Nathalies schöne Geburt trotz Dammschnitt

In ihrem Geburtsbericht schildert dir Nathalie vom Blog Life at 30 wie sie ihren kleinen Finn zur Welt gebracht hat. Alles ging plötzlich ganz schön schnell, sodass Nathalie keine Zeit zum Durchatmen hatte: am Krankenhaus angekommen ging es nämlich auch schon gleich los. Nathalie nimmt dich mit auf ihre Geburtsreise: von der ersten Wehe über den Dammschnitt bis hin zu den Schmerzen danach – und natürlich dem wunderschönsten Moment ihres Lebens, ihr Baby zum ersten Mal im Arm zu halten.

Die 6 Fragen aller Fragen:

Hattest du eine schöne Geburt?
Ja

War es deine erste Geburt?
Ja

Wie lange hat es gedauert (von erster Wehe bis zur Geburt)?
4 Stunden

Hattest du Angst vor der Geburt?
Natürlich ja, aber als es tatsächlich los ging, hatte ich keine Zeit mehr Angst zu haben.

War es schlimmer als erwartet?
Nein, es war ganz anders als erwartet und weniger schlimm.

Hast du einen Tipp für eine Schwangere, die kurz vor der Geburt steht?
Schlafe so viel du kannst und sei entspannt. Es kommt alles wie es kommt.

Meine Schwangerschaft verlief bis auf die Symphysenlockerung relativ komplikationslos. Die anhaltenden Schmerzen machten jedoch ein Beschäftigungsverbot notwendig, so dass ich bereits ab der 27. Schwangerschaftswoche zuhause war. Für mich und mein Becken war das viele Liegen eine Wohltat. Andererseits hatte ich irgendwann sämtliche Serien gestreamt und begann langsam aber sicher mich zu langweilen.

Trotz der vielen Ruhe war mein Muttermund in der 35. Woche bereits geöffnet und der Gebärmutterhals fast verstrichen. Damals gab mir meine Ärztin noch 2-3 Wochen. Bei der nächsten Kontrolle war ich bereits bei 3 cm. Hier war bereits abzusehen, dass ich die nächste Kontrolle wohl nicht mehr wahrnehme. Auf dem CTG waren jedoch nie Wehen zu sehen.

Die ersten Wehen

Am Samstag, den 23.11., ca. zweieinhalb Wochen vor meinem ET, hatten wir keine Pläne. Daher sind mein Mann und ich spontan frühstücken gegangen und haben es mit einem Stadtbummel verbunden. Im Anschluss habe ich mich ausgeruht und hatte unregelmäßige leichte Wehen. Jedoch nicht sonderlich schmerzhaft, so dass ich es als „Übungswehen“ abtat. Am Abend waren die Wehen wieder verschwunden und ich schaute im Bett einen Film und aß Mandarinen. Völlig überraschend und aus dem Nichts kam um 21:14 Uhr die erste heftige Wehe. Ich schrieb meinem Mann per WhatsApp, er saß im Wohnzimmer.

Wie er es im Geburtsvorbereitungskurs gelernt hatte, setzte er mich erstmal in die Badewanne um zu sehen ob die Wehen nachließen. Aber das Gegenteil war der Fall. Ich hatte immer stärkere Schmerzen und einen Druck nach unten. Ich war der festen Überzeugung, dass ich mit Stuhlgang auf Toilette müsste. Aus der Wanne direkt auf das Klo ging mir vermutlich hier die Fruchtblase ab. Zumindest hatte ich Blut am Papier entdeckt.

Da ich mich bis zuletzt nicht für eine Geburtsklinik entschieden hatte, haben wir kurz über die Kliniken diskutiert. Meine favorisierte Klinik war jedoch 30 km entfernt und ich wusste, dass ich die Fahrt nicht überstehen würde aufgrund der Schmerzen. Wir fuhren also in die 10 min entfernte große Klinik.

