Fakt ist: je offener man mit seinem unerfüllten Kinderwunsch umgeht, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man auf Leidensgenossen trifft. Ich selbst kenne mittlerweile zahlreiche Mamas, die sich auch nur mithilfe einer Kinderwunschbehandlung den Traum von einem Baby erfüllen konnten.

Für die Meisten ist dieser Austausch und das Wissen, dass man nicht alleine ist, sehr hilfreich. Doch leider bringt der offene Umgang mit dem Thema Kinderwunsch auch gewisse negative Dinge mit sich, nämlich die mehr oder weniger guten Ratschläge des Gegenübers.

Nicht selten hört man von Kinderwunschpatienten, dass sie sich diverse unangenehme Sprüche anhören mussten. Beispielsweise auch den Satz, dass eine künstliche Befruchtung ein Eingriff in die Natur sei.

Pinterest: IVF und ICSI: Eingriff in die Natur?

Nun gut, dem stimme ich ja zu – mehr oder weniger. Was aber als nächstes folgt, bricht mir fast das Herz: man solle es doch dann besser bleiben lassen, denn anscheinend soll es wohl nicht sein mit dem Nachwuchs. Wenn ich sowas höre, dann muss ich an mir halten. Ganz ehrlich, da weiß man gar nicht wo man anfangen soll.

Übrigens: wer jetzt denkt, dass sich die liebe Bine diesen Spruch nur ausgedacht hat, dem sei gesagt: ich wünschte es wäre so.

Aber nein, viele Kiwu-Mädels mussten sich diesen Spruch schon anhören. Irgendwie auch nicht verwunderlich, dass das häufig von jemandem gesagt wird, der selbst nie Probleme mit dem Schwangerwerden hatte.

Sollte man eine Kinderwunschbehandlung wie die IVF oder ICSI sein lassen, weil es „nicht sein soll“?

Nein, nein und nein. Sollte ein Diabetiker auf sein Insulin verzichten? Was ist mit einem Asthmatiker? Sollte der denn auf sein Kortison verzichten? Nein, nein und nochmals nein.

Unfruchtbarkeit – ob erklärt oder nicht – ist meiner Meinung nach eine Krankheit wie jede andere, deren es medizinischer Hilfe bedarf. Leider wird ein unerfüllter Kinderwunsch von Außenstehenden häufig verharmlost.

Nur die wenigsten Außenstehenden können sich auch nur ansatzweise Vorstellen, wie sich ein unerfüllter Kinderwunsch anfühlt. Sie haben leicht reden – und tun dies leider auch gelegentlich.

Die Auswirkungen auf das Wohlbefinden des betroffenen Paares sind dagegen enorm. Nicht selten treten bei den Betroffenen Depressionen auf.

Deshalb: wer einen unerfüllten Kinderwunsch hat, der soll und darf sich helfen lassen. Wie auch der Asthmatiker und der Diabetiker. Man braucht lediglich ein bisschen Hilfe.

Zum Spruch “Dann soll es eben nicht sein” kann ich nur sagen: oh doch, es soll sein. Es muss sein. Denn jeder Mensch hat ein Recht auf Familie. Ein Recht darauf, ein eigenes Baby zu haben. In den Augen seines Nachwuchses sich selbst zu erkennen. Das Recht darauf, sich fortzupflanzen und sein Kind bis an sein Lebensende von ganzem Herzen zu lieben.

Es gibt nicht so etwas wie “nicht-sein-sollen”.

Wer dies doch aus religiösen Gründen so sehen sollte, dem sei gesagt: wenn es einen Gott gibt, dann wäre er (oder sie, ha!) sicherlich für die Familie und die damit verbundene Liebe. Vielleicht wäre er auch gegen solche Dummköpfe, die Menschen mit Anlaufschwierigkeiten nicht wünschen, was ihnen vermutlich einfach so, evtl. ungeplant, zugeflogen ist: ein Baby. With 10 little fingers and 10 little toes.

Deshalb: lasst euch nicht unterkriegen von solchen unqualifizierten Sprüchen. Es gibt niemanden der darüber entscheidet, ob es sein soll oder nicht – das entscheidet IHR. Wenn ihr euch also für ein Kind entschieden habt und es nicht klappen sollte, dann kämpft als gäbe es kein Morgen. Irgendwann werdet ihr dafür belohnt werden.

Es gibt in unserem Leben so viele Dinge, die sozusagen einen Eingriff in die Natur darstellen. Doch hat die Natur wirklich gewollt, dass einige von uns unfruchtbar sind? Sicherlich nicht. Wir hatten lediglich Pech gehabt, haben so richtig in die ihr-wisst-schon-was gegriffen. Eben so wie die Asthmatiker und Diabetiker.

Was den Betroffenen hilft? Weniger solche unqualifizierten Aussagen, da die Kinderwunsch-Zeit ohnehin schon anstrengend genug ist. Deshalb: erst denken, dann reden. Und an die Betroffenen: immer schön am Ohrläppchen reiben und “Woosha” sagen, das hilft. Ich drück euch aus der Ferne,

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