Sabines steiniger Weg zum Glück: Clomifen, Schwangerschaftsdiabetes & Notkaiserschnitt

Hallo, ich bin die Sabine, noch 28 Jahre alt und Mama eines Sohnes, der im Februar 1 Jahr alt wird. Wir kommen aus dem schönen Oberfranken – Bayern. Ich habe bis vor der Schwangerschaft in einem medizinischen Beruf gearbeitet und bin aktuell in Elternzeit. 

Erzähl mal: wie war deine Kinderwunschreise?

Seit ich denken kann möchte ich Mama werden. Ich hatte aber noch nicht den richtigen Partner gefunden – bis mein Mann in mein Leben kam. Nach der Hochzeit beschlossen wir, den Kinderwunsch aktiv anzugehen. Da ich so gut wie möglich vorbereitet sein wollte, nahm mein Mann prophylaktisch Selen und Zink für die Spermabildung und Qualität ein. Ich habe Vitamin D3 eingenommen – soll gut für die Eizellen sein.

Im Vorfeld hab‘ ich meinen TSH-Wert auf 1 gebracht, mich noch beim Diabetologen durchchecken lassen (bin sehr übergewichtig und wollte da grünes Licht haben). Da hat sich dann rausgestellt, dass ich eine Insulinresistenz habe. Deshalb nahm ich Metformin ein, auch super für die Reifung der Eizellen – außerdem war ich immer wieder bei meiner Frauenärztin da ich meine Periode nicht von alleine bekommen habe. 3 Monate keine Blutung haben ist schon nicht schön, erst recht nicht, wenn man einen Kinderwunsch hat.

Vor ein paar Jahren war dies schon mal der Fall, da hatte ich eine Zyste am Eierstock die sogar per Bauchspiegelung entfernt wurde. Ich musste also wieder anfangen die Pille zu nehmen, um dadurch wieder einen Zyklus, wenn auch künstlich, zu bekommen. Da ich ja keinen Eisprung hatte, war eine Befruchtung ohne Hilfe nicht möglich.

Als ich die Pille dann abgesetzt habe, ging es im nächsten Zyklus zusätzlich zum Metformin mit Clomifen los. Ich habe super auf die Kombination angesprochen, es wuchsen 3 Leitfollikel heran – alle super entwickelt und die Schleimhaut war super aufgebaut, beste Voraussetzungen also. Einige Zeit später durfte ich positiv testen. Ich war unglaublich glücklich, dass unsere Kinderwunschreise nicht lange dauerte. Ich habe riesen großen Respekt vor allen Paaren, die schon sehr lange für ihr Wunder kämpfen 

Pinterest - Mutmachstory: Sabines Weg zum Babyglück

Gab es für dich einen Tiefpunkt?

Einen Tiefpunkt gab es bei uns nicht, da dennoch alles zügig voran ging. Ich hatte quasi immer einen Plan. Ich habe viel gelesen und recherchiert um möglichst super auf eine Schwangerschaft vorbereitet zu sein. Dank meiner super Frauenärztin ging auch alles recht flott – sie hat nicht lange gewartet um mir die Therapie vorzuschlagen. Bei anderen Ärzten kann sich das manchmal schon sehr in die Länge ziehen. 

Wie offen bist du mit dem “Problem” umgegangen?

Ich wurde oft von Arbeitskollegen angesprochen – es gingen sogar immer wieder Gerüchte rum, dass ich schon schwanger sei. Das war trotzdem für mich ein Stich ins Herz. Ich sagte denjenigen, die das Gerücht in die Luft setzten, dass es bei uns Schwierigkeiten gibt und dass sie es definitiv erfahren werden, wenn es soweit ist. 

Es ist immer schön anderen Betroffenen zu helfen: welche Tipps oder Ratschläge möchtest du mit anderen Paaren teilen?

Jeder sagt, sei entspannt. Genauso ist es. In den Zyklen zuvor hab ich zusätzlich noch Granatapfelsaft, Frauenmantelkrauttee und Himbeerblättertee getrunken – und wurde nicht schwanger. Im Glückszyklus habe ich darauf verzichtet und gelebt. Auch mal einen Schnaps oder ein Glas Wein getrunken, ich war wirklich entspannter und mit mir selbst im Reinen. Das ist auch sehr wichtig. Klar, wenn man schon jahrelang in der  ,,Hibbelphase“ ist, klappt das sicher nicht mehr, da man ja oft enttäuscht wurde und irgendwann auch die Hoffnung verliert. Niemals aufgeben – es heißt immer es gibt keinen perfekten Zeitpunkt – das Baby sucht ihn sich aus. Genauso ist es auch. Glaubt an euch und vertraut euch!

