Was ist ein Familienbett

Endlich ist es soweit – hier ist es, mein erstes Interview! Wer schon immer mehr über das Thema Familienbett erfahren wollte, der ist hier genau richtig. Im heutigen Interview habe ich mit meiner Freundin Lana über ihre Erfahrung mit dem Familienbett gesprochen. Lana ist eine Expertin auf dem Gebiet: mit über 3 Jahren Erfahrung und mit dem zweiten Kind im Bett kann sie uns einen tollen Einblick in das Thema geben. Viel Spaß!

Du möchtest das ganze Interview hören? Keine Sorge, ich arbeite schon an meinem Podcast Mamafieber! Dort findet ihr dann zukünftig neben diesem Interview viele weitere tolle Gespräche zu interessanten Themen rund um Kinderwunsch, Schwangerschaft und Familie!

Lana, erzähl mal: was ist ein Familienbett? 

Unter Familienbett versteht man die Schlafsituation, dass alle oder ein Großteil der Familie gemeinsam in einem Bett schlafen. Bei uns ist aktuell der Fall, dass wir wirklich alle 4, sprich die Große und der Kleine, im Schlafzimmer in einem Bett schlafen und so das klassische Familienbett führen. Im Englischen wird es oft Co-Sleeping genannt, ist aber wohl das Gleiche wie das Familienbett.

Also die ganze Familie in einem Raum?!

Ja, aber meist auch tatsächlich in einem Bett. Wir haben ein großes 2x2m Bett und haben aktuell ein Kinderbett, das an einer Seite geöffnet ist, drangeschoben. Also 2,60m Liegefläche. Der Kleine schläft eigentlich im Anstellbett, aber das kann sich im Laufe der Nacht natürlich auch ändern – das ist nicht so ganz fix.

Du hast zwei Kinder, deine Tochter ist 3 Jahre alt. Schläft sie zwischen dir und deinem Mann?

Ja, mal so mal so. Unser Familienbett ist im großen Wandel. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass sie teilweise versucht auszuziehen und sich dann aber oftmals doch nicht traut und doch zurück ins große Zimmer wandert. Von daher ist es mal so, mal so. Die letzten Wochen hatten wir eigentlich ihr Kinderbett neben unserem Elternbett an der einen Seite, und das Babybett auf der anderen Seite. Dann hat sie auch tatsächlich in ihrem Bett geschlafen – und wir hatten viel Platz im Bett. Wobei sich das zu 99 Prozent wirklich im Laufe der Nach ändert. Sie kommt dann im Laufe der Zeit ins Bett gekrabbelt und dann liegt sie auch tatsächlich in der Mitte. Aktuell versucht sie wieder in ihrem Kinderzimmer zu schlafen, was bedeutet, dass ihr Bett im Kinderzimmer steht.

Wie bist du auf die Idee Familienbett gekommen? Wolltest du das schon immer oder hat sich das einfach so ergeben?

Es war absolut nie mein Plan. (lacht) Das war so die einzige Vorstellung die ich mit Leben unserer Großen hatte: „Die schläft in ihrem eigenen Bett!“ Das war eigentlich das Einzige, was ich mir wirklich vorgenommen hatte. Was ich dann auch prompt nicht geschafft habe. Angefangen hatte das schon im Krankenhaus: sie schlief nicht in diesem Krankenhausbettchen. Nachts im Krankenhaus war ich dann heulend im Bett gesessen und habe der Nachtschwester erzählt, dass sie nicht in ihrem Bett schläft, sondern nur bei mir. Diese Nachtschwester war Person Nummer 1, die zu mir gesagt hatte: das macht kaum ein Baby. Das hatte mich total beruhigt. Sie meinte, dass ich sie bei mir schlafen lassen soll. Die Wenigsten schlafen in diesen Bettchen. Puh, dachte ich mir. Mein Kind ist nicht komisch. Es wird schon werden.

