindergarten?

First of all: in Amerika gibt es eigentlich keinen richtigen Kindergarten. Wie schon in diesem Beitrag erklärt, ist hier der Kindergarten eine private Angelegenheit: freiwillig und frei wählbar und dazu noch die eigene finanzielle Verantwortung. Staatliche Zuschüsse? Nö. 

Da somit der Kindergarten nur von den monatlichen Einnahmen der Beiträge getragen wird, ergeben sich enorme Unterschiede zu einem deutschen Kindergarten. Hier habe ich mal die größten Unterschiede für euch zusammengefasst.

1. Die Größe

Natürlich hängt das alles vom Standort ab und ich kann nicht von meiner Erfahrung im Küstendörfchen in Nordkalifornien auf die ganze USA schließen, aber bei uns sind die Preschools in der Regel ziemlich klein. Bedeutet: die erste Preschool, die ich mir angeschaut hatte, war mit knapp 50 Kindern die größte. Die anderen beiden Preschools dagegen nehmen maximal 12-15 Kinder am Tag auf, bei jeweils zwei Angestellten. 

Zwar bin ich kein Experte auf dem Gebiet, aber soweit ich weiß darf ein Betreuer aus rechtlichen Lizensgründen nur 6 Kleinkinder beaufsichtigen. Das würde erklären, warum die Gruppengröße so klein ist.

2. Die Gebäude

Eine schöne, moderne Kita, großer Außenbereich und tolle Klettergerüste aus Holz – ja davon können wir nur träumen. Stattdessen findet man hier häufig nur kleine Klettergerüste aus Plastik. Zugegeben, zwei der drei Preschools die ich mir angeschaut hatte waren diesbezüglich akzeptabel – wenn auch nicht vergleichbar mit deutschem Standard (so wie ich ihn wohlgemerkt noch aus meiner eigenen Kindheit kenne). 

Der Grund für diese spärliche Ausstattung? Die Kosten. Kein Wunder, dass ein Kindergarten hier bei uns kein Geld dafür hat, eine teure Ausstattung zu kaufen. Neben Gehältern muss ja schließlich noch die Miete gezahlt werden und die ist bei uns im Silicon Valley utopisch hoch. 

Die letzte Preschool, die ich mir angeschaut hatte, war übrigens im Haus der Betreuerin, bedeutet: die eine Hälfte des Hauses ist die Preschool und im anderen Teil lebt die Gute. Kein Wunder also, dass es hier weder kleine Toiletten mit Schneewittchen gibt noch ein Kindergartenfeeling aufkommt.

3. Die Ausstattung

Oh ja, die Ausstattung. Die dritte und letzte Preschool hatte mich beinahe umgeworfen. Nirgends, wirklich nirgends gab es an der Wand noch irgendwo ein freies Plätzchen. Alles war beklebt und zugehängt. Mich hat das beinahe erschlagen.

Ansonsten sieht es überall ziemlich zusammengesammelt aus. Natürlich kein Wunder, wenn man auf Spenden angewiesen ist. 

4. Die Kosten

Hier könnte ich vermutlich ein Buch darüber schreiben, aber lasst es mich kurz machen: der Kindergarten in den USA ist teuer. Wer sein Kind 5 Tage die Woche für den Vormittag anmelden möchte, der muss monatlich mit ca. $900 rechnen, das sind nach jetzigem Stand ca. 795 Euro. Das ist der Preis, den wir an der Küste zahlen. Wer einen Kindergarten in San Francisco oder im Herzen des Silicon Valley besuchen möchte, der muss weit tiefer in die Tasche greifen. Ganztagesbetreuunng kostet natürlich dann auch mehr.

Was denkt ihr?

Vergleicht ihr dies mit eurer deutschen Kindergartensituation, dann wisst ihr eure Kindergärten bestimmt ein bisschen mehr zu schätzen, oder? Leider tendieren wir ja aber häufig dazu, Gegebenheiten als selbstverständlich anzusehen und suchen stattdessen nach Kleinigkeiten, mit denen wir unzufrieden sind.

Nachdem ich mich jetzt ausgejammert habe geht es mir besser. Ich weiß natürlich, dass das ein Jammern auf hohem Niveau ist, denn das ist eben der Preis, den man zahlen muss. Wir haben uns dazu entschieden hier zu leben, also müssen wir das auch dafür in Kauf nehmen. Amerikaner stört diese Situation nicht, denn sie kennen es ja nicht anders. 

Ich arbeite daran, die Höhe meiner Messlatte zu verstellen und mich damit abzufinden, dass man im Leben nicht alles haben kann: Meer, mildes Klima und dann auch noch die deutschen Kindergärten. Entweder oder. So ist das und das ist auch in Ordnung. 

Stattdessen darf ich mich glücklich schätzen, dass wir uns überhaupt einen Kindergartenplatz leisten können. Klar, es tut sicherlich weh solche Beiträge zu zahlen, aber da muss man durch. Übrigens wundert es mich nicht, dass sich viele Familien keine drei Kinder leisten können oder „wollen“. Denn drei Kinder zwei Jahre lang durch die Preschool zu bringen (bis sie in den „Kindergarten”, die Vorschule kommen), kostet zusammen ca. $64.000. Wahnsinn, oder?

Das war er also, mein Jammerbeitrag zum Thema Kindergarten in den USA. Die Maus steht jetzt auf Wartelisten bzw. ich weiß ungefähr, was ich will und was nicht. Jetzt warten wir einfach mal ab, genießen ab Ende Januar die Zeit als vierköpfige Familie und können dann im Frühling entscheiden, an welchen Kindergarten es denn gehen soll. 

Hallöchen, ich bin die Bine und bin unfruchtbar. Ich habe den Kampf gewonnen, habe dem PCO-Syndrom mit meiner IVF in den Hintern getreten. Mit meinem Blog möchte ich euch einen Einblick in das Thema unerfüllter Kinderwunsch geben, zeigen, dass ihr nicht alleine seid und es kein Tabuthema sein muss. Außerdem schreibe ich über Schwangerschaft, Familie und mein Leben in Kalifornien. Wem das nicht reicht, darf gerne in meinen Podcast reinhören. Viel Spaß!

2 Kommentare
  1. Magda
    Magda sagte:

    Das klingt anstrengend! Man findet meistens ja auch das gut, was man selbst gewohnt ist! Wir wohnen in Spanien und hier sollen die Kinder mit 3 Jahren in die Schule (ja auch mit zahlen/Buchstaben lernen etc). Hier also noch ein vote für das deutsche System 😉

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    • Bine
      Bine sagte:

      Danke für deinen lieben Kommentar! Das ist ja verrückt – mit 3 in die Schule? Wow! Ich glaube, dass das in Frankreich ähnlich ist, oder? Der absolute Wahnsinn. Aber ich denke (und hoffe) mal, dass in dem Alter das Ganze noch seehr spielerisch beigebracht wird?!
      Liebe Grüße nach Spanien! 🙂

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