Das tolle, wenn man im Ausland lebt? Man lernt neue Kulturen kennen. Man erweitert dadurch nicht nur seinen Horizont, sondern man lernt so manche Dinge so richtig zu schätzen – im Heimatland sowie am neuen Wohnort. Heute möchte ich euch einfach mal ein paar Dinge aufzählen, die mir so ganz spontan zum Thema kulturelle Unterschiede einfallen. Was gefällt mir an Kalifornien bzw. den USA besonders gut? Was könnte im Vergleich zu Deutschland besser sein? Sind die Amis denn wirklich so freundlich?

Zufriedenheit und Freundlichkeit

Um die letzte Frage zu beantworten: im Schnitt ist der Großteil der Amerikaner wahrhaftig freundlicher als die Deutschen. Auch wenn mir während meiner letzten Deutschlandbesuche kein unfreundlicher Mensch dort über den Weg gelaufen ist, ist die Stimmung in Amerika schon ein wenig anders. Ein Beispiel: ständig begegnen mir beim Spazierengehen gut gelaunte, alte Menschen, die mir freudig zuwinken und sagen, wie schön der Tag doch sei. In Deutschland müsste man sich da schon fragen, was die Oma heute so geraucht hat.

Aber auch sonst wird man immer nett gegrüßt, die Leute sind sehr viel offener und lächeln auch öfter einfach mal so vor sich hin. Während wir Deutschen beispielsweise sehr selten anderen sagen, dass uns etwas an ihnen gefällt, ist das hier gang und gäbe. Warum eigentlich auch nicht. Es tut doch gut, wenn andere einem sagen, dass ihnen das Outfit oder die Frisur gefällt – nein, die haben dabei auch keinen bösen Hintergedanken und wollen es uns auch nicht nachkaufen. Und wenn schon.

Ich merke gerade, dass ich euch dutzende Beispiele nennen könnte. Aber das kann ich ja mal separat machen. Heute möchte ich euch zum Thema Freundlichkeit nur noch folgendes Beispiel geben: als ich mit Little H schwanger und einkaufen war, wurde ich ständig gefragt, ob ich nicht Hilfe beim Einladen ins Auto benötige. Das ist ja generell schon normal, dass man das gefragt wird, aber wenn man schwanger ist, dann kann es schon mal passieren, dass sie sich nicht abwimmeln lassen und sagen: du solltest das nicht heben, ich trage das für dich! Ist mir wirklich ein paar Mal passiert und ich bin der festen Überzeugung, dass das in Deutschland eher unüblich ist (lasst mich wissen, falls ihr das anders seht!).

Abschließend zum Thema Freundlichkeit möchte ich noch sagen, dass das meiner Meinung nach nicht künstlich gespielt ist, wie es die Deutschen den Amerikanern gerne unterstellen. Hier sind die Menschen eben einfach ein bisschen offener und fröhlicher, Punkt. Sollten wir vielleicht alle mal versuchen, tut nicht weh und könnte unser Gegenüber im schlimmsten Fall erfreuen.

Erziehung

Doch warum ist das eigentlich so? Warum sind die Amis im Schnitt so viel freundlicher? Meiner Meinung nach fängt das schon mit der Erziehung im jungen Alter an. Vergleicht man deutsche und amerikanische Kinder miteinander, dann fällt schnell auf, dass die Amerikaner sehr viel offener sind. Wenn ich beispielsweise gassi gehe, dann kommen öfter mal Kinder zu mir, sagen hallo, fragen wie mein Hund heißt und wollen mal streicheln – obwohl sie mich nicht kennen. 

In Deutschland wird den Kids dagegen schon früh beigebracht, dass man mit Fremden nicht redet – natürlich aus gutem Grund. Die Sicherheit des Kindes steht bei den Deutschen im Vordergrund und das liegt auch stark daran, dass Kinder schon sehr früh selbstständig sind und alleine von A nach B gehen. Da ist eine gewisse Zurückhaltung gegenüber Fremden natürlich sehr, sehr wichtig.

Natürlich wird den Kindern hier in den USA aber auch vorgelebt, dass man positiv durchs Leben schreitet und anderen hilft, sollten sie Hilfe benötigen. Oft sehe ich auf Facebook und co, wie Kinder von Bekannten beispielsweise in Altersheimen oder auf der Farm aushelfen. Somit lernen viele kleine Amerikaner schon in ihrer frühen Kindheit, dass Hilfsbereitschaft etwas gutes ist. Eine tolle Sache wie ich finde.

Hilfsbereitschaft

Diese Hilfsbereitschaft ist in Amerika generell ausgeprägter als in Deutschland. Während man in Deutschland eher seinen engsten Freunden mal aushilft, wird hier geholfen wo man nur kann. Beispielsweise wird ständig um Spenden gebeten, wenn mal wieder eine Familie einen Schicksalsschlag erleiden musste. Doch warum ist das so anders?

