Kurz vor dem zweiten Geburtstag von Little H hatte ich beschlossen, dass es so langsam an der Zeit zum Trockenwerden war. Nicht weil ich mein Kind dazu drängen wollte, sondern einfach weil sie starkes Interesse gezeigt hatte. Außerdem hatte ich mich mit ein paar meiner amerikanischen Freundinnen über ihre Erfolgsgeschichten unterhalten: ihre Kinder hatten es innerhalb von drei Tagen geschafft, über Tag windelfrei zu sein. Laut meiner Freundinnen waren diese drei Tage zwar sehr anstrengend, aber es wäre alle Mühe wert. Ich war beeindruckt – und ein bisschen skeptisch.

Auf Rückfrage wurde mir von beiden ein Buch empfohlen. Doch schnell musste ich feststellen, dass dieses Buch über 280 Seiten hat. 280 Seiten?! No way, dachte ich mir. Allein die Vorstellung daran, mich so lange mit diesem Thema beschäftigen zu müssen, lösten in mir die “ach-wir-haben-ja-noch-Zeit”-Einstellung aus.

Roman oder Kurzversion gefällig?

Wie groß war doch meine Freude, als ich ein Buch entdeckte, dass nicht nur gute Bewertungen hatte, sondern dieses wundervolle Thema in knapp 100 Seiten zusammenfasste. Ich war mir sicher: das ist das Buch für die lesefaule Bine. Fünf Minuten später lag ich dann auf der Couch, mit meinem Kindle in der Hand und höchst vertieft in das Buch “Pottytraining in 3 days” von Brandi Brucks. 

Schon bei der Einleitung musste ich feststellen, dass das alles ganz schön stressig klang. Nur beim Gedanken an diese drei bevorstehenden, stressigen Tage dachte ich mir: will ich das wirklich?

Kurz zusammengefasst ist die Vorgehensweise die Folgende:

  • bevor man mit dem Training beginnt, sollte das Kind ready sein, bedeutet beispielsweise Interesse am Pipimachen haben.
  • Es sollten bestenfalls keine Töpfchen verwendet werden, sondern nur diese Kloaufsätze
  • Unterhosen müssen her, denn du und dein Kind entsorgen zusammen ALLE Windeln im Haus zu Beginn des Trainings
  • Zu Beginn des Trainings viel trinken und Nahrung essen, die den Harndrang verstärkt (Tipp: Wassermelone)
  • Unterhose und ein kurzes Shirt anziehen, sodass man auch schnell sieht, wenn ein Unfall passiert
  • Kein TV und kein Handy (insbesondere für uns Eltern!) während des dreitägigen Trainings, auch keine Ausflüge. Immer in Nähe des WCs bleiben und Kind beobachten, auf Pipi-Anzeichen achten
  • Wenn Kind einen Unfall hat, schnell das Kind zur Toilette tragen und sagen, dass das Pipi in das Klo gehört – auf keinen Fall böse werden aber trotzdem darauf achten, dass die Message rüber kommt: Pipi gehört nicht in die Unterhose
  • Wenn das Kind Stufe 1 oder Stufe 2 ins Klo macht, dann das Kind ausgiebigst loben und mit einer Kleinigkeit belohnen. Die Autorin empfiehlt einen Snack zur Belohnung, da dies bei Kindern besonders gut ankommt. (Mein Tipp: meine Tochter liebt beispielsweise Rosinen – das ist dann auch noch gesund)

So – das klingt ja soweit ganz in Ordnung, aber mich hatte vor allem eine Sache gestört und letztendlich davon abgehalten, dieses Programm durchzuziehen: alle, und damit meine ich wirklich alle Windeln auszusortieren. Allein die Vorstellung, zukünftig mit der Maus ohne Windel einkaufen zu gehen, lösten in mir leichte Angstzustände aus.

Nachdem ich das Buch also fertig gelesen hatte, kam ich zu dem Entschluss, dass ich noch nicht ready war für diese Art des Potty Trainings. Trotzdem hatte ich so einiges von diesem Buch gelernt:

  • Unterhosen sind super wichtig
  • Ich nerve mein Kind mit meinen ständigen Fragen, ob es denn aufs Klo muss
  • Es ist wichtig dem Kind zu vermitteln, dass Unfälle unschön sind
  • Das Töpfchen im Wohnzimmer ist fehl am Platz
  • Ich muss mich langsam aber sicher damit abfinden, dass Unfälle in der Öffentlichkeit passieren werden

So hat’s bei uns mit dem Trockenwerden geklappt:

Diese Tipps haben bei uns geholfen, unsere Tochter dann letztendlich kurz nach ihrem zweiten Geburtstag tagsüber windelfrei zu bekommen. Wie wir das angestellt haben erzähle ich euch jetzt.

