Eins ist sicher: ein unerfüllter Kinderwunsch wird von sämtlichen Seiten verharmlost und sehr häufig nicht ernst genommen. Für die Betroffenen ist das sehr schwierig, schließlich zehrt dieser unerfüllte Wunsch ohnehin schon an den Kräften.

Eigentlich fängt die Problematik oft schon vor dem Besuch der Kinderwunschklinik an. Nicht selten passiert es nämlich, dass Frauen ihren Kinderwunsch bei ihrem Frauenarzt ansprechen und dieser das Ganze verharmlost: “es ist völlig normal, dass es eine Weile dauert – kommen Sie in einem Jahr wieder, sollte es bis dahin nicht geklappt haben.” 

Pinterest - Kinderwunsch nur ein Wunsch

Solche Aussagen führen dazu, dass sich die Kinderwunschpatientin unverstanden fühlt. Anstelle von “alles-ganz-normal” könnte der Arzt Rückfragen stellen und somit der Patientin zeigen, dass er den Kinderwunsch ernst nimmt: “Seit wann probieren Sie es? Haben Sie einen regelmäßigen Zyklus sowie einen Eisprung?” Schon allein durch diese Fragen können erste Probleme erkannt werden. 

Wie auch immer – “komm’ in einem Jahr wieder” zeigt, dass der Arzt absolut keine Ahnung hat, wie schlimm ein unerfüllter Kinderwunsch ist. Denn hat man diesen Wunsch nach einem Baby und man wird nicht schwanger, so hat dies starke Auswirkungen auf die Psyche.

Man fühlt sich alleine und muss dabei zusehen, wie viele andere Frauen schwanger werden und ihre Bäuche wachsen. Auch wenn man sich für andere freut, tut es immer auch ein bisschen weh.

Das Schlimme am Kinderwunsch? Man weiß nicht, ob es denn jemals klappen wird. Ich bin mir sicher, dass die Betroffenen entspannter wären, wenn sie wüssten, dass es klappen wird – auch, wenn sie mehrere Jahre auf ihr Wunschkind warten müssten.

Es ist diese Ungewissheit, die uns Menschen verrückt macht.

Selten gibt es etwas im Leben, dass wir uns so sehr wünschen und worauf wir so wenig Einfluss haben. Es ist ein Wunsch, der durch kein Geld in der Welt erfüllt werden kann. Das macht es so schwierig.

Hinzu kommt, dass die Betroffenen unter einem Zeitdruck leiden. Denn je älter man wird, desto schwieriger soll es werden mit dem Schwangerwerden. Oft setzen sich Betroffene Fristen. Sind sie bis dahin nicht schwanger, dann bricht für sie eine Welt zusammen.

Der Kinderwunsch ist eben nicht nur ein Wunsch

Eine Familie zu gründen ist für viele der Sinn des Lebens. Eben das, worauf sie jahrelang hingearbeitet und sich gefreut haben. Die Erfüllung im Leben. Klappt es nicht, bricht eine Welt für sie zusammen.

In die Augen seines Babys zu schauen ist für viele das Wunderschönste auf der Welt.

Deshalb bringen mehr oder weniger gut gemeinte Aufmunterungsversuche des Umfelds wie “Immerhin könnt ihr reisen, seid ungebunden, könnt Geld sparen, Abendteuer erleben, …” rein gar nichts. Vielmehr ist es ein Schlag ins Gesicht, schließlich würde man diese “Freiheiten” liebend gerne für ein Kind aufgeben. 

Doch die Erfüllung eines Kinderwunsches ist und bleibt leider größtenteils in den Händen der Natur: entweder man hat Glück und es klappt ohne Probleme, oder man muss darum kämpfen.

Gehört man zu den Unglücklichen, dann darf man die Hoffnung niemals aufgeben. Wer nicht aufgibt wird am Ende meist belohnt. 

Was das Umfeld tun kann?

Mehr Verständnis aufbringen. Damit meine ich nicht nur den Verzicht auf gut gemeinte, aber leider schmerzhafte Sprüche. Nein, ich meine damit auch Ärzte, deren Aufgabe es ist, uns zu helfen. Dazu bedarf es nicht nur einem medizinischen Können, sondern auch einem gewissen Maß an Einfühlungsvermögen.

Hat man dieses nicht, so hat man meiner Meinung nach den Beruf verfehlt. Denn es gibt wohl kaum etwas Schlimmeres für Betroffene, als sich nicht ernst genommen zu fühlen. Ein unerfüllter Kinderwunsch ist eben nicht nur ein Wunsch, sondern ein Problem, das viele andere Probleme mit sich bringt. Einfühlungsvermögen bei Freunden, Familie und Ärzten kann dabei Wunder wirken.

2 Kommentare
  1. Nathi
    Nathi sagte:

    Du sprichst mir aus der Seele Biene! Jeder, von Arzt über Familie und Freunde verharmlost es. Das macht es besonders schwierig, diese angespannte Zeit zu überstehen.

    Antworten
    • Bine
      Bine sagte:

      Vielen Dank für dein Feedback, Nathi! Ich wünschte ich würde dir nicht aus der Seele sprechen… Es ist an der Zeit, dass offen über dieses Tabuthema gesprochen wird. So kann das Umfeld vielleicht eher nachvollziehen, wie es uns Betroffenen geht. Drück dich!

      Antworten

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