Die Schwangerschaft

Dann war ich also endlich schwanger. Damit begannen dann die Probleme… Da ich ziemlich übergewichtig war, spielte mein Blutdruck erst mal verrückt und war viel zu hoch. Er wurde dann medikamentös eingestellt. Bereits in der 10. Woche musste ich zum großen Zuckertest, da ich ja im Vorfeld schon eine Insulinresistenz hatte.

Schwangerschaftsdiabetes

Leider fiel der Test gar nicht gut aus. Ich hatte eine Schwangerschaftsdiabetes und musste ab sofort täglich Insulin spritzen. Morgens, manchmal auch mittags ein Kurzzeitinsulin und zur Nacht ein Langzeitinsulin. Außerdem musste ich die ersten Wochen 7x täglich Zucker messen. Am Schluss nur noch 5x… Ich hab es so gehasst.

In den Oberschenkel spritzen war ja noch ok und machbar, aber als Schwangere sich in den Bauch zu spritzen war für mich erst mal undenkbar. Am Schluss kaum mehr möglich da der Bauch ja sehr fest und prall war. Ich hab es aber geschafft und habe täglich das Ende der Schwangerschaft herbeigesehnt.

Bluthochdruck

Ich hatte sehr starke Wassereinlagerungen und nahm über 30 Kilo zu. In der 32. Woche wurde ich aufgrund meines zu hohen Blutdrucks (178/115) ins Krankenhaus eingewiesen. Weihnachten verbrachte ich also alleine 60 km entfernt (wir hatten uns für dieses KH entschieden, da eine Kinderklinik mit dabei ist) von meiner Familie. Mein Mann kam mich täglich besuchen aber im Krankenhaus ist es eben nicht schön.

Ich musste täglich 3-4 x zum CTG und mein Blutdruck rebellierte total und wurde immer schlimmer. Mittlerweile hatte ich auch Migräneschübe. Es stand im Raum, die Geburt einzuleiten, wenn mein Zustand sich nicht verbessert. Durch den hohen Blutdruck hatte ich ein erhöhtes Schlaganfallrisiko. Ich hatte riesige Angst um mein Baby. Nicht um mich, aber eben um mein Kind, aber klar, wenn mir was passiert wäre das auch nicht gut…

Zum Glück stabilisierte sich mein Zustand und ich durfte mit Baby im Bauch das Krankenhaus verlassen. Meine Frauenärztin wollte mich ab dann wöchentlich sehen, da sie Bedenken hatte, was zu übersehen.Ab dann verlief alles nach Plan. Ich kam sogar in die 40. Schwangerschaftswoche. Das hätte keiner für möglich gehalten. Ich konnte mich kaum noch bewegen und war nur müde.

Die Einleitung

Bei meiner Frauenärztin hatte ich dann plötzlich Eiweiß im Urin und somit ging es wieder ins Krankenhaus. Dieses Mal aber zur Einleitung. Eingeleitet wurde am 11.02.18 morgens mit Gel. Am Abend zuvor wurden mir Sticks, die den Muttermund weicher und den Gebärmutterhals verkürzen sollten, in den Muttermund gelegt. Ab 12 Uhr hatte ich leichte Wehen und ab 14 Uhr kontinuierlich.

Mein Mann kam gegen 15.30 Uhr zu mir ins Krankenhaus und ich war so dankbar, nicht mehr alleine zu sein. Die Schmerzen wurden stärker. Am Abend gegen 19.30 Uhr so schlimm, dass ich nicht mehr stehen, liegen, sitzen konnte… Wir gingen also zum Kreißsaal und ich bekam das CTG angelegt – ich stand und lehnte mich am Kreisbett an. Zusätzlich gab’s für mich den ersten Schmerztropf.

Die PDA

Mein Mann hat mich oft angesprochen und hatte Angst, dass ich ohnmächtig werde – mein Kreislauf war da erst mal im Eimer und ich musste mich hinlegen. Nachts um 1.30 Uhr war der Muttermund bei 4 cm und ich bekam die PDA. Bis 5 Uhr ging es mir gut und wir konnten noch etwas schlafen. Dann hatte ich 3 Stunden lang einen Geburtsstillstand und der Wehentropf wurde immer höher gestellt.