Dann hatte ich eine Nachsorgehebamme hier zuhause, die täglich kam. Der hatte ich dann auch ziemlich schnell gesagt: in ihrem Bettchen schläft sie nicht. Die meinte dann auch gleich zu mir: Lana, gib ihr Zeit. Sie war 9 Monate mit dir den Kontakt gewöhnt, die braucht noch. Daraufhin haben wir dann von Bekannten ein Beistellbett organisiert und hatten es ein paar Monate nebendran stehen. Aber da hat sie auch nicht drin geschlafen. Sie war wirklich konstant auf Körperkontakt aus und hat tatsächlich die ersten Monate komplett an mir geschlafen.

Hattest du nie Angst, dass du sie im Schlaf erdrückst?

Doch! Gerade am Anfang hatte ich Angst wobei sich das dann darin gezeigt hatte, dass ich mich nachts gar nicht bewegt habe. Ich glaube ich lag auf der Seite und bin genauso wieder aufgewacht wie ich eingeschlafen bin. Dann kommt hinzu, dass sie tierisch oft wach war und deshalb war ich auch tierisch oft wach. Dann hat sich das einfach irgendwie eingespielt, dass es entspannter wurde.

Es ist ja auch ein Luxus, wenn man darüber nachdenkt. Besonders am Anfang, wo die Kinder alle paar Stunden aufwachen um gestillt zu werden.

Das ist mitunter auch ein großer, großer Vorteil muss ich sagen. Ich hatte ein furchtbar schlecht schlafendes Kind, die auch 1,5 Jahre – eher länger –  alle 2 Stunden wach war und ich war trotzdem morgens nicht sooo k.o., weil ich eben gar nicht so richtig wach werden musste. Das war immer so die große Frage: schläft sie so schlecht weil sie bei uns schläft oder ist es gut dass sie bei uns schläft? Es hat sich also einfach nur so entwickelt unser Familienbett, es war nie unser Plan und wir haben das Beste draus gemacht.

Was hat dein Mann zum Familienbett gesagt?

Für den war es eigentlich völlig unproblematisch, da sie bei mir geschlafen hat. Das Beistellbett stand auch auf meiner Seite. Also hat er von ihr eigentlich nichts mitbekommen. Es hat ihn also vom Schlafen her nicht gestört und er musste keine Angst haben, dass er auf sie rollt. 

Kam jetzt, Jahre später, auch mal ein Kommentar von wegen “jetzt reicht’s”?

Jein, es ist natürlich Thema. Bei uns beiden. Aber ich glaube eigentlich genießt er es schon auch. Als wir nur die Große hatten, war er davon ja eigentlich wenig betroffen, da sie wie eine Klette an mir geschlafen hat. Als dann jetzt der Kleine auf die Welt kam, hat sich das Blatt allerdings ein bisschen gewendet und sie ist mit ihren Kuschelaktivitäten sehr stark zu ihm. Da hat sie sich dann an ihn gewendet und lag dann halt bei ihm im Bett. Das war neu für ihn und daran musste er sich gewöhnen. Aber ich glaube eigentlich fand er das schön.

Wie lange dürfen eure Kids denn eigentlich in diesem Familienbett schlafen? Werden die irgendwann rausgekickt? Was ist euer Plan?

Wir hätten natürlich unser Bett gerne wieder für uns. Momentan versucht die Große mal wieder auszuziehen. Sie ist in der Autonomiephase: ich kann alles, ich will alles. Von daher trifft sich das schon ganz gut, weil sie groß sein möchte. Sie kriegt natürlich auch im Kindergarten mit, dass die Meisten in ihrem eigenen Zimmer schlafen und nicht bei Mama und Papa. Eigentlich würde sie gerne in ihrem Zimmer schlafen und groß sein (momentaner Anreiz: der Wunsch nach einem eigenen Nachttisch), aber das schwankt dann: so ganz sicher fühlt sie sich noch nicht. Ich denke schon, dass das jetzt so langsam passiert. Wir versuchen das ohne Druck zu machen. Sie weiß, wenn sie nachts aufwacht, darf sie zu uns kommen – jederzeit. Das ist glaube ich für ihre Persönlichkeit sehr wichtig, damit sie den Mut nicht verliert. Natürlich stellt sie  Fragen wie “Warum dürft ihr alle zusammen schlafen und ich muss alleine schlafen?” Diese Fragen sind ein bisschen schwierig zu beantworten, da weiß ich teilweise keine Antwort drauf. Ich habe mit dem Kinderarzt kürzlich darüber gesprochen und der hat gelacht und gemeint, dass es ihr vielleicht einfacher fällt, wenn beide gleichzeitig ausziehen. Das ist tatsächlich auch eine Option, da der Kleine nicht ganz so nähebedürftig ist. Er schläft viel besser in seinem Babybett.

