Da ist sie wieder, die Periode. Man war so optimistisch, hatte so gehofft, dass dieser Zyklus der Zyklus sei. Anstelle eines positiven Schwangerschaftstests hält man jedoch ein Tampon in den Händen und fragt sich, womit man das nur verdient hat.

Glaubt mir, ich weiß ganz genau wie sich das anfühlt. Ich weiß, dass regelrecht eine Welt zusammenbricht, wenn es mal wieder nicht geklappt hat. Mit dem Einsetzen der Periode möchte man einfach nur noch heulen und sich vergraben. Man ist häufig am Ende seiner Kräfte und fragt sich, ob man denn jemals schwanger werden wird.

Pinterest - Nicht schwangerJe länger der Kinderwunsch anhält und je mehr man dafür tut, desto intensiver wird dieser Schmerz. Es ist wie ein Schlag ins Gesicht gepaart mit einem Gefühl der Hoffnungslosigkeit. Es schmerzt so sehr. Lasst mich das mal ein bisschen ausführlicher beschreiben.

Ich nenne es die Hoffnungslosigkeitsspirale.

Es beginnt ein neuer Zyklus und du bist völlig enttäuscht und gefrustet, dass es wieder nicht geklappt hat. Nun hängt das Ausmaß deiner Enttäuschung natürlich stark davon ab, was du in diesem Zyklus alles probiert hattest. War es “nur” timed intercourse? War es eine Insemination oder sogar eine IVF? Je nachdem was du alles dafür getan hast, steigt natürlich auch das Level deiner Enttäuschung. Denn man hat so viel dafür getan, hat gehofft und gebangt. Wie man sich wohl fühlt, wenn eine IVF oder ICSI fehlgeschlagen ist, ist wohl selbstverständlich.

Aber zurück zum Zyklus. Man hat seine Tage und wie durch ein Wunder kommt nach der Enttäuschung dieses Gefühl der Hoffnung. Hoffnung darauf, dass dieser Zyklus nun der Zyklus sei, in dem es endlich klappen würde.

In meinem Fall war das meistens so:

Mit dem Einsetzen der Periode ging es wieder zum Kinderwunschzentrum. Schon alleine beim Anruf für die Vereinbarung eines Termins musste ich immer mit den Tränen kämpfen. Wie auch immer, beim Arzt wurde dann ein Ultraschall gemacht um auszuschließen, dass ich vom vorherigen Zyklus keine Zysten hatte.

Sofern keine Zysten da waren, begann also ein neuer Versuch. Es gab Medikamente und es wurde die weitere Vorgehensweise besprochen. Dann war es da, dieses Gefühl der Hoffnung. Diesen Monat würde es endlich klappen! 

Ich nahm also die Medikamente ein und musste hin und wieder zur Kontrolle in die Kiwu-Klinik. Dann durfte ich mich an Tag X spritzen, um den Eisprung auszulösen. Man wusste also, dass man in diesem Zyklus tatsächlich eine Chance hatte. Diese Chance ließ meine Hoffnung ins Unermessliche steigen.

Dann kam die Insemination und somit die Wartezeit. Zwei Wochen lang warten, ob es dieses Mal geklappt hatte. Das ist mit Abstand die schwierigste Zeit während einer Kinderwunschbehandlung. Wieso? Weil man jedes Zeichen seines Körpers deutet. Ein Ziehen im Unterleib? Bestimmt die Einnistung, oder? 

Wer unter einem Kinderwunsch leidet, der weiß vermutlich ganz genau was ich meine. Es ist grausam und diese zwei Wochen fühlen sich an wie eine Ewigkeit. Am Liebsten würde man schon nach einer Woche testen, doch der Verstand sagt einem, dass es viel zu früh sei. Also wartet man und sucht Trost unter Gleichgesinnten in Apps und Facebook-Gruppen. 

Ab Tag 10 kann man sich dann kaum noch halten, nur um von einem schneeweisen Schwangerschaftstest begrüßt zu werden. War es nur zu früh zu testen oder hat es tatsächlich nicht geklappt?

Auch wenn ich an Tag 14 noch immer einen negativen Test in Händen hielt, war er trotzdem noch da: der Funken Hoffnung. Die Hoffnung, dass es eine späte Einnistung war und der Test deshalb noch nicht angeschlagen hatte.