Leider wurde die PDA bei mir nicht richtig gelegt, somit war meine komplette rechte Seite taub und ich hab alle Wehen in der linken Leiste gespürt, aber konnte mich leider nicht bewegen. Darum wurde auch alle 2 Stunden ein Katheter gelegt – ich konnte ja nicht mal zur Toilette gehen. Ich hatte ab da alle 1-2min Wehen und gefühlt keine Pause zum Veratmen dazwischen. Das war absolut anstrengend.

Stündlich wurde untersucht – Hebamme / Oberarzt und Assistenzärztin – – – während einer Wehe die Hand in der Scheide zu haben ist kein schönes Gefühl. Ich hatte eh schon überall Schmerzen. Dann war der Muttermund bei 10cm und ich bekam Presswehen – 2,5 Stunden gingen diese, aber mein Sohn rutschte nicht tiefer. Ich hab nur noch geweint vor Schmerzen.

Dann kam eine andere Hebamme und stellte fast, dass der Kleine eine Wulst am Kopf hat, dieser überstreckt ist und er zudem ein Sterngucker ist. Der Oberarzt kam und machte noch schnell einen Ultraschall um zu gucken wie der Kleine liegt. Da sein Fruchtwasser seit 7 Uhr schon grünlich war (die Fruchtblase wurde dort punktiert), ging es ganz schnell. 12.02.18 – – 15.30 Uhr – – Sofortiger Kaiserschnitt.

Notkaiserschnitt

Ich wurde fertiggemacht und hab‘ nur noch geweint. Mein Mann auch. Wir hörten den Oberarzt auf dem Gang die Namen der anderen Ärzte rufen. Ich kam mir vor wie im Film. Bevor die Maske auf mein Gesicht kam, erzählte ich einer Schwester noch, das heute auch mein Geburtstag ist…

Dann wurde ich wach und sah ein Bild über meinem Kopf baumeln. Da war ein Baby zu sehen. Mein Baby. Ich war kurz auf der Intensivstation und mein Mann durfte ausnahmsweise zu mir. Er erzählte mir wie alles abgelaufen ist und wie es unserem Sohn geht. Ich habe nur geweint.

Als ich stabil war, wurde ich verlegt und kam auf die Station. Mein Baby aber war in der Kinderklinik. Ich sah ihn das erste mal nach 21 Stunden und habe einige Tage gebraucht, um zu begreifen, dass er mein Kind ist. Nach 5 Tagen kam er endlich zu mir aufs Zimmer. Das war die schlimmste Zeit meines Lebens. Ein Kind gehört immer zu seiner Mutter.

Wir haben dann am nächsten Tag das Krankenhaus verlassen und in der ersten Nacht zuhause bekam ich endlich den Milcheinschuss. Ich hatte das Glück trotz allem noch stillen zu können. Ich habe das schönste Geburtstagsgeschenk überhaupt bekommen. 

Liebe Sabine,

vielen, vielen Dank dafür, dass du dir die Zeit genommen hast um deine Geschichte mit uns allen zu teilen.

Deine Geschichte ist ganz besonders – denn eigentlich ging von Anfang bis Ende so ziemlich alles schief, was nur schief gehen kann: von Problemen schwanger zu werden über die Schwangerschaftsdiabetes bis hin zu einem Notkaiserschnitt nach stundenlangen Qualen – man weiß gar nicht, wo man anfangen soll.

Es tut mir so leid, dass euer Weg zu eurem Babyglück so steinig war. Keiner hat so etwas verdient. All die Spritzen, Zuckertests und der Krankenhausaufenthalt über Weihnachten – schrecklich.

Ebenfalls traurig, dass du nach all dem so lange darauf warten musstest, dein kleines Wunder zu sehen. Ich kann mir nur ansatzweise vorstellen, wie schlimm das für dich gewesen sein muss.

Liebe Sabine, du kannst so stolz auf dich sein, dass du all das auf dich genommen und überstanden hast. Ich bin mir sicher, dass viele Frauen das Ganze versucht hätten zu verdrängen – stattdessen teilst du deinen Weg mit uns allen.

Deine Geschichte zeigt, dass  – auch wenn alles schief geht und so ganz anders abläuft als man es sich vorgestellt hat – am Ende das schönste Ziel auf einen wartet: ein Baby.

Ich bin mir sicher, dass du anderen Frauen mit deiner Geschichte Mut machen und ihnen zeigen wirst, dass selbst die steinigsten Wege irgendwann in einen glatten Asphalt übergehen.

Ich drücke dich aus der Ferne und wünsche dir für deine Zukunft nur das Allerbeste,

Bine