Nun bin ich das zweite Mal schwanger und meine Mutter hat mich noch nie schwanger gesehen. Sie hat nie ihre Hand auf meinen Bauch legen und die Tritte ihrer Enkeltöchter spüren dürfen. Auch hat sie nie meinen Bauch aus nächster Nähe sehen können um vorherzusagen, was es denn werden würde. Stattdessen sieht sie alles in 2D auf ihrem iPad.

Das sind sie, die Momente, die mich an meiner Entscheidung ins Ausland zu gehen zweifeln lassen. Ich befinde mich in einem Zwiespalt, der schwer ist in Worte zu fassen. Denn auf der einen Seite bin ich glücklich und fühle mich wohl hier in den Staaten. Und doch fehlt mir meine Familie. Sehr sogar.

Ob meine Mutter weiß, wie sehr ich sie vermisse, hatte mich die Journalistin bei einem Interview vor Kurzem gefragt. Natürlich, antwortete ich. Auch, wenn ich es so nie ausspreche. Wieso nicht? Weil wir dann wieder beide heulen würden und es an der jetzigen Situation nichts ändern würde.

Dabei ist es in der Theorie doch so einfach: zieh’ doch einfach zurück, dann hast du sie wieder. Während das so einfach klingt, sieht die Realität ein bisschen anders aus. Mein Mann hat hier einen Job, einen sehr guten sogar. Wir wohnen in einem kleinen Häuschen, haben das Meer vor den Füßen und leben hier schon ein paar gute Jahre.

Die Zeit hier hat uns verändert, hat uns in manchen Bereichen die Augen geöffnet – im positiven sowie im negativen Sinne. Wir haben viel gesehen und erlebt, und ich bin der Meinung, dass man mit dem Kennenlernen neuer Kulturen immer anspruchsvoller wird.

Ich bin also unglücklich glücklich. Oder glücklich unglücklich? Ich weiß es nicht so genau. Alles was ich weiß ist, dass ich meine Familie gerne häufiger sehen würde. Dass meine Tochter mit ihren Cousins spielen könnte und das nicht nur einmal im Jahr. Dass ich an Weihnachten bei meinen Eltern vorbeikommen und meine Mutter zu ihrem Geburtstag drücken könnte.

Doch wer weiß, was die Zukunft so mit sich bringt. Ich weiß es nicht. Doch ich lasse mich überraschen, gehe mit einer Offenheit durchs Leben und lasse einfach mal alles auf mich zukommen. Vielmehr kann man ohnehin nicht machen – denn jedes Mal, wenn wir einen Plan hatten, kam irgendetwas dazwischen und am Ende war es doch wieder ganz anders.

 

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