Vor Kurzem wurde in meiner Kinderwunsch- & Hibbeltantengruppe die Frage gestellt, ob Kinder die durch eine künstliche Befruchtung entstanden sind, im späteren Leben ein höheres Krankheitsrisiko haben als die Kinder, die auf natürlichem Wege gezeugt wurden.

Ich bin der Frage „Kranke Kinder durch künstliche Befruchtung?“ auf den Grund gegangen und fasse im Folgenden kurz zusammen, weshalb ihr euch keine Sorgen machen braucht.

*Bitte beachtet, dass ich keine Medizinerin bin – alle Infos wie immer ohne Gewähr. Solltet ihr Fragen zu diesem Thema haben, so stellt diese bitte eurem behandelnden Arzt. Dieser kann euch sicherlich weiterhelfen.

Zwei Experten im Interview

In dem Artikel “Der Allergrößte Teil der Kinder ist Gesund” der Zeit Online wurden zwei Experten, der Kardiologe Prof. Urs Scherrer von der Universität Bern und die Reproduktionsbiologin Verena Nordhoff von der Universität Münster, dazu befragt, welche Auswirkungen Kinderwunschbehandlungen wie die der künstlichen Befruchtung auf die Gesundheit des Kindes haben.

In einer Studie hat der Kardiologe Folgendes festgestellt:

Jeder Mensch, der dank einer IVF-Behandlung zur Welt gekommen ist, hat potenziell ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko […].

Dies bedeutet, dass IVF-Kinder laut dieser Studie

 im Jugendalter vermehrt einen Bluthochdruck aufweisen, was – wenn unbehandelt – Schlaganfälle und Herzinfarkte begünstigen kann. 

Doch keine Sorge: Bluthochdruck kann behandelt werden. Wie immer gilt: ein gesunder Lebensstil, Normalgewicht und ausreichende Bewegung sind besonders wichtig. Deshalb sollten Eltern von IVF-Kindern ganz besonders darauf achten, dass diese Kriterien erfüllt sind. Außerdem empfiehlt der Kardiologe eine ambulante 24-Stunden-Blutdruckmessung um das 20. Lebensjahr, um das „kardiovaskuläre Risiko abzuschätzen […]“.

Was ist die Ursache für das erhöhte Risiko an Bluthochdruck zu erkranken?

Man weiß nicht genau, welcher Teil der IVF/ ICSI für dieses erhöhte Risiko verantwortlich ist. Tests an Mäusen haben laut Scherrer allerdings gezeigt, dass „[..] die Veränderung des Kulturmediums, auf dem Eizelle und Spermium zusammengebracht werden, das kardiovaskuläre Risiko verändern konnten.“

Weitere Einflussmöglichkeiten könnten beispielsweise auch der Zeitpunkt der Implantation oder die Temperatur haben. Eins ist laut dem Kardiologe Scherrer sicher:

Es wird uns nie möglich sein, die Ereignisse, die sich im Mutterleib abspielen, im Reagenzglas genau zu simulieren und zu reproduzieren.

Sind IVF-Kinder also kranke Kinder?

Nein. Die Reproduktionsbiologin Nordhoff sagt:

Die Gesundheit der Kinder nach künstlicher Befruchtung scheint mehrheitlich derjenigen von gleichaltrigen natürlich gezeugten Kindern zu entsprechen. Größere Follow-up-Studien aus Europa und den USA zum Beispiel zeigen, dass der größte Teil der Kinder gesund ist (Reproductive BioMedicine Online: Bonduelle et al., 2004). Die Kinder haben ein nur marginal erhöhtes Risiko von Fehlbildungen (Reproductive BioMedicine Online: Fauser et al., 2014). (Quelle: Zeit Online, veröffentlicht am 22.09.2018)

Doch keine Sorge – „[w]ahrscheinlich liegt das eher am Risiko, das die Eltern vererben oder an der Tatsache, dass die Eltern im Durchschnitt älter sind, und nicht an der Technik selbst“, so Nordhoff.

Außerdem weist sie darauf hin, dass die Studie, die ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko festgestellt hat, nur an einer kleinen, heterogenen Gruppe von Kindern durchgeführt wurde. Laut der Reproduktionsbiologin „[..] sollten [wir] vorsichtig damit sein, sie [die IVF-Kinder] von vornherein als kranke Kinder zu bezeichnen oder zu behandeln. Es ist bei der derzeitigen Datenlage unklar, ob alle diese Kinder später irgendwelche Probleme haben werden.“

Keine kranken Kinder

Zugegeben, dieser Beitrag schneidet das Thema nur sehr oberflächlich an – alles andere würde jedoch den Rahmen sprengen. Bei meiner Recherche habe ich aber tatsächlich den Eindruck gewonnen, dass wir Eltern von IVF- oder ICSI-Kindern uns keine Sorgen machen sollten. Ja, Studien wie die Obige zeigen ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko. Doch es ist natürlich fraglich, wie aussagekräftig diese Studie aufgrund der geringen Teilnehmeranzahl ist.

Im Zweifelsfall gilt jedoch: es kann nicht schaden, wenn man bei seinem Kind auf ein Normalgewicht sowie eine ausreichende Bewegung achtet. Somit beugt man einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko vor.

Persönlich finde ich es plausibel, dass Erkrankungen beim Kind auch durchaus vom Alter der Eltern abhängig sind. Schließlich ist ein fortgeschrittenes Alter bei vielen Kinderwunschpatienten auch der Grund, weshalb sie eine künstliche Befruchtung durchführen müssen, um sich ihren Traum von einem Baby zu erfüllen.

Wie immer bin ich der Meinung, dass man sich nicht verrückt machen sollte. IVF- oder ICSI-Kinder sind keine kranken Kinder. Selbst wenn sie tatsächlich ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko haben sollten, so kann man mit einem gesunden Lebensstil entgegenwirken. Sollte dies nicht ausreichen, so kann man auf Medikamente zurückgreifen.

Übrigens bin ich in diesem Beitrag nicht darauf eingegangen, ob bei Kindern der künstlichen Befruchtung ein erhöhtes Krebsrisiko vorliegt. Zu diesem Thema gibt es diverse Studien, die kein erhöhtes Risiko feststellen konnten. Es gibt aber auch Studien, die eine Verbindung zwischen IVF/ ICSI und Krebs bei Kindern festgestellt haben – doch diese scheinen die Minderheit zu sein.

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