Ins Auto zu steigen glich einer akrobatischen Höchstleistung und auch die Fahrt war die längste meines Lebens. Die Wehen waren bereits bei Abständen von 3 Minuten. Ich war ausschließlich mit Atmen und auch Schreien beschäftigt. Am Krankenhaus angekommen half eine fremde Frau dabei mich in einen Rollstuhl zu bekommen, denn an Laufen war nicht mehr zu denken.

Der Weg zum Kreißsaal schien endlos.

Dort angekommen stand glücklicherweise gerade eine Hebamme an der Tür. Sie winkte uns direkt durch in den nächsten freien Kreißsaal. Es war ca 22:15 Uhr. Nach gefühlt drei weiteren Wehen hatte ich es dann auch aus dem Rollstuhl auf das Bett geschafft. Die Hebamme untersuchte mich direkt und teilte uns mit: „Super, der Muttermund ist komplett offen und der Gebärmutterhals verstrichen.“ Es ging also direkt los. Es blieb nicht mal Zeit für einen Zugang trotz meines positiven Streptokokken Abstrichs.

Der Druck nach unten wuchs weiter und ich hatte den Drang zu pressen. Das sagte ich der Hebamme auch während sie gerade den Papierkram mit meinem Mann erledigte. Daraufhin antwortete sie, ich dürfe pressen. Ich sollte mich rund machen und das Baby in Richtung Ausgang pressen. Eine sehr langwierige Angelegenheit, die etwa 2,5 Stunden so weiter ging.

Lachgas und die Übelkeit

Ich hatte zwischenzeitlich nach Schmerzmittel gefragt und bekam Lachgas als einzige Lösung angeboten. Eine PDA wollte ich sowieso tunlichst vermeiden, denn der Gedanke an eine Nadel im Rücken ließ mich panisch werden. Da mir Lachgas von Zahnarztbehandlungen bekannt war und ich es immer gut vertragen hatte, nahm ich diese Option dankend an. Das Atmen über die Maske während den Presswehen war jedoch alles andere als einfach und schnell wurde mir übel. Das Abendessen habe ich anschließend in mehreren Akten zurückbefördert.

Ich entschied mich dann auch gegen das Lachgas, damit ich mich auf das Pressen fokussieren konnte. In welchen Abständen die Wehen kamen weiß ich nicht. Aber sie kamen sehr oft und jede Wehe wollte genutzt werden. Dass ich tatsächlich über zwei Stunden am Pressen war, kam mir gar nicht so lange vor. Ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Ganz oft musste ich jedoch an meine Schwester denken. Diese beschrieb mir vor 2 Jahren nur wenige Stunden nach der Geburt ihres ersten Kindes die Geburt in recht simplen Worten: „Fühlt sich an, als würde man einen Backstein quer scheißen“. Sie behielt recht. Genauso fühlte es sich an.

Der Dammschnitt

Irgendwann kam der Arzt hinzu. Wenn ich mich recht erinnere hatte die Hebamme mehrfach bei ihm angerufen. Es fanden zeitgleich noch weitere Geburten statt, eine davon für mich deutlich hörbar. Woher die Dame die Kraft für die vielen lauten Schreie nahm war mir gänzlich unklar. Ich war schon froh, wenn ich genug Luft zum Pressen hatte.

Ich hörte jedenfalls den Arzt zur Hebamme sagen, dass sie nach der nächsten Wehe etwas unternehmen müssten. Ich wurde direkt panisch und schaute auf die Herztöne am CTG. Ich dachte, sie sprachen von Kaiserschnitt. Denn diesen wollte ich um jeden Preis vermeiden. Sie erklärten mir jedoch, dass ich einen Dammschnitt erhalten sollte. Das beruhigte mich jedoch nicht und ich blieb panisch.

Die nächste Wehe kam und der Schnitt wurde durchgeführt. Ehrlicherweise war es eine Erlösung, denn der starke Gegendruck ließ nach. Ich ließ mir eine weitere Wehe Zeit zum Kraft tanken um anschließend mit der nächsten Wehe unseren Sohn zu gebären. Ein Moment, der sich nicht in Worte fassen lässt. Die Welt stand einen Moment still und selbst beim Gedanken daran steigen mir Tränen des Glücks in die Augen.

