Manche von euch denken sich sicherlich, dass ich einen Sprung in der Schüssel habe und fragen sich, warum ich über ein solch persönliches Thema wie Unfruchtbarkeit schreibe (der Ausdruck „Projekt Geschwisterchen“ gefällt mir übrigens um einiges besser). Vor einem halben Jahr hätte ich euch da auch noch voll und ganz zugestimmt. Denn wen gehen meine Probleme was an? Heute, nach vielen erfolglosen „Projektversuchen“, sehe ich das Ganze ein wenig anders.

Wir alle sind verschieden. Ich kenne zahlreiche Frauen, die mit ihrem unerfüllten Kinderwunsch leben müssen oder habe Freunde, deren Freundinnen damit kämpfen. Und eins habe ich dabei festgestellt: die meisten davon sprechen nur mit sehr ausgewählten Personen darüber, wenn überhaupt. Warum also schreibe ich hier ganz öffentlich über meine Problematik und die damit verbundenen Emotionen?

The Silver Lining

Als ich die Diagnose Sekundäre Infertilität bekam, wusste ich gar nicht so recht wie mir geschieht. Mein Problem, der unerfüllte Kinderwunsch, hatte also plötzlich einen Namen. Ein ganz schön komisches Gefühl. Aber ich ließ mich davon nicht unterkriegen. Mein Kämpfergeist sorgte dafür, dass ich wöchentlich bei meinem Arzt auf der Matte stand und die verschiedenen Therapiemethoden durchprobierte. Leider alles ohne Erfolg. Und ständig, und damit meine ich täglich, stündlich und wenn nicht sogar minütlich, stellte ich mir folgende Frage: Warum ich.

Warum ich? Womit habe ich das verdient? Wir alle wissen, dass keiner da draußen so etwas verdient hat – auch mein schlimmster Feind nicht. Also gab es keine Antworten auf diese Fragen. Ich fragte mich schließlich, was ich denn Positives aus dieser Erfahrung ziehen könnte. Ich war also auf der Suche nach dem Silver Lining, wie es im Englischen so schön heißt. Was war er also, der schillernde Rand um die dunkle graue Regenwolke?

Und langsam wurde mir bewusst, dass ich meine Erfahrungen und mein erlerntes Wissen mit anderen teilen muss. Zum Einen, um anderen Menschen damit zu helfen und zum Anderen aus Zwecken der Eigentherapie. Lasst mich das mal kurz ein bisschen genauer erklären.

Anderen helfen

Besonders diejenigen, die nicht über ihr Problem sprechen, suchen häufig Hilfe in der digitalen Welt wo sie auf Frauen treffen, die mit demselben Problem kämpfen. Denn eins kann ich euch garantieren: keiner versteht einen besser, als jemand, der dieses Problem am eigenen Leib erfahren musste. Auch wenn Freunde alles geben um einen aufzubauen und immer für einen da sind (danke euch!!), wissen sie meist nicht, wie es sich so anfühlt zu den 10% zu zählen, die ihr Leben nicht so einfach planen können. Deshalb suchen die Meisten von uns Rückhalt und Antriebskraft in diversen Apps und Foren. Und genau das ist es, was ich mit meinem Blog erreichen möchte. Ich möchte euch zeigen, dass ihr nicht alleine seid. Und ich will zeigen, dass viele Wege nach Rom führen, wenn auch auf Umwegen. Zusammen sind wir stark und machen uns gegenseitig Mut.

Selbsthilfe

Wie bereits gesagt, nutze ich diesen Blog aber auch ganz eigennützig als Eigentherapie. Wenn ich ein Problem habe, dann muss ich darüber reden (oder schreiben!) um es zu verarbeiten. Ich habe schon immer zu den Plaudertaschen gezählt…warum also eines meiner größten Probleme im Leben für mich selbst behalten? Geteiltes Leid ist halbes Leid. Mir hilft es einfach extrem wenn ich meine Gedanken und Gefühle zum Thema Unfruchtbarkeit hier niederschreibe. Warum also nicht mit euch teilen? Außerdem werde ich somit nicht immer gefragt, wann denn das Geschwisterchen kommt (es wäre doch jetzt mal an der Zeit). Meine Lieblingsfrage, bei der ich regelmäßig in Tränen ausbrechen könnte.

Mir ist bewusst, dass nicht jeder nachvollziehen kann, warum ich so offen über mein Projekt Geschwisterchen spreche. Und das ist völlig in Ordnung. Jeder Mensch ist anders. Wichtig ist nur, dass ihr für euch selbst entscheidet, was euch am Besten tut. Jeder soll seinen Weg gehen, ohne dabei den Weg des anderen zu verurteilen. Hier gibt es nämlich kein Richtig oder Falsch.

 

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