Würde es dir denn sehr schwer fallen, den Kleinen auch aus dem Familienbett zu verbannen?

Ich glaube es würde mir leichter fallen – mit der Großen hätte ich mir da schwerer getan. Er hat auch immer mal wieder Phasen wo er 4-5 Stunden am Stück schläft, was eben deutlich besser ist.

Wie sieht es überhaupt aus mit zwei Kindern im Bett?

Wir waren selbst sehr gespannt und haben es ziemlich auf uns zukommen lassen. Die größte Angst war natürlich, dass sie sich gegenseitig wecken und die ist so halb eingetreten. Wenn er aufwacht und weint, dann ist das überhaupt kein Problem. Wenn sie allerdings aufwacht, dann kommt es ganz drauf an wie laut es wird: wenn sie laut weint, dann wacht er meist auch auf. Auch das Ins-Bett-Bringen ist ein Abenteuer, weil keiner der Beiden einfach so einschläft. Da gibt es keinen Plan, das muss ich jeden Tag auf mich zukommen lassen.

Was sind die Vor- und Nachteile des Familienbetts?

Den Vorteil finde ich beim Baby, dass er von mir aus 5 mal wach werden kann und ich bin am nächsten Morgen halbwegs ausgeschlafen. Die Große habe ich im Liegen gestillt, da war das völlig unproblematisch. Den Kleinen stille ich komischerweise im Sitzen – im Bett -, aber ich muss nicht aufstehen. Man dämmert einfach so vor sich hin.

Auch wenn ein Kind krank ist, dann ist es bei dir und du hast zumindest das Gefühlt es unter Kontrolle zu haben. Man kann einfach mal kurz rüberlangen und schauen ob alles okay ist. Dann kann ich entspannter schlafen. Ich glaube wir haben alle diese Kuschelstunden genossen. Sonst hätten wir das auch nicht gemacht. Wenn man sich nicht wohl fühlt, oder es nicht genießt, dann quartiert man sie schon aus. 

Denkst du, dass für das Kind selbst diese Nähe zu den Eltern besonders wichtig ist?

Das kann ich nicht sagen. Ich glaube es schadet auf keinen Fall. Zu viel Nähe zu erfahren ist schwierig… Bei der Großen hatte ich einfach das Gefühl, dass sie das braucht. Nachteile des Familienbetts gibt es natürlich auch. Jetzt wo sie größer und aktiver ist, ist es super nervig. Deswegen sind wir auch sehr dahinter her, dass sie dieses Ausziehen auch wirklich in Angriff nimmt. Sie liegt halt auch gerne mal quer oder du hast einen Fuß im Bauch…

Der andere Nachteil ist natürlich, wenn sie sich gegenseitig wecken. Auch ein Nachteil ist, wenn einer krank ist. Die Große war im letzten Winter ziemlich oft krank und wie willst du das eine Kind gesund halten, wenn das andere nur die ganze Zeit rumhustet. Da gab es auch durchaus Nächte, wo ich woanders mit dem Kleinen geschlafen habe – einfach um zu versuchen, dass er gesund bleibt. 

Wie sieht’s denn generell so mit Zweisamkeit aus, wenn ich fragen darf?

(lacht) Das ist die größte Sorge aller Leute. Alle Leute, die wissen dass man ein Familienbett hat, haben diese Sorge. Wir haben zwei Kinder und es ist irgendwie auch entstanden. Das verändert sich auf jeden Fall. Das Schlafzimmer wird dazu weniger genutzt. Das Schlafzimmer wird zur Schlafstätte. Du musst dich umorganisieren. Sie Spontanität geht verloren, aber wir haben uns damit gut arrangiert.