Die Schmerzen nach der Geburt

Wie bereits erwähnt wurde ich geschnitten, zusätzlich bin ich auch gerissen. Ich musste leider sehr lange warten, bis ich genäht wurde. Bis dahin hatte ich bereits Schmerzen. Das Nähen an sich empfand ich stellenweise als sehr schmerzhaft. An anderen Stellen habe ich dank Betäubung nichts gespürt. Die ersten beiden Wochen nach der Geburt war in diesem Bereich sehr schmerzhaft und für mich schlimmer als die Geburt an sich. Dank einer Salbe, welche ich von meiner Hebamme erhielt, wurde es nach der ersten Woche langsam besser.

Der Weg zur Schwangerschaft war nicht einfach. Umso glücklicher waren wir, als Finn am 24.11. um 1:06 Uhr zur Welt kam. Mir war egal wie viele Finger er hat. Er war da, er schrie, er lebte. Das war alles was zählt.

Mein Mann war eine wahnsinnig große Stütze. Er half mich zu runden bei den Wehen, er hielt meinem Kratzen und Drücken stand. Er hielt mir immer wieder einen kühlenden Waschlappen ins Gesicht und versorgte mich mit Wasser. Er wich nicht von meiner Seite und motivierte mich. Ohne ihn hätte ich das niemals überstanden.

Es war eine anstrengende aber schnelle und schöne Geburt. Die Hebamme war toll und mein Bauchgefühl hat uns in die richtige Klinik geführt. Ich würde es alles genauso wieder machen.

Du magst Nathalie einen Gruß dalassen?

Dann hüpfe doch mal bei ihrem Instagram Account vorbei!

Wer noch mehr über Nathalie erfahren will, der sollte unbedingt auf ihrem Blog Life at 30 vorbei schauen: ein wunderschöner, ehrlicher Blog von einer frischgebackenen Mama, die weiß, wie unschön eine Kinderwunschzeit sein kann.

Liebe Nathalie,

ich kann es kaum glauben, dass dein Finn schon da ist! Wir kennen uns ja jetzt schon eine Weile und ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir uns über das  Thema Kinderwunsch ausgetauscht haben – wie es sich anfühlt, wenn es nicht so einfach klappen mag.

Plötzlich warst du schwanger und du weißt ja, wie sehr ich mich für dich gefreut habe. Tja, und jetzt bist du auch „schon‘ Mama von einem zuckersüßen Jungen. Zugegeben, beim Lesen von deinem Geburtsbericht tatst du mir ein bisschen leid. Das lange Pressen und der Dammschnitt klingen ja gaaanz schön schmerzhaft. Umso schöner zu lesen, dass dir dein Mann so toll zur Seite stand und dich unterstützt hat wo er nur konnte.

Hut ab vor deiner Offenheit und vielen Dank dafür! Ich finde es klasse, dass du so offen über den Dammschnitt schreibst, schließlich gibt es unter uns Mamas so einige, die entweder gerissen sind oder geschnitten werden mussten – und wir wissen, wie sehr so etwas schmerzt. Irgendwie gehört es zur Geburt dazu, warum also nicht offen drüber reden?

Liebe Nathalie, vielen herzlichen Dank dafür, dass ich deinen tollen Geburtsbericht veröffentlichen durfte. Es ist so schön zu wissen, dass euer größter Wunsch in Erfüllung gegangen ist und ihr neben eurem Hund jetzt noch einen knuffigen Zweibeiner zum Knuddeln habt. Genieße jede Sekunde, denn die Zeit mit Kind verfliegt schneller als du gucken kannst.

Fühl dich fest gedrückt,

deine Bine

PS: Einen lieben Gruß an deine Schwester, hab mich weggeworfen vor Lachen! Wie recht sie doch hat…