Schwangerschaft in den USA – was ist anders als in Deutschland?

Nie hätte ich gedacht, dass ich irgendwann mal eine kleine Amerikanerin zur Welt bringen würde. Aber im Jahr 2016 ist genau das passiert und das, obwohl mein Mann und ich beide Deutsche sind. Denn jedes Baby, dass hier in den USA geboren wird, ist automatisch amerikanischer Staatsbürger – ob man will oder nicht.

Lasst euch eins gesagt sein: der Geburtsablauf in Amerika ist so ganz anders als in Deutschland. Aber davon werde ich euch in einem anderen Beitrag berichten – heute möchte ich euch einfach mal einen Einblick in die Schwangerschaft geben. Denn hier ist so einiges anders – und nicht unbedingt besser – als in Deutschland.

Wie eine Schwangerschaft in Deutschland so abläuft wisst ihr alle bestimmt viel besser als ich. Dank meiner Mädels bin ich aber ziemlich gut informiert würde ich mal behaupten. Also, wie sieht es so bei euch aus? Neben den ganzen Ultraschalluntersuchungen (wer mehr Untersuchungen will zahlt ein bisschen extra) sucht ihr euch eine Hebamme, die euch schon in der Schwangerschaft zur Seite steht. Außerdem gibt es bei euch die CTGs, Vorbereitungskurse und sowas verrücktes wie Rückbildungskurse. Alles ganz normal denkt ihr vielleicht. Ähm, nein.

Hier in den USA läuft die Betreuung während der Schwangerschaft ein wenig anders ab als in Deutschland. Natürlich kann ich jetzt nur für mich sprechen (naja, bei meinen Freunden hier lief es eigentlich ähnlich ab) und vielleicht sieht die Vor- und Nachsorge in anderen Staaten auch wieder ein bisschen anders aus als in Kalifornien. Vielleicht wäre noch wichtig zu erwähnen, dass ich keine Probleme während der Schwangerschaft hatte…wer Probleme hat, bekommt natürlich noch ein paar zusätzliche Untersuchungen.

CTG? Noch nie davon gehört.

Mein erster Ultraschall fand so um die 8. Woche statt. Neben diversen Blutuntersuchungen und Urintests wurde dann ein weiterer Ultraschall mit ca. 12 Wochen gemacht. Dann gab es die Nackenfaltenmessung. Leider hatte meine deutsche Privatversicherung, die ich zu diesem Zeitpunkt hatte, nicht für diese Untersuchung zahlen wollen (und hier in den USA sind medizinische Eingriffe um einiges teurer als in Deutschland). Allerdings hatte ich den California Prenatal Screening Test gemacht, eine Sammlung von Bluttests, die das Risiko von Trisomie & co ermitteln. Die Nackenfaltenmessung per Ultraschall hätte das Blutergebnis nur minimal genauer bestimmen können, weswegen wir uns letztendlich gegen die Untersuchung entschieden hatten (insbesondere deshalb, weil die Blutergebnisse alle unauffällig waren – hätte es da eine Auffälligkeit gegeben, dann hätten wir natürlich die NFM gemacht).

Meiner Meinung nach erhält man die Testergebnisse ganz schön spät. Hätten diese ein erhöhtes Risiko aufgezeigt, dann hätten wir weitere Tests machen müssen. Und bis man diese Ergebnisse in Händen hält vergehen weitere Tage, wenn nicht sogar Wochen. Wäre ich denn dann noch in der Lage gewesen einen Schwangerschaftsabbruch vorzunehmen (wenn ich das überhaupt in Erwägung gezogen hätte)? Ich glaube kaum. Aber das ist wieder ein ganz anderes Thema..