In meinen Augen liegt das daran, dass man in Deutschland durch sämtliche Versicherungen viel besser abgesichert ist, als das hier der Fall ist. Wir alle wissen, dass es vor einigen Jahren in den USA noch freiwillig war, ob man sich krankenversichert oder nicht. Somit kam es eben nicht selten, dass ein unversicherter Mensch erkrankte und somit auf die Hilfe seiner Mitmenschen angewiesen war. Die deutsche Mentalität würde vermutlich “Pech gehabt, dein Problem” denken, während die Amerikaner selbst dann ein paar Dollar spenden, wenn sie diese Person nicht kennen.

Oftmals ertappe ich mich dabei, wie die deutsche Denkweise in mir aufstößt: “Warum sollte ich für jemanden spenden, der jahrelang Geld gespart hat, und es jetzt von uns will?” Vielleicht bin ich ein Unmensch so zu denken, vielleicht ist es einfach nur eine etwas deutsche Denkweise. Doch in Deutschland zahlt man, ob in Form von Steuern oder für private Versicherungen, ein Vermögen zur Absicherung für sämtliche Fälle. Somit ist es auch kein Wunder, dass wir Deutschen dann so denken. 

Umgang mit Geld

Wenn wir schon beim Thema Geld sind: meiner Meinung nach gehen wir Deutschen viel besser mit Geld um als die Amerikaner. Klar, das ist vielleicht jetzt ein Vorurteil und alles was ich hier sage – und bereits gesagt habe – ist meine eigene, persönliche Meinung. Meine Erklärung liegt in dem Umgang mit Kreditkarten. Die meisten Deutschen denken so: wenn ich das Geld für etwas nicht auf dem Konto habe, dann kann ich es mir nicht leisten (Ausnahme sind natürlich der Kauf von Immobilien und Autos). Der Amerikaner dagegen zückt einfach eine seiner vielen Kreditkarten und kauft was er will. Wie eine amerikanische Dozentin von mir mal sagte: “we will just shoot the credit!”

Das hat natürlich zur Folge, dass Amerikaner eher dazu neigen sich Dinge zu kaufen, die über ihrem Budget sind. Immerhin haben sie dann was sie wollen, ohne sich groß verrückt zu machen. Doch wer ist jetzt glücklicher? Der verschuldete Amerikaner, der hat was er will, oder der unverschuldete Deutsche, der gerne etwas hätte, aber das Geld dazu nicht hat? Eine gute Frage. Auch hier bin ich wieder sehr deutsch und sage: wer will schon Schulden haben? Könnte ich etwas überhaupt genießen, wenn ich weiß, dass ich es mir nicht leisten kann?

Aber auch bei kleineren Dingen merkt man schnell, dass der Umgang mit Geld definitiv ein anderer ist. Insbesondere wenn man feiern geht, dann kennen viele Amerikaner keine Grenzen. Drinks sind generell teuer und dann zahlen die Männer in der Regel auch die Drinks für die Frauen. Ein teurer Spaß. Und sonst so? Das Thema Geschenke ist auch sehr interessant. Hier wird in Amerika auch gerne mal ein halbes Vermögen für den Liebsten ausgegeben. Fängt mit dem Verlobungsring ja schon an – zwei Monatsgehälter sollte der nämlich schon mindestens kosten. 

Zum Glück kann jeder selbst entscheiden

Natürlich kann man sich fragen, was einem jetzt lieber ist. Ich muss sagen, dass der Umgang mit Geld ganz häufig einer der Gründe ist, weshalb ich nicht so ganz zu meinen amerikanischen Freunden passe. Ja, vielleicht bin ich einfach nur zu geizig. Ein letztes Beispiel: viele meiner Freunde geben gerne mal das Geld für Drinks und Co aus, plus die Kosten für einen Babysitter. Wenn man das mal zusammen rechnet (bei unseren Preisen hier im Silicon Valley), dann kostet ein Abend im Pub gerne mal $100 bis $150 am Ende. Wäre es mir das wert? Um ehrlich zu sein: nein.

Also im Großen und Ganzen ist hier Einiges anders als in Deutschland. Nicht unbedingt besser und auch nicht schlechter, einfach anders. Kulturelle Unterschiede machen das Leben im Ausland aber ja erst interessant. Ein paar Dinge könnten sich die Amis durchaus von den Deutschen abschauen, darunter Verlässlichkeit, Pünktlichkeit und der Umgang mit Geld. Das Einzige, was ich den Deutschen ans Herz legen würde, wäre einen freundlicheren Umgang mit den Mitmenschen, ein bisschen mehr Lebensfreude und eine offenere Art.

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