Uns fehlt das Erzählen im Bett, denn man schleicht sich ja regelrecht ins Schlafzimmer. Wobei ich ehrlich sein muss: wir gehen auch ganz oft nicht gleichzeitig ins Bett. Dann wäre die Situation auch nicht da. Man muss sich einfach umorganisieren und wir haben uns gut damit arrangiert.

Hast du es je bereut, ein Familienbett zu haben?

Nö. Es gab wie gesagt Momente, wo man sich sagt, es wäre schöner mal wieder Zeit für sich zu haben. Aber eigentlich waren wir immer zufrieden mit der Schlafsituation.

Gibt es in eurem Freundeskreis noch andere Familienbetten?

Wir sind im Freundeskreis fast die Einzigen. Eine Freundin habe ich, da ist der Vierjährige vor einer Woche aus dem Familienbett ausgezogen. In den Sozialen Medien sehe ich natürlich oft, dass viele andere ein Familienbett haben. 

Wie reagieren andere darauf? Verständnis? Fragen? 

Die aus dem engen Familienkreis die haben das immer total verstanden und unterstützt. Wer es gar nicht verstehen kann sind glaub’ ältere Menschen – und Leute, die gar nichts mit dir zu tun haben und sich irgendwie Sorgen um die Zweisamkeit machen. Ich glaub im Freundeskreis waren viele dabei die meinten “Puh, das könnte ich nicht.” Da hab ich mir aber nie was draus gemacht. Sie müssen ja auch nicht. Solange keiner eine Schlafsituation aufgezwungen bekommt, finde ich das alles easy. Wie mit vielen Dingen im Mutterleben. Man muss seinen eigenen Weg finden.

Wem würdest du das Familienbett empfehlen?

Wenn mein Kind nicht schläft, dann würde ich es zu mir holen. Das wäre das Erste, was ich machen würde. Übrigens werfen dir die Leute gerne an den Kopf: “die kriegst du nie wieder aus deinem Bett.” Ganz ehrlich, die wird schon nicht ewig bei mir schlafen. Das hat meine Mama immer zu mir gesagt und mich beruhigt: “Du, mit 18 liegt die nicht mehr bei dir.”

Hast du noch irgendwelche Tipps für andere Mamas oder Mom-to-be’s da draußen, die mit dem Familienbett-Gedanken spielen?

Ich würde das alles auf mich zukommen lassen. Für den allerersten Start würde ich es schon empfehlen, dass man sich ein Beistellbett holt. Das machen auch die Allermeisten die ich kenne für die ersten vier Monate oder so. Ein Tipp ist auch, sich auf das Kind einzulassen: wie will dein Kind schlafen? Sie zeigen das eigentlich schon ganz gut. Und man darf sich selbst natürlich auch nicht vergessen! Wenn man selbst nicht schlafen kann, dann bringt das Ganze auch nichts. Es geht ja darum, dass man einen erholsamen Schlaf hat. Einfach auf die Bedürfnisse von allen achten und schauen, wo man landet: im Familienbett oder eben nicht. 

Was ich noch sagen wollte: für Viele ist der plötzliche Kindstot ein Hindernis. All denen möchte ich ans Herz legen, dass es Regeln fürs Familienbett gibt, um für die Sicherheit des Kindes zu sorgen. Einfach nochmal ein bisschen über Familienbett und plötzlicher Kindstot nachlesen, es ist nicht so gefährlich wie immer gewarnt wird. Mir hat das sehr viel Sicherheit gegeben.

Vielen, vielen Dank, Lana, dass du dir die Zeit genommen hast mit mir über das Thema Familienbett zu sprechen!

2 Kommentare
  1. Corinna Scheibel
    Corinna Scheibel sagte:

    Hey schönes Inertview! Bei uns ist der Kleine freiwillig mit 14 Monaten aus dem Familienbett gekrabbelt und wollte in seinem Bett schlafen…hingegen der Große würde mit 9 Jahren immer noch zu uns ins Bett kommen😋

    Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.