Dann kam es jedes Mal, wie es kommen musste: ich bekam meine Tage – nicht schwanger. Der rote Drache, wie er gerne genannt wird. Ein Ungeheuer, vor dem wir Kiwu-Mädels uns alle fürchten. Und jeden verdammten Zyklus passierte das Gleiche: eine Welt brach für mich zusammen. Ich heulte, war verzweifelt, war am Ende meiner Kräfte. Schwer zu beschreiben für jemanden, der nicht weiß wie sich das anfühlt.

Und dann? Dann ging das Ganze wieder von vorne los: Anruf beim Arzt zur Terminvereinbarung (Tränen runterschlucken!), Untersuchung, Hormone, usw. – nur um dann wieder enttäuscht zu werden. Die Hoffnungslosigkeitsspirale.

Was du tun kannst

Ich wünschte, dass ich euch in diesem Beitrag ein Geheimrezept dafür geben könnte, wie man mit diesem Schmerz umgeht. Doch sind wir mal ehrlich: dieses Rezept gibt es nicht. Das ist genau der Grund, weshalb der unerfüllte Kinderwunsch einen so großen Einfluss auf das Wohlbefinden der Betroffenen hat. Man kann nicht wirklich viel gegen diese Gefühle tun.

Mir hat es immer geholfen, mit anderen Betroffenen zu kommunizieren. Bedeutet, dass ich in meiner Kiwuzeit sehr aktiv in einer App war, wo wir uns gegenseitig Hoffnung gemacht haben und füreinander da waren. Ich musste den anderen Mädels nie erklären, wie ich mich fühlte – sie wussten es nämlich ganz genau, da es ihnen auch immer so ging.

Austausch mit anderen Betroffenen

Der Austausch mit anderen Betroffenen ist meiner Meinung nach äußerst hilfreich. Klar, natürlich kann es euch auch helfen mit euren besten Freundinnen darüber zu sprechen. Ich habe das auch gemacht und ich bin ihnen sehr dankbar dafür, dass sie immer versucht haben mich aufzubauen. Trotzdem wusste ich, dass sie nicht ganz genau wissen konnten, wie es in mir aussah – wie leer, verzweifelt und alleine ich mich fühlte.

Also, mein Tipp: suche dir Gleichgesinnte. Sie verstehen dich am Besten und oftmals kann man Vieles von ihnen über Behandlungsmöglichkeiten und Co lernen. Sehr empfehlenswert.

Look on the bright side

Ein weiterer Tipp, den ich nun schon häufiger gehört habe, ist Folgender: suche dir etwas, das du nur tun kannst, wenn du nicht schwanger bist. Wie wäre es mit einer Weinprobe oder einem Sushi-Dinner mit deinem Liebsten? Einer Flugreise im Sommer, die du eventuell nicht machen würdest, wärst du schwanger (nicht falsch verstehen, natürlich kann man schwanger fliegen – allerdings entscheiden sich viele Frauen nach einer erfolgreichen Kinderwunschbehandlung dies vorsichtshalber nicht zu tun).

Kurz: suche dir etwas, worauf du dich freuen kannst, ganz nach dem Motto: „Look on the bright side“. Ich weiß, das ist nicht einfach und wird dir definitiv nicht den Schmerz nehmen, aber vielleicht macht es das Ganze ein ganz klein Bisschen erträglicher.

Habe einen Plan

Ein weiterer Tipp, den ich immer wieder an Betroffene weitergebe: habe einen Plan. I know, das klingt so selbstverständlich. Doch oftmals dümpelt man so vor sich hin und hat keinen konkreten Plan. Frage dich: wie lange möchte ich es so versuchen, bis ich zum nächsten Schritt übergehe? Wann zur Kinderwunschklinik? Wie viele Inseminationen halte ich für sinnvoll? Möchte ich mir eine zweite Meinung einholen, sollte mein Arzt anderer Meinung sein als ich?

Einen Plan zu haben ist immer wichtig, da man somit ein Licht am Ende des Tunnels sieht. Denn auch wenn der jetzige Versuch nicht zur Schwangerschaft führt, dann bleibt da noch ein Funken Hoffnung bestehen, dass es mit dem Plan B klappen wird.

Alles nicht so einfach

Ihr Lieben, ich weiß wie ihr euch fühlt und würde euch so gerne helfen. Lasst euch gesagt sein: ihr seid nicht alleine und ihr könnt nichts dazu. Es hätte jeden treffen können. Aber: die Medizin kann Wünsche erfüllen und kleine Wunder in euer Leben zaubern. Scheut euch also nicht davor Hilfe anzunehmen. Und ganz wichtig: gebt die Hoffnung nicht auf. Wunder werden wahr, ich weiß wovon ich spreche.

Ich wünsche euch von Herzen nur das Allerbeste,

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