Meine Kinderwunschreise

Unfruchtbar? Ich auch.

Ein Trost: Unfruchtbarkeit betrifft nicht nur uns. Man kann davon ausgehen, dass mindestens 1 von 10 Paaren Probleme mit der Fruchtbarkeit hat. Und ich habe das große Los gezogen, denn ich gehöre zu den 10 Prozent. Congratulations, my dear!

Trotz allem darf ich mich glücklich schätzen, denn ich habe eine Tochter und sie hat mich zur Mama gemacht. Auch wenn es kein einfacher Weg war – es hat geklappt. Warum sollte es dann nicht ein zweites Mal klappen? Ganz einfach: wegen sekundärer Infertilität. Das Grauen hat einen Namen.

Alles nicht so einfach

Wer hätte ahnen können, dass es mit dem Geschwisterchen noch schwerer werden könnte? Vermutlich war ich einfach zu naiv. Immer wieder hatte ich im Bekanntenkreis Geschichten gehört, in denen die Leute beim ersten Kind Anlaufschwierigkeiten hatten, es beim Zweiten aber dann einfach so ganz ohne Probleme geklappt habe, eben nachdem sich alles „eingespielt“ hatte.

Das Wort „Einspielen“ ist wohl ein Fremdwort für meinen Körper. Vielmehr hat er sich wohl gedacht, dass ein Kind mehr als ausreichend sei. Aber da legt er sich mit der Falschen an. Wenn ich etwas will, dann werde ich so lange darum kämpfen bis ich mein Ziel erreicht habe. Ich gebe nicht auf, komme was wolle. Und irgendwann wird auf diesem doofen Schwangerschaftstest nur noch ein Wort stehen: schwanger.

Mein Behandlungsverlauf

oder: was bisher geschah.

  • 1. Versuch

    Clomifen 50mg. Ergebnis: ein Follikel und keine Schwangerschaft. Ganz toll.

  • 2. Versuch

    Clomifen 50mg. Kein Follikel, keine Chance auf Schwangerschaft. Wunderbar.

  • 3. Versuch

    Clomifen 100mg. Zwei Follikel, IUI und guess what – keine Schwangerschaft.

  • 4. Versuch

    Menopur (in Deutschland heißt das Menogon) 150 Einheiten die ersten Tage, danach 75 Einheiten und schließlich IUI. Für alle Newbies unter euch: ein ganz tolles Medikament, das man sich täglich spritzen muss. Der Inhaltsstoff? Urin von Frauen nach den Wechseljahren. Ernsthaft. Der Preis? Noch toller: eine Einheit kostet hier in den USA um die $80. Pro Zyklus sind das also mindestens $1000. Ein absolutes Schnäppchen!

  • 5. Versuch

    Wieder Menopur, diesmal eine höhere Dosis und die dritte IUI. Ergebnis: negativer Test und Zysten. Jackpot! Wegen den Zysten musste ich einen Monat Pause einlegen. Was will man mehr?!

  • 6. Versuch

    Back to Clomiphene 100mg! Warum? Weil ich einfach keine Lust mehr auf diese Spritzerei und die vielen Arztbesuche hatte. Und ab jetzt heißt es abwarten, ob das Ganze erfolgreich war. Wenn das auch nicht klappen sollte, dann bleibt uns nur noch eins: IVF.

  • 7. Versuch

    Das letzte Mal Clomifen, yay! Diesmal gab es satte 150mg und diesmal hatte ich als Nebenwirkung starke Kopfschmerzen. Interessanterweise hatte ich nur einen Follikel. The good news? Die Wahrscheinlichkeit, dass ich nach diesem Zyklus Zysten habe, ist äußerst gering und so sollte meiner IVF nichts mehr im Wege stehen. Übrigens hatten wir unsere 4. und letzte IUI. Das Ergebnis? Nicht schwanger. Negativ. Deutschland, ich komme…IVF, ich komme.

  • 8. Versuch: IVF

    Meine erste (und hoffentlich letzte) IVF wäre vollbracht. An Tag zwei nach der Punktion wurde mir ein 4-Zellen-Embryo eingesetzt. Das Ergebnis steht noch aus. Leider hat es nur dieser eine Embryo geschafft. Hoffen wir, dass es unser kleiner Kämpfer ist.

Update: Mai 2018

Ich bin SCHWANGER!! Zwei Bluttests haben gezeigt, dass der HCG-Wert wie gewünscht ansteigt. Ich kann es noch immer nicht glauben, dass dieser eine Embryo unser kleiner Kämpfer ist. Nun hoffe ich, dass die Schwangerschaft weiterhin gut verläuft. Meine Schwangerschaftsupdates findet ihr hier!

Aber warum teile ich mein Problem mit aller Welt?

Ich möchte euch zeigen was es heißt unfruchtbar zu sein. Es zehrt nicht nur an den Nerven, sondern bedarf guter Planung und ist wahnsinnig zeitintensiv. Alleine für diese 6 Versuche sind nun über sieben Monate vergangen.

Mit jedem Monat in dem es nicht gekappt hat wird der Abstand zur großen Schwester größer und größer. Für mich ist das sehr deprimierend, denn eigentlich wollte ich meine Kinder doch so dicht wie möglich aufeinander haben. Einzelkind? Kam für uns eigentlich nie in Frage.

Aber genau das ist es, was der unerfüllte Kinderwunsch mit sich bringt: Frustration. Denn das Warten auf das Wörtchen “schwanger” auf diesem verflixten Schwangerschaftstest ist schrecklich (die meisten von uns benutzen nur noch diese Billigtests, denn wer unfruchtbar ist weiß, dass diese Testerei irgendwann ganz schön ins Geld geht).

Nur wer dieses Problem hat kann so richtig nachvollziehen, wie man sich beim Anblick des negativen Tests fühlt. Es bricht jedes Mal eine Welt zusammen und man fragt sich, warum man sich selbst so etwas antut.

Und dann sind da die zahlreichen Arztbesuche. Ich fahre mehrmals im Monat, manchmal auch mehrmals in der Woche zur Kinderwunschklinik, die fast eine Stunde von uns entfernt ist. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich nur noch beim Arzt bin. Wie machen das nur berufstätige Frauen?

Die Ungewissheit ist das Schlimmste

Das Schlimmste an der Unfruchtbarkeit ist aber vermutlich die Ungewissheit, ob es denn überhaupt (noch einmal) klappen wird. Aber ich darf mich nicht beschweren, denn ich habe ein Kind. Trotzdem frage ich mich oft, ob unsere Tochter für immer ein Einzelkind bleiben wird.

Was sage ich ihr, wenn sie mich später mal fragen sollte warum ausgerechnet sie kein Geschwisterchen hat? Werde ich in Tränen ausbrechen, wenn sie sich zu Weihnachten eine Schwester wünscht? Ganz bestimmt.

Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, denn ich bin bereits eine Mama. Warum also nicht einfach glücklich sein mit dem was ich habe? In der Theorie macht das Sinn, doch leider sieht die Realität ein wenig anders aus. Denn das Herz will was es will, und mein Herz möchte definitiv ein zweites Baby. Und genau dafür fühle ich mich ganz oft schlecht – ein Teufelskreis.

Leider haben es aber viele von euch um einiges schwerer als ich. Ihr wartet noch immer auf euer erstes Kind und habt vermutlich schon einiges mehr auf euch genommen als ich. My heart goes out to all of you und ich wünsche euch, dass es ganz bald klappen wird. Versucht, die Hoffnung nie aufzugeben. Irgendwie und irgendwann wird euer Kämpfergeist belohnt. Ich glaube fest daran.