Zunächst habe ich Unterhosen gekauft. Nein, nicht nur irgendwelche Unterhosen, sondern die mit ihrem Lieblingsmotiv: Thomas, die Eisenbahn. Das hat schon Wunder bewirkt und ich kann euch nur raten, Unterhosen mit dem Lieblingsmotiv eurer Kids zu besorgen. Denn ich habe meiner Tochter bei jedem Unfall erklärt, dass Choo-choo Thomas nicht nass werden will und er jetzt traurig ist. Das hat gezogen.

Außerdem war mir nie bewusst, wie sehr ich meine Tochter mit meiner Fragerei genervt hatte. “Musst du aufs Klo? Bist du dir sicher? Jetzt vielleicht?” Kommt euch bestimmt bekannt vor. Vermutlich kennt ihr auch die Standardantwort der Kinder: nein. Nur um 5 Minuten später einen Unfall zu haben. Deshalb habe ich, wie in dem Buch geraten, nur ab und zu meine Tochter daran erinnert, dass Pipi & Poopoo ins Töpfchen gehören.

Außerdem habe ich ihr immer mitgeteilt, wenn ich aufs Klo musste und meistens wollte sie dann auch mit und saß vor mir auf ihrem Töpfchen. Ach ja, wir haben unser Töpfchen nämlich behalten – zumindest das im Badezimmer. Warum? Weil unsere Tochter gerne selbstständig Dinge erledigt und auf unser Klo kommt sie ohne Hilfe ja leider nicht.

Immer schön die Ruhe bewahren

Wie gesagt, bei jedem Unfall habe ich ihr dann erklärt, dass es okay ist, ich aber nicht happy bin. Dabei bin ich natürlich immer ruhig geblieben und habe auch nicht auf ihr herumgehackt. Einfach kurz erklärt, dass Thomas jetzt schmutzig ist und weder Thomas noch ich das gut finden. Außerdem habe ich jedes Mal darauf bestanden, dass sie sich noch einmal kurz aufs Töpfchen setzt und schaut, ob da nicht noch mehr kommt.

Um ehrlich zu sein war das so ziemlich alles was wir gemacht haben. Wenn wir länger im Auto saßen, dann hatte ich ihr immer eine Windel angezogen. Zwei Monate später fahren wir jetzt selbst 45-minütige Strecken so ganz ohne Windel, wobei sie vor der Abfahrt noch einmal zur Toilette geht. Es ist nämlich erstaunlich, wie lange kleine Kinder ihr Pipi schon anhalten können.

Bei längeren Shopping-Touren ziehe ich ihr auch noch eine Windel an und meist sagt sie mir trotzdem, wenn sie muss. Sofern ein Klo in der Nähe ist, gehe ich mit ihr dorthin und hebe sie über die Toilette (das haben wir nämlich mit etwas Übung am Strand gelernt). Sollte kein WC in der Nähe sein, dann erkläre ich ihr, dass sie eine Windel anhat und sie das Pipi in die Windel machen darf.

Alle Kinder sind verschieden

Ja, das war’s auch schon. Mir ist natürlich bewusst, dass jedes Kind anders ist und was sich hier so leicht anhört, muss bei anderen Kindern so ganz und gar nicht funktionieren. Wichtig ist, dass das alles nicht zu einer stressigen Tortur für euch oder das Kind wird. Immer schön die Ruhe bewahren und darauf achten, dass das Kind bei Unfällen nicht belohnt wird (auch das habe ich schon bei anderen Eltern beobachtet, die mit ihren Dreijährigen noch geübt haben). Ein Beispiel: nach einem Unfall gibt es von mir definitiv nicht die Lieblingsunterhose des Kindes.

Den richtigen Zeitpunkt für ein solches Training müsst natürlich ihr entscheiden. Meine Tochter war total an dem Thema Klogehen interessiert und das hatte mir gezeigt, dass sie bereit ist. Außerdem ist sie immer ganz stolz auf sich, wenn sie Dinge selbst erledigt und feiert das dann immer mit Applaus. Für uns war der zweite Geburtstag also mehr als perfekt. 

Laut der Autorin des Buches ist übrigens so ziemlich alles ab zwei Jahren ein guter Zeitpunkt zum Trockenwerden. Je älter das Kind, desto schwieriger kann es laut ihr werden – denn wir alle wissen, dass dieser Dickkopf nicht gerade kleiner wird…

Letztendlich bleibt es zum Glück jedem selbst überlassen, den richtigen Zeitpunkt zu ermitteln. Immerhin brauche ich mir keine Sorgen zu machen, dass es in der Preschool diesbezüglich zu Problemen kommen wird – denn bei uns in der Gegend müssen die Kinder in den meisten Preschools trocken sein. Hoffen wir also, dass weiterhin alles gut läuft und ich bin schon jetzt gespannt, ab wann sie nachts keine Windeln mehr braucht.

Haltet durch,

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