Wie auch immer, nach der Nackenfaltenmessung (was ein langes Wort, setze ich doch gleich auf meine Galgenmännchenliste) gibt es dann den „20 weeks check-up“, der große Anatomiescan. Hierzu geht man generell zu einer Klinik die mit sehr guten Ultraschallgeräten ausgestattet ist und wo es einen Spezialisten gibt, der den lieben langen Tag nichts anderes macht als diese Scans durchzuführen. Wer unter 35 ist wird hier erfahren, ob das Kleine im Bauch ein Junge oder ein Mädchen ist. Alle über 35 haben das schon ganz am Anfang ihrer Schwangerschaft durch einen Bluttest erfahren, da man ab 35 „alt“ ist und dann ohnehin mehr Tests durchgeführt werden. Da ich im Jahr 2015 noch „jung“ war haben wir also bei diesem Anatomiescan erfahren, dass es ein Mädchen ist und durften die Kleine auch gleich in 3D bewundern. Ein Hoch auf die Technik.

So, wer zu diesem Zeitpunkt denkt er würde sein Baby noch einmal auf einem Ultraschallbild sehen bevor er sein Kind in den Armen hält der hat sich geschnitten. Denn wenn sonst keine Komplikationen mehr auftreten sollten, dann ist der Scan mit 20 Wochen tatsächlich der letzte in der Schwangerschaft. In allen folgenden Untersuchungen tastet der Arzt dann nur noch ab. Auf meine Frage, ob die Kleine denn auch richtig liegt, meinte meine Ärztin nur, dass sie sich sehr sicher sei, dass der Kopf unten läge und sie sich eigentlich noch nie geirrt hätte. Wie beruhigend.

Na und wer jetzt denkt, dass man ab diesem Zeitpunkt an den Wehenschreiber angehängt wird, der hat sich auch getäuscht. Ich hatte ein einziges CTG und das war im Krankenhaus während der Geburt (wenn ich jetzt ein Smilie einfügen könnte, dann hätte ich das kleine Äffchen ausgesucht, dass sich die Augen zuhält).

Ach, und eine Hebamme mit im Kreissaal? Nein, das gibt es so eigentlich nicht. Es gibt hier zwar die “Midwifes”, aber die sind zum Einen eher unüblich und zum Anderen meist esoterisch angehaucht. War also nicht ganz mein Fall. Oh, ich würde euch jetzt noch so gerne von der Geburt berichten. Denn es ist einfach so anders als in Deutschland. Eigentlich wie im Film. Kreissaal? Was ist das? Geburt in der Badewanne? Badewanne gibts hier nicht, aber wir haben ein Bett für dich. Ach, und du willst wissen was eine Geburt hier so kostet? Bei uns waren es so um die $30,000. Kein Kaiserschnitt, keine Komplikationen. Ein Schnäppchen!

Na jetzt bin ich doch leicht vom Thema abgekommen. Über die Geburt will ich doch erst später berichten! Also, wie ging es weiter? Eigentlich ist da gar nicht mehr viel passiert. Ab dem 8. Monat geht man alle zwei Wochen zur Untersuchung und im letzten Monat dann jede Woche. Aber bis auf Bauchumfang und Abtasterei (an diversen Stellen..) passiert da nicht mehr viel.

Alles gar nicht so schlimm

Im Großen und Ganzen kann ich mich nicht beschweren. Ich hatte stets das Gefühl, dass ich in guten Händen war. Vielleicht aber auch nur, weil ich es nicht anders kannte. Wer ein Kind in Deutschland zur Welt gebracht hat und eine weitere Schwangerschaft hier in Kalifornien erleben würde, der würde euch vielleicht etwas ganz anderes erzählen.

Generell konnte ich meine Schwangerschaft genießen (bis auf diese Rippenschmerzen!) und habe mich nicht verrückt gemacht. Und wer weiß, vielleicht macht man sich auch nur halb so verrückt wenn man nicht ständig am Wehenschreiber hängt?! Also solltest auch du mal eine Schwangerschaft in den USA erleben dürfen, dann mach dich nicht verrückt und denke nur an eine Sache: ohne Krankenversicherung wird’s teuer. 😉

Macht’s gut ihr Lieben und